VonAndreas Högerschließen
Das Radweg-Projekt im Teufelsgraben steht unter keinem guten Stern. Jahrelang verzögerte sich der Bau. Jetzt endlich zeichnet sich der Durchbruch ab. Die Verzögerung kostete Nerven – und viel Geld.
Holzkirchen/Otterfing – Ob 2019 wirklich gebaut wird? „Ich trau’ mich nicht, das zu behaupten“, sagt Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder. Nicht minder genervt ist sein Holzkirchner Amtskollege: „Man könnte glauben, es handelt sich hier um eines der größten Bauprojekte der Region“, sagt Olaf von Löwis.
Tatsächlich handelt es sich um ein eher kleineres Joint-Venture der Gemeinden Otterfing und Holzkirchen. Neben der Bahntrasse soll ein asphaltierter Geh- und Radweg die Orte auf kürzester Linie miteinander verbinden. Nur 3,5 Kilometer wären zwischen den Bahnhöfen zu radeln. „Wir müssen Infrastruktur für nicht motorisierten Verkehr schaffen, wenn wir die Mobilitäts-Wende anschieben wollen“, sagt Löwis.
Ausgerechnet der Naturschutz stellte sich in den Weg. Weil neben den Gleisen ein Trocken-Biotop entstanden war, wo sich Eidechsen und Kreuzottern wohlfühlen, bestand die Untere Naturschutzbehörde (uNB) im Landratsamt auf Ausgleichsmaßnahmen für den Artenschutz.
Die Gemeinden schalteten ein Fachbüro ein, „das uns vom Landratsamt empfohlen wurde“ (Löwis). Anfang 2017 kam ein Konzept, das die uNB aber als „mangelhaft“ zurückwies. Seitdem verging Monat um Monat, der Ball wurde hin- und hergespielt.
Wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt, kamen alle Beteiligten Mitte Dezember zusammen, um die Kuh endlich vom Eis zu bringen. Es scheint gelungen. „Es gab einen inhaltlichen Konsens, weil zum ersten Mal eine fachlich geeignete Ausgleichsfläche vorgeschlagen wurde“, sagt Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamts.
Der Charme dieses Vorschlags liegt laut Stadler darin, dass damit nicht nur der ohnehin fällige ökologische Ausgleich erledigt wäre, sondern auch gleich dem spezifischen Artenschutz Rechnung getragen wird. Eine Fläche, zwei Lösungen. Konkret heißt das: Eine 3500 Quadratmeter große Weidefläche bei Holzham, die der Gemeinde Otterfing gehört, soll zum Refugium für Reptilien werden, deren Lebensraum der künftige Radweg beeinträchtigt. „Unser Büro prüft, ob die Fläche reicht“, sagt Eglseder.
Vergeblich hatte man bei der Bahn angeklopft, um für die Reptilien offizielle Ausweichquartiere auf der anderen Gleisseite zu reservieren. „Die Bahn macht das leider grundsätzlich nicht mehr“, sagt Löwis.
Immerhin: Die Gemeinden dürfen hoffen, den Radweg 2019 anpacken zu können. Die Verzögerungen indes, sie gehen ins Geld. Statt der bisher angedachten 600 000 Euro wird jetzt wohl eine Million Euro fällig. Eglseder sieht den Landkreis in der Pflicht, sich daran zu beteiligen. „Im Landkreis München baut der Landkreis selber solche gemeindeübergreifende Radwege neben der Bahn“, hat er in Erfahrung gebracht, „wir werden unseren Landkreis bitten, sich hier wenigstens zu beteiligen.“ Man wolle doch mehr Leute raus aus dem Auto und rauf aufs Radl bringen. „Ich hoffe sehr, dass wir bei einem grünen Landrat offene Türen einrennen.“
Der Holzkirchner Bürgermeister will das zähe Genehmigungsverfahren zum Anlass nehmen, um den Umgang mit Ausgleichsflächen infrage zu stellen. „Es muss attraktiver werden, Radwege zu bauen“, sagte Löwis. Er wünscht sich, dass Behörden in ihren Ermessensspielräumen stärker berücksichtigen, wenn eine Baumaßnahme – wie etwa ein Radweg – aus sich selbst heraus schon ökologische Zwecke verfolgt. „Es kann nicht sein, dass der gleiche ökologische Schlüssel angewandt wird wie bei Autostraßen. Das muss anders bewertet werden.“
