VonAndrea Hermannschließen
Im Zuge der Thomas-Cook-Pleite sind Urlauber und Reisende gestrandet. Sie wenden sich nun meist an die Reisebüros in der Heimat. Die bemühen sich um ihre Kunden - mit Erfolg.
Landkreis – Der Reise-Gigant Thomas Cook ist pleite. Obwohl gestrandete Urlauber und Reisende im Rahmen des Insolvenzverfahrens angehalten sind, sich mit ihrem Sicherungsschein an die Insolvenzversicherer Zurich Insurance plc zu wenden, sind für viele Bürger die Reisebüros in der Heimat die erste Anlaufstelle. Hier bemüht man sich sehr um die Kunden – mit Erfolg: Die Stimmung ist entspannt, wie das FT auf Nachfrage erfuhr.
„Damals sind wir beschimpft worden“
„Wir haben gut zu tun gehabt“, berichtet Barbara Morgen von der ADAC-Geschäftsstelle in Freising. Einige Kunden, die bereits im Urlaub sind oder ihre Reise aufgrund der Thomas Cook-Pleite nicht antreten können, würden sich an die Mitarbeiter wenden – friedlich, verständnisvoll und ohne Vorwürfe. „Wir sind mit unseren Kunden ständig in Kontakt und können die meisten zufriedenstellen“, erzählt Barbara Morgen. „Bei der ADAC-Krise sind wir damals beschimpft worden“, erinnert sich die ADAC-Mitarbeiterin. „Aber jetzt ist alles friedlich.“
Ins selbe Horn stößt Angelika Lamitschka, Inhaberin der HTS-Reisebüros in Freising und Moosburg. „Die meisten Kunden sind entspannt“ – und froh, einen Ansprechpartner zu haben. Auch wenn man bei diesen Problemen nur bedingt weiterhelfen könne: „Wir kümmern uns um unsere Kunden, sind für sie da und versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Diese persönliche Betreuung steht den Reisenden, die übers Internet gebucht haben, nicht zur Verfügung. Dabei sei es gerade in so einer Situation wichtig, den Kunden zuzuhören und ihnen Sicherheit zu geben, weiß die HTS-Inhaberin. Sie hofft, dass die Leute „den Service eines Reisebüros dadurch vielleicht wieder schätzen lernen“. Währenddessen muss sich Flixbus mit einer potenziellen Klage befassen, das OLG München verhandelt gerade darüber.
„Wir haben Schlimmeres befürchtet“
Erleichtert ist Angelika Lamitschka, dass die Thomas Cook-Pleite erst nach den Ferien passiert ist – somit handele es sich nicht um die Riesenmasse an Urlaubern, die festsitzen oder ihre Reise nicht antreten können. Fazit: „Für uns ist es viel Aufwand und Arbeit, aber die Kunden sind freundlich. Wir haben Schlimmeres befürchtet.“
Berichte, wonach Urlauber nicht mehr in die Hotelzimmer dürften und kein Essen bekämen, kann sie nicht bestätigen: Den HTS-Kunden gehe es soweit gut. Lamitschka ist sich sicher: „Irgendwie bringen wir alle heim.“
Eine anstrengende Woche liegt auch hinter den Mitarbeitern des Reisebüros Heinz in Moosburg. Auch hier ist man seit Montag bemüht, die Kunden zu beruhigen, Alternativen zum gebuchten Urlaub zu finden und benötigte Unterlagen und Daten weiterzugeben, berichtet Verena Seitz. Das Feedback der Kunden sei normal gewesen. „Klar, viele sind enttäuscht“, erzählt sie, aber beschimpft sei man nicht worden. Für Seitz und ihre Kollegen sei vor allem die Ungewissheit anstrengend.
Völlig entspannt ist die Lage bei Columbus-Reisen in Eching. Da man kaum mit Thomas Cook zu tun habe, seien nur zwei Buchungen von der Insolvenz betroffen, hieß es auf FT-Nachfrage.
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Traurig ist das Paar. Und wütend. Die Reise von Antonia Reuthlinger und Christian Hainzinger ist wegen der Pleite von Thomas Cook geplatzt. Ob sie ihr Geld wiedersehen, die beiden wissen es nicht.
