VonThomas Elderschschließen
Die Energiekrise macht auch dem Nürnberger Tierheim zu schaffen. Dazu werden immer mehr Tiere bei ihnen abgegeben. Das Budget reicht kaum aus.
Nürnberg – In Krisenzeiten leiden die Schwächsten immer als Erstes. Und am schwächsten sind immer die, die sich nicht selbst verteidigen können. Es geht um die Tiere im Nürnberger Tierheim – dem größten in ganz Bayern. Immer mehr Hunde, Katzen und Co. muss die Einrichtung aufnehmen und derweil ist Weihnachten noch nicht mal rum. Häufig werden dann erst nicht gewollte, lebende Weihnachtsgeschenke ins Tierheim gebracht. Aber schon jetzt steht dem Tierheim finanziell das Wasser bis zum Hals.
Tierheim Nürnberg: Größte Einrichtung in ganz Bayern
Etwa 5000 Tiere kommen jährlich ins Tierheim nach Nürnberg. Um sie sorgen sich Chefin Tanja Schnabel und ihr 32 Mitarbeiter. Unter ihnen sind ausgebildete Tierpfleger sowie zwei Tierärztinnen und zahlreiche freiwillige Helfer. Seit 1839 kümmert man sich in Nürnberg bereits um verwaiste Tiere und päppelt sie wieder auf. Das Motto von Schnabel und ihren Kollegen, das sie dem BR verriet, lautet: „Wir sind ein Heim und doch kein Zuhause. Ich kann beispielsweise einem Hund nicht das bieten, was ich ihm zu Hause bieten kann. Dafür reicht die Zeit der Pfleger nicht. Ich bin der Meinung, es gibt für jeden Hund den richtigen Deckel. Und wenn es mal länger dauert, den zu finden, dauert es eben mal länger.“
Besonders schwierig wird es für die Angestellten, wenn ihren Zöglingen ein trauriges Schicksal droht oder sie bereits viel durchmachen mussten. Wir schrieben jüngst über das Hunde-Paar Keks (15 Jahre) und Koko (12 Jahre). Für die beiden Hunde-Rentner wird ein Palliativplatz gesucht. „Leider sind beide krank“, heißt es beim Tierheim. Nur noch Medikamente halten die zwei Vierbeiner am Leben. Dennoch hofft unter anderem Tierpflegerin Tina Wessel darauf, dass sie noch einmal ein schönes zu Hause finden, bevor es zu Ende geht.
Tiere zu verlieren, gehört bedauerlicherweise zum Alltag der Tierpfleger und Helfer. Dennoch schmerzt es jedes Mal. Wessel dazu zum BR: „Wir haben hier leider schon öfter aus Alters- oder Krankheitsgründen Tiere verloren. Es ist immer unsere Angst, dass wir das begleiten müssen und die Tiere nicht in ihrem eigenen Zuhause, ihrer gewohnten Umgebung sterben. Sondern hier im Tierheim als Einer unter Vielen.“
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Video: Tiervermittlungsstopp vor und zu Weihnachten
Während der Weihnachtszeit werden im Tierheim Nürnberg keine Tiere vermittelt. Nur in seltenen Fällen wird eine Ausnahme gemacht.
Tierheim Nürnberg: Budget von zwei Millionen Euro wird nicht mehr ausreichen
Die Arbeit für die Tierpfleger in Nürnberg wird wohl auch nicht weniger, denn laut einer aktuellen GfK-Studie leben inzwischen allein 1,51 Millionen Hunde in Bayern. Das sind 200.000 mehr als noch 2018. Und wie der BR schreibt, haben auch die Beißattacken bei den Hunden zugenommen. 94 Prozent der Menschen werden dabei allerdings nicht von sogenannten Listenhunden gebissen, sondern von Dackel, Beagle und Co. Deshalb fordern Tierschützer schon lange einen Hundeführerschein, denn sonst landen immer weiter neue Bewohner im Tierheim. „Das Problem ist immer am anderen Ende der Leine. Es ist so abgedroschen, aber es ist einfach so wahr“, heißt es nicht nur in Nürnberg.
Zu dem Mehr an Tieren kommen jetzt auch noch die gestiegenen Kosten. Mit etwa zwei Millionen Euro im Jahr mussten die Bewohner und das etwa 45.000 Quadratmeter große Areal versorgt werden. Die Finanzierung des gemeinnützigen Vereins wird hauptsächlich über Spenden und Erbschaften gewährleistet. Doch die steigenden Futter-, Energie- und Tierarztkosten machen dem Tierheim zunehmend Probleme, heißt es beim BR. Es sei absehbar, dass es nicht mehr lange reichen werde, so Schnabel. „Jeder Cent, der hier ankommt, den können wir gebrauchen. Jedes Tier, das nicht hier landen muss, tut uns gut und dem Tier gut. Wenn da ein bisschen mehr Umdenken stattfinden würde, dass wirklich nur die Notfälle in einem Tierheim landen, das würde es deutlich vereinfachen.“ (tel)
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