Für zahlreiche Mädchen und Buben im Landkreis Erding beginnt nächste Woche der „Ernst des Lebens“. Für die Abc-Schützen ist der erste Schultag etwas ganz Besonderes. Für die Eltern kann die Einschulung der Kinder vor allem eins sein: verdammt teuer. Wir haben mal nachgerechnet.
Erding – Julia Heigl (37) und ihre Tochter Leonie aus Erding sind für den ersten Schultag gewappnet: Ranzen, Mäppchen und Schreibwaren liegen parat. „Wir haben schon alle Einkäufe erledigt. Es ist wahnsinnig teuer, das muss ich schon sagen. Der Schulranzen hat mit Sporttasche und Mapperl 260 Euro gekostet, die Schreibwaren dann noch mal 120 Euro, summiert Heigl auf. „Da kam einiges zusammen.“ Unterm Strich sind 400 Euro schnell investiert. Damit die Rechnung nicht auf einen Schlag so hoch wird, „habe ich aber nicht alles auf einmal gekauft, sondern in Etappen – zuerst den Ranzen, dann die Schreibwaren“, berichtet die 37-Jährige weiter.
Damit ist sie nicht allein: Meistens werden die Schultaschen bereits im März gekauft. Dann ist auch die Messe in Erding. Zwischen 250 und 280 Euro sollte man für einen guten Ranzen ausgeben. Erna Huber-Balzer vom Schreibwarengeschäft Huber in Altenerding kennt die Trends und weiß, worauf man beim Kauf achten sollte: „Im Trend sind neutrale Ranzen. Die Kinder können dann Magneten mit Motiven wie Spiderman darauf kleben.“
Neben dem Aussehen sei die Qualität entscheiden. „Die Schulranzen orientieren sich immer mehr am Sport. So werden Ergonomie und Passform rückenfreundlicher“, klärt Huber-Balzer auf. Damit der Schulranzen auch vier Jahre hält, sollte man in gute Qualität lieber etwas mehr investieren.
Die Federmäppchen sind meist schon mit Stiften, Radierer und Geodreieck ausgestattet. Doch entspricht das Material immer auch den Anforderungen der Schulen? Meist nicht, wie auch Heigl erfahren musste: „Da ist schon das ganze Mapperl voll mit Stiften, und dann müssen wir alles rausnehmen und mit den neu gekauften Schreibwaren befüllen, denn auf der Liste der Schulen steht bei jedem Produkt ‚Markenqualität‘ dabei.“
Und die hat ihren Preis. So kostet ein Pinselbecher oder auch eine Bastelunterlage fünf bis sechs Euro. „Die Sachen kann man meist nicht gebraucht kaufen, da dann bestimmte Größen und Maße gefordert sind“, klagt Heigl.
Auch der Malkasten ist über die Jahre deutlich teurer geworden. Hannelore Schranner vom Schreibwarengeschäft Gerstner in Wartenberg sieht das Problem bei den Händlern und Konzernen: „Mein Händler verkauft mir den Malkasten für sieben Euro. Ist doch klar, dass ich ihn dann für zehn verkaufen muss, um auch etwas daran zu verdienen. Wenn allerdings ein Drogeriemarkt einen Malkasten für 5,99 Euro anbietet, kann ich da überhaupt nicht mithalten. So muss man für Schreibwaren schon mit 120 Euro rechnen. Am Ende überzeugt dann jedoch die Qualität.“
Auch hier gelte die Devise: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal“, warnt Schranner. Dass Qualität sich lohnt, weiß auch Stefanie Schott von Bürobedarf Klaus in Erding: „Es ist eben schon so, dass sich billige Stifte schneller abnutzen und öfter nachgekauft werden müssen. Wenn bei einem Markenmalkasten eine Farbe ausgeht, kann man diese einzeln ganz einfach nachkaufen, bei einem billigen Malkasten geht das nicht. Das geht dann auch ganz schön ins Geld.“
Schauer konnte ihre Preise für Schreibwaren heuer im Vergleich zum Vorjahr trotz Inflation gut halten. Nur bei den Heften kam auch sie um eine Preiserhöhung nicht herum: „Die Papierpreise sind enorm gestiegen. So ist ein Heft dieses Jahr um zehn Cent teurer als noch vor einem Jahr. Da muss ich einfach mit den Preisen der Lieferanten mitgehen, ich selbst verdiene durch die Preiserhöhung übrigens nicht mehr.“
Den lokalen Händlern ist es ein Anliegen, Familien den Kauf von Schulbedarf zu erleichtern. Schott erklärt, wie das laufen kann: Wir nehmen für Schulen Sammelbestellungen für Hefte, Schnellhefter und Umschläge an. Ich kann dann einen Sammelrabatt gewähren. Somit wird’s nicht ganz so teuer.“
Unterstützung bietet das auch das Jobcenter Aruso. Bezieher von Bürgergeld (früher Hartz IV) werden automatisch über die finanzielle Hilfe informiert, sobald das Kind in die Schule kommt, teilt die Behörde mit. Beim Einreichen einer Schulbescheinigung erhalten Familien im August 116 und im Februar 50 Euro.
Was jedoch viele nicht wissen ist, dass nicht nur der Ranzen-Kauf finanziell unterstützt wird, sondern auch der von Büchern, die von den Schulen vorgeschrieben werden. So kann man die Bestätigung über den zu kaufenden Atlanten einschicken und erhält dafür dann das Geld. Auch Klassenfahrten werden vom Jobcenter Aruso übernommen, teilt dieses mit.
Doch nicht nur die Kosten für Schreibwaren fallen beim Schulstart ins Gewicht. „Hinzu kommen die Feier mit der ganzen Familie, ein schönes Outfit für den ersten Tag und oft noch ein Fototermin“, rechnet Leonies Mama vor. „Glück hatten wir bei der Schultüte, die wurden im Kindergarten selbst gebastelt. Da konnten wir einiges sparen“, erinnert sich Heigl.
Da bleibt nur noch der Tipp, früh mit dem Einkaufen zu beginnen und sich über alle Kosten, die zu Schuljahresbeginn anfallen, zu informieren, damit es für die Kleinen eine unvergessliche Einschulung wird. Und selbst danach gilt es noch allerhand anzuschaffen.
von Patricia Schneider