Es ist ein „gut Ding“ geworden

Ein Mammutprojekt findet seinen Abschluss: Bergbaumuseum 'Eisenreich' erstrahlt in neuem Glanz

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Beim Museumsrundgang. Ein digitales Geländemodell gibt Auskunft über die Infrastruktur und politische Organisation der Region im Laufe er Jahrhunderte: (v.l.n.r.): Bürgrmeisetr Thomas Gasser, Vorstand Roland Klosa, Ministerin Michaela Kaniber, Altlandrat Georg Grabner, Landrat Bernhard Kern.
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Das Bergbaumuseum 'Eisenreich' in Teisendorf wurde nach einer umfangreichen Renovierung wiedereröffnet. Trotz finanzieller Rückschläge konnte das Projekt dank zahlreicher Förderer realisiert werden. Die neue Dauerausstellung bietet einen tiefen Einblick in die lokale Bergbaugeschichte.

Teisendorf/Achthal – Teisendorf hat einen neuen Ort für Kultur und Heimatgeschichte. Das Bergbaumuseum „Eisenreich“ im Achthal wurde jüngst in feierlichem Rahmen mit einer neuen Dauerausstellung nach fast drei Jahren Umbau wiedereröffnet. Die Segnung der Räumlichkeiten erfolgte durch den katholischen Pfarrer Martin Klein und den evangelischen Pfarrer Jürgen Henrich. Rund siebzig geladene Gäste, darunter Staatsministerin Michaela Kaniber, Kommunalpolitiker, Förderer des Museums, Kuratorin und Planer sowie Vertreter der ausführenden Firmen, Mitglieder des Fördervereins und des wissenschaftlichen Beirats waren der Einladung der Gemeinde gefolgt. Sie alle wurden von dem 1. Bürgermeister und Hausherrn Thomas Gasser im Vortragssaal des Museums begrüßt. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von zwei Jugendlichen der Gaujugendgruppe mit schwungvollem Ziachspiel.  

„Gut Ding hat lang Weil“ meinte ein sichtlich erfreuter Bürgermeister. Das gelte auch für die Baumaßnahme im Achthal, die mit der ersten Vorstellung des Projektes 2019 begonnen hat. Es folgte die Suche nach Fördermöglichkeiten, die feierliche Übergabe des LEADER-Förderbescheides 2021 durch Staatsministerin Michaela Kaniber und der Baubeschluss durch den Gemeinderat im Juni 2022. Im Dezember 2022 dann der Rückschlag; wegen der angespannten finanziellen Situation der Gemeinde wurde für 2023 ein Baustopp verhängt. 2024 konnte die Umsetzung endlich beginnen, nachdem neue Förderungen zugesagt wurden. Über LEADER sind in das Projekt rund 325.000 Euro geflossen, über die Fraktionsreserve weitere 167.000. Die Landesstelle für nicht-staatliche Museen unterstützte das Projekt mit 34.000 Euro. Weitere Förderer waren die Sparkassenstiftung Berchtesgadener Land, die Eva Mayr-Stihlstiftung, Herr Heinz Unruh, die Firmen Max Aicher GmbH, Mafoteisendorf, Grassl Enzian und Brauerei Wieninger. Gasser bedankte sich vor allem bei dem Förderverein Bergbaumuseum Achthal und seinem Vorsitzenden Roland Klosa, ohne den die Gemeinde ein solches Mammutprojekt nicht hätte schultern können. Der Förderverein ist wie bereits vor dem Umbau, für die Abwicklung des Museumsbetriebs zuständig.

Bürgermeister Thomas Gasser begrüßte die Gäste

„Hier wurden buchstäblich Berge versetzt. Herzlichen Glückwunsch im Namen der Bayerischen Staatsregierung zu dieser starken Gemeinschaftsleistung!“ Mit diesen Worten gratulierte Staatsministerin Michaela Kaniber zu dem gelungenen Projekt, das den Besuchern in zeitgemäßer, attraktiver Form die über 400-jährige Geschichte des Bergbaus und der Eisenverhüttung im Achthal, und das Leben der Menschen zeigt, die diese Geschichte geformt haben. Geschichte sei Heimat, die nie vergessen werden dürfe. Kaniber lobte vor allem die Schwerpunktsetzung im Kinder- und Jugendbereich und die Vernetzung mit anderen Museen in der Region. „Sie leben LEADER“, meinte sie dazu. In einem emotionalen Moment wandte sich die Ministerin mit persönlichen Worten an Christl Winkler, die Witwe des Museumsgründers Sepp Winkler und würdigte dessen Pionierleistung für das Bergbaumuseum Achthal. Landrat Bernhard Kern erinnerte in seinem Grußwort an die prägende Tradition des Bergbaus im Berchtesgadener Land und an die grenzüberschreitende Verbindung mit Salzburg, die sich auch in der Geschichte der Eisengewerkschaft Achthal widerspiegelt. Er lobte das Engagement des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal und die Gemeinde für die Übernahme der Trägerschaft für dieses große Projekt.   

Beim Museumsrundgang: Vorstand Roland Klosa erklärt der Ministerin die wertvollen Gruben- oder Saigerrisse im Museum.

„Eine Dauerausstellung ist erst dann gelungen, wenn die Menschen nachdenklicher herausgehen, wie sie hineingekommen sind“, sagte Kuratorin Ulrike Laufer in ihrer Ansprache. Man habe sich bei der Neugestaltung darauf konzentriert, durch intensive Akten- und Archivstudien, die Befragung von Fachleuten, das Aufspüren und Beschaffen neuer Exponate und die Zusammenarbeit mit einem guten Gestalterteam ein Museum zu schaffen, dass den Bezug von Heimat und Technik und den Zusammenhang von Bier, Holz und Eisen als Hauptthemen hat. Die Erinnerung an die Besonderheit einer über mehrere Jahrhunderte blühenden Industrielandschaft in bäuerlichem Umfeld müsse erhalten bleiben. 

Feierliche Wiedereröffnung nach langer Umbauphase

Roland Klosa, der 1. Vorstand des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal konnte seine Freude über das gelungene Werk kaum verbergen. Er erinnerte an die ersten Überlegungen zur Neugestaltung der gut zwanzig Jahre alten Dauerausstellung und bedankte sich bei allen, die auf dem langen Weg der Umsetzung bis zur Eröffnung geholfen haben. Staatsministerin Michaela Kaniber überreichte er einen Guss aus dem Achthal, Madonna mit Kind, den Pfarrer Martin Klein gleich segnete. Für die Gemeinde erhielt Bürgermeister Thomas Gasser als Erinnerung an den Tag der Eröffnung ein Faksimile einer Tuschzeichnung des Marktes Teisendorf von 1803. Das Original hängt im Museum. Kuratorin Ulrike Laufer erhielt ein Faksimile des ältesten Grubenrisses im Besitz des Museums aus dem Jahr 1623. Ein Dank ging auch an die Planer Ilja Sallacz und Stefani Wiatowski  von der Werbe-Agentur Liquid aus Augsburg und die Museumspädagogin Dr. Maria Erker aus Salzburg. Die Künstlerin Alfina Weingartner, die die Figuren im Treppenhaus gemalt hat, überreichte ihrerseits als Dank an Roland Klosa eine gemalte Ikone der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. 

Exponat im Bergbaumuseum Achthal

Pfarrer Martin Klein, der in der Festtracht der Köhler von Neukirchen gekommen war, als Erinnerung an die Verbundenheit von Kohle und Eisen, meinte vor der Segnung „Wenn wir heute das Bergbaumuseum neu segnen dürfen, dann schwingt die Geschichte dieser Gegend, die hier erfahrbar wird mit, der Dank für die Heimat, in der wir leben dürfen und der Dank, dass die Renovierung und Neukonzeption gelingen konnte mit.“ Pfarrer Jürgen Henrich erinnerte an die Schutzpatronin der Bergleute, die Heilige Barbara, die bis zu ihrem Tod standhaft im Glauben war. Mit dem Segen wurde für das neu renovierte Museum ihr Schutz erbeten.

Würdigung und Ziele der neuen Dauerausstellung

Bei dem anschließenden Museumsrundgang zeigten sich Ministerin Kaniber und die weiteren Gäste positiv überrascht von der ansprechenden, zeitgemäßen Gestaltung der 25 thematisch gegliederten Ausstellungsräume, den digitalen Animationen mit Erzählfiguren, Medien- und Mitmach-Stationen und der Fülle der Exponate und Informationen, die die neue Dauerausstellung bietet. Alle waren überzeugt, dass man hier immer wieder herkommen kann, um Neues und Interessantes zu entdecken, denn dieses Museum ist ein genialer Lern- und Veranstaltungsort für alle Generationen. 

Das Museum in Teisendorf-Achthal, Teisendorfer Straße  63, ist täglich außer Dienstag geöffnet, am Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, an den anderen Tagen von 10 bis 16 Uhr. (kon

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