VonMagnus Reitingerschließen
2019 wird es in Weilheim womöglich ein Bürger- oder Ratsbegehren in Sachen „Umfahrung“ geben. Bürgermeister Loth sagte beim „Jour Fixe“ am Montag im Rathaus, diese Möglichkeit werde geprüft.
Weilheim – Außer dieser Mitteilung, die nur ein Nebensatz war, gab es beim dritten „Jour Fixe – Entlastungsstraße“ am Montagvormittag kaum neue Fakten. Die von vielen erwarteten Neuigkeiten in Form von fünf Trassenvarianten, die für das Staatliche Bauamt in die engere Wahl kommen, sollten der abendlichen Sondersitzung des Stadtrats vorbehalten bleiben (Bericht folgt).
Doch zu besprechen gab es auch beim „Jour Fixe“ reichlich – zumal die Runde größer wurde. Bürgermeister Markus Loth (BfW) hat neben dem für die Planung zuständigen Staatlichen Bauamt, den Chefs der Stadtratsfraktionen, dem Agenda 21-Arbeitskreis „Verkehr“ und den bisherigen Bürgerinitiativen „Heimat 2030“ und „Marnbach/Deutenhausen“ nun auch drei Wirtschaftsvertreter (IHK, Kreishandwerkerschaft, Standortförderverein) eingeladen sowie die erst vorige Woche gegründete „Bürgerinitiative für Weilheims Zukunft“, die sich vor allem für eine Westumfahrung stark macht. Und es könnte bald eine weitere Gruppierung hinzukommen, so Loth: „Ich habe gehört, dass sich noch eine Initiative bilden will.“
Aufhorchen ließen Äußerungen von Bauamts-Vertreter Andreas Lenker zu einer möglichen Unterfahrung: Ein bergmännischer Tunnel unter der B 2 in Weilheim müsste noch etwas länger sein als der in Bau befindliche, knapp zwei Kilometer lange und 200 Millionen Euro teure Tunnel in Starnberg – und wäre wohl ähnlich teuer. Ob ein Tunnel in Weilheim vom „Nutzen-Kostenfaktor“ her in Frage käme, ließ Lenker offen, verwies aber auf einen „wichtigen Unterschied“ zwischen den beiden Städten: „In Starnberg gibt’s von der Topographie her keine andere Möglichkeit.“
Der Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Kreis Weilheim-Schongau lehne einen Tunnel wegen der zu langen Bauzeit ab, sagte dessen Vorsitzender Klaus Bauer; doch eine Entlastungsstraße sei dringend nötig, „und zwar schnell“. Das betonte auch Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl und rechnete vor, dass den „mindestens 200 Handwerksbetrieben“ Weilheims durch Staus in der Stadt jährlich „eine betriebswirtschaftliche Belastung“ in Millionenhöhe entstehe. Was Sissi Windele („Heimat 2030“) mit dem Hinweis konterte, dass eine Umfahrung dies kaum ändern würde.
„Die Leute“ müssten umdenken, mehr Rad fahren und beispielsweise „Kinder nicht mit dem Auto zur Schule bringen“, sagte FW-Stadtrat Walter Weber und verwies darauf, dass eine Umfahrung Weilheims „für 50 bis 100 Jahre Auswirkungen“ hätte. Doch auch mit einer West- oder Ostumfahrung könnten die Weilheimer weiter ihre Naherholungsgebiete nutzen, meinte BfW-Fraktionschef und Verkehrsreferent Dr. Claus Reindl – und stellte „eine provokante Frage: Wie viele der Flächen für mögliche Umfahrungen sind derzeit Maisäcker oder überdüngte Wiesen?“ Da sei eine neue Straße mit Begleit-Biotop vielleicht ökologischer, so Reindl. Während Alfred Honisch (Grüne) monierte, eine neue Straße könne heute nicht die einzige Antwort auf Verkehrsprobleme sein, betonten die Agenda-Vertreter, dass es ohne neue Straße nicht gehe.
So oder so: Über die Stellungnahme der Stadt zur Umfahrung müssten ob der Tragweite die Bürger entscheiden, forderten mehrere Stadträte. Die Möglichkeit eines Bürger- oder Ratsbegehrens wird laut Loth derzeit juristisch geprüft.
Magnus Reitinger
