Tempomessung in Marienstein: 300 Fahrer wären eigentlich ihren Lappen los

Gemeinde will Raser zur Räson bringen

+
Viel zu schnell: Auf der Hauptstraße in Marienstein sind zu viele Raser unterwegs, hat eine Messung bestätigt. Die Gemeinde will nun verstärkt kontrollieren lassen.
  • schließen

Wären die Blitzer scharf gestellt gewesen, wären 300 Autofahrer ihren Lappen los: Das Ergebnis einer Geschwindigkeitsmessung vor wenigen Wochen in Marienstein liest sich alarmierend. Jetzt will die Gemeinde Waakirchen die Raser dort zur Räson bringen.

Waakirchen – Immer wieder sprechen Mariensteiner im Waakirchner Rathaus vor, schicken E-Mails. Das Problem: Autofahrer brausen mit erstaunlichem Tempo durch den kleinen Ort. Zuletzt hat die Gemeinde Waakirchen die Geschwindigkeit dort vom Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland im Zeitraum zwischen 30. Juli und 6. August messen lassen. 5300 Fahrzeuge wurden in dem Zeitraum erfasst, das Gros war deutlich zu schnell. Die neun Spitzenreiter hatten am Messpunkt Hauptstraße 15 satte 51 bis 60 km/h mehr auf dem Tacho als erlaubt. 30 Fahrzeuge überschritten das Limit um 41 bis 50 km/h, 280 waren um 31 bis 40 km/h zu schnell, 382 um 26 bis 30 km/h, 610 Fahrzeuge um 21 bis 25 km/h. „Es ist schon brutal, was da gefahren worden ist“, meinte Bürgermeister Sepp Hartl (FW) im Gemeinderat. Dort stand der Wunsch von Anwohnern, das Tempo auf der Hauptstraße auf 30 km/h zu begrenzen, auf der Tagesordnung. Was rechtlich möglich ist, hatte Hartl zuvor bei der Polizei und beim Landratsamt Miesbach abgeklopft. Nach eigenem Ermessen kann die Gemeinde auf der Hauptstraße nicht handeln. Nach dem Urteil der Fachbehörden ist der Erlass eines Tempo-30-Gebots nicht gerechtfertigt. Dies deshalb, weil die Unfallträchtigkeit gering sei, erklärte Hartl.

Nach Aussage von Robert Ruttkowski, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizei Bad Wiessee, seien die Voraussetzungen für eine Begrenzung auf 30 km/h nicht gegeben. Es bestehe kein Handlungsbedarf. Auch Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter beim Landratsamt, sehe dies so. Er empfehle aber eine intensive Verkehrsüberwachung sowie den Einsatz von Dialog-Displays, also einer digitalen Tempoanzeige.

Auch interessant: Das Mariensteiner Brauhaus - das haben die Macher der Mikrobrauerei noch vor

Beide Empfehlungen will der Gemeinderat umsetzen. Nach Auffassung von Balthasar Brandhofer (ABV) sind verstärkte Kontrollen aber nur der erste Schritt. Wenn die Maßnahmen nicht fruchteten, müsse die Gemeinde noch einmal wegen Tempo 30 nachhaken. „Da sind potenzielle Rennfahrer unterwegs“, erklärte Brandhofer. Die Messungen zeigten, dass es sich nicht nur um den Berufsverkehr handle, sondern die Quote auch am Wochenende hoch sei. Wichtig sei seiner Fraktion, dass die Gemeinde die verstärkten Messungen durch den Zweckverband ankündige: „Die Leute sollen schon wissen, dass wir da dahinter sind.“

Das unterstrich auch sein Fraktionskollege Rudi Reber. „Wir wollen ja nicht, dass die Leute in Marienstein alle ihren Führerschein verlieren“, merkte er an. Wäre die Messungen Ende Juli/Anfang August scharf vorgenommen worden, hätten sich mehr als 300 Autofahrer von ihrem Führerschein verabschieden müssen, erinnerte Reber. Dass die Polizei Marienstein nicht als Unfallschwerpunkt erachte, sei für ihn im Übrigen nicht ausschlaggebend, meinte Reber.

Hier blitzt‘s am öftesten im Landkreis: Dieser Rekordblitzer sorgt für 140 Gerichtsverhandlungen - im Monat

„Wir möchten keinen abzocken“, machte Bürgermeister Hartl deutlich. Es gehe darum, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Gemeinde werde deshalb über alle Kanäle auf die Messungen hinweisen. Wann genau kontrolliert werde, wisse aber auch die Gemeinde nicht. Vorzugsbehandlungen gebe es keine, so Hartl: „Da wird jeder gemessen. Außer, es hat einer ein Blaulicht drauf.“

Für diese Raser hat der Prozess bereits begonnen. Das Gerichtsverfahren läuft.

Kommentare