VonJosef Hornsteinerschließen
Die Grünen in Garmisch-Partenkirchen bestimmen Dr. Stephan Thiel geschlossen zum Kandidaten. Doch die Öko-Partei hat ein Image-Problem zu bewältigen: Im Ort gelten sie als Partei der Zugezogenen, Akademiker und militanten Veganer.
Leicht haben sie es nicht, die Grünen in Garmisch-Partenkirchen. Die Gründe, warum sie besonders mit der einheimischen Bevölkerung fremdeln, sind ihnen allerdings bewusst. „Wir sind die Partei der Zuagroasten, der Akademiker und nicht sonderlich gut im Vereinswesen vernetzt“, brachte Andreas Simon, Sprecher des Ortsverbands, bei der Hauptversammlung die Probleme auf den Punkt. Gleichzeitig will man der Bevölkerung klarmachen, dass es auch ihre Heimat ist, die man „schützen und schätzen“ will. Das sei jedoch kein einfaches Unterfangen.
Höhepunkt war vor der Versammlung die offizielle Nominierung von Dr. Stephan Thiel als Bürgermeisterkandidat. Die 14 anwesenden Mitglieder schenkten ihm einstimmig ihr Vertrauen. Bereits 2020 war er für die Grünen zum ersten Mal angetreten. 14 Prozent hat er damals errungen und damit sein Ziel eines zweistelligen Wahlergebnisses erreicht. Nun möchte er es wieder wissen. Der langjährige Marktgemeinderat präsentierte sich kämpferisch – er wolle nicht bloß verwalten, sondern „die Zukunft des Ortes aktiv gestalten“. Gleichzeitig beschlossen die Grünen ein umfassendes Wahlprogramm auf 45 Seiten, das von Klima und Energie über Verkehr, Wohnen und Soziales bis hin zu Kultur reicht.
Klimaschutz und kommunale Infrastruktur im Fokus
Im Mittelpunkt der Debatte standen selbstredend Klimaschutz und kommunale Infrastruktur. Die Grünen halten an ambitionierten Zielen für den Kreisort fest: 100 Prozent erneuerbare Energien im Stromsektor bis 2035, Klimaneutralität in Wärme und Verkehr bis 2040 sowie eine klimaneutrale Verwaltung bis 2030. Entscheidend sei der kommunale Wärmeplan, der bis 2028 vorliegen muss. Auch der Schutz extensiver Wiesen und ein professionelles innerörtliches Grünflächenmanagement sollen Biodiversität sichern und die Aufenthaltsqualität verbessern.
Beim Verkehr fordern die Grünen einen echten Gleichklang zwischen Auto, Bus, Bahn, Rad und Fußverkehr. Ein umfassendes Verkehrskonzept, ein verbessertes Nahverkehrsangebot im Zuge des möglichen MVV-Beitritts, ein Halt am Kainzenbad und ein eng getakteter Bahnverkehr stehen ebenso auf der Agenda wie zusätzliche Tempo-30-Zonen. Ziel sei eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums.
Deutliche Worte beim Thema Wohnen
Deutliche Worte fand Thiel beim Thema Wohnen: Die Gemeinde müsse endlich aktiv bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die bestehenden Zweckentfremdungsregeln seien ein Anfang, „reichen aber nicht aus“. Langfristig brauche es eine kommunale Wohnungsverwaltung – später auch eine Wohnungsbaugesellschaft. Sozialpolitisch kritisierte Thiel den Zustand der Obdachlosenunterkunft in den Loisachauen als „Schandfleck“ und plädierte für ein neues Konzept an einem anderen Standort.
Sein Herzensprojekt bleibt für den Physiker allerdings das neue Campus-Areal. „Das wird ein Meilenstein für den Ort“, versichert er. Um im Wahlkampf die Themen an ein zielgerichtetes Publikum zu platzieren, soll neben klassischer Präsenz besonders die digitale Reichweite genutzt werden. Rund 16 000 Euro sind für Plakate, Veranstaltungen, Social Media und Infostände eingeplant. Auf Instagram, TikTok und Facebook wollen die Grünen vor allem jüngere Wähler ansprechen – mit kurzen Videos, Porträts und Erklärstücken zum Kommunalwahlsystem.
„Gehen wir diesen Weg?“, fragte Thiel daraufhin die 14 Mitglieder, die von insgesamt 77 erschienen waren. Die Anwesenden stimmten wohlwollend zu.
