Gefühlte ungerechte Behandlung

Thema brennt auf der Seele

Dietramszell – Der Umgang der Gemeinde mit ihrem einstigen Ehrenbürger Paul von Hindenburg sorgt für Verwicklungen. Auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung war das Thema präsent.

Tenor der Äußerungen: Dietramszell fühlt sich in der Öffentlichkeit unfair behandelt und zu Unrecht kritisiert. Auf die jüngste Kontroverse ging Bürgermeisterin Leni Gröbmaier nur mit einem kurzen Statement ein.

Wie berichtet hatte der Münchner Aktionskünstler Wolfram Kastner Anzeige erstattet, weil bei der Dietramzeller Bettelhochzeit eine ihn symbolisierende Strohfigur an einem Galgen aufgehängt worden war. Etliche Leserbriefschreiber übten daraufhin heftige Kritik an Kastner und der Berichterstattung der Medien, während die in Dietramszell lebende Autorin Amelie Fried in einem offenen Brief der Gemeinde Vorwürfe machte. Gröbmaier versuchte nun, die Wogen zu glätten. „Das Thema brennt vielen Dietramszellern auf der Seele, sie fühlen sich ungerecht behandelt“, sagte sie. Die Rathauschefin plädierte dafür, „die Sache nicht so hoch zu hängen und nicht alles, was man sich denkt, über die Presse verlautbaren zu lassen, sondern sich an einen Tisch zu setzen“.

Constanze Koob: „Offener Umgang mit der Geschichte.“

Ohne seinen Namen zu nennen, hatte zuvor Constanze Koob (Grüne) Kritik an Kastner geübt. Er hatte im Sommer in einer Art Performance die Hindenburgbüste von der Klostermauer abmontiert. „Plakative Aktionen erweisen uns einen Bärendienst“, sagte Koob. „Sie schüren nur Emotionen, und die sind kein guter Ratgeber bei einem so ernsten Thema.“ Koob sowie der abwesende Ronald Künemund (BLD) wurden zu Verbindungspersonen des Gemeinderats zur Arbeitsgruppe gewählt, die sich mit der historischen Aufarbeitung des Themas Hindenburg beschäftigt. „Uns ist ein ehrlicher, offener und gründlicher Umgang mit der Geschichte wichtig“, betonte Koob. „Ich bedaure sehr, dass uns immer wieder Hohn und Misstrauen entgegengebracht wird.“ Zum geplanten Prozess der Aufarbeitung wünsche sie sich, „dass uns die Öffentlichkeit neugierig, aber fair begleitet“.

Die Gemeinde will bekanntlich einen Vorschlag der Arbeitsgruppe befolgen: Eine Doktorarbeit über das das Verhältnis zwischen Hindenburg und Dietramszell soll als Grundlage für das weitere Vorgehen dienen. Diese Dissertation muss freilich erst geschrieben werden, ein Autor ist noch nicht gefunden. Kritik an dieser Vorgehensweise wies Gröbmaier zurück. Die sei „zu akzeptieren. Wir hudeln nicht und kleistern nichts zu, sondern werden in Ruhe und auf unsere Weise weitermachen.“  (ast)

Rubriklistenbild: © Sabine Hermsdorf

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