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Die Zahl der Rettungseinsätze nach leichtsinnigen und skurrilen Aktionen in Tirol steigt. Für die Landesleitung eine besorgniserregende Entwicklung. Retter fordern mehr Aufklärung.
Tirol – Bei schlechter Wetterprognose auf den Gipfel der Wildspitze, immerhin höchster Berg Nordtirols. Beschwerden, dass die Abseilaktion aus der Gondel nach einem heftigen Unwetter zu lange gedauert habe. Nicht zu vergessen die Bergsteiger, die den Lift versäumt haben und die Bergrettung anrufen, um von dieser vom Berg gebracht zu werden.
Wenn man Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung, so erzählen hört, kann man seinen Groll über die wachsende Vollkasko-Mentalität vieler Bergsteiger verstehen. Dazu komme die Selbstüberschätzung der eigenen Konstitution und die Unterschätzung der Gegebenheit in den Bergen. „Im urbanen Raum ist alles abgesichert. In der Natur nicht“, sagt Spiegl.
„Sind immer wieder sprachlos“
Auch Bruno Berloffa, Bergrettungs-Ortsstellenleiter in Innsbruck, kann Ähnliches berichten. „Wir sind immer wieder sprachlos, wenn uns Leute anrufen, dass sie geholt werden wollen, weil sie den Lift versäumt haben“, berichtet er von derartigen Vorfällen auf der Nordkette.
Weil man jedoch vermeiden wolle, dass sich die Leute beim Abstieg wirklich verletzen, würde man dann doch ausrücken. „Obwohl wir kein Taxi-Dienst sind, was ich den Leuten immer wieder sage.“ Wenn man dann aber mit den Wanderern und Bergsteigern noch über die Kosten der Bergung diskutieren müsse, sei für ihn der Plafond des Verständnisses erreicht.
Mehr Aufklärung gefordert
Die meisten Outdoor-Sportler hätten zwar eine entsprechende Versicherung – allerdings immer noch nicht genügend. „Da braucht es vor allem bei Studenten und Gästen noch mehr Aufklärung darüber, dass eine Bergekostenversicherung notwendig ist“, sagt Berloffa.
Eine aufwändige Rettungsaktion wie am Dienstag auf der Wildspitze, bei der eine Gruppe Polen ausgeflogen wurde, ist nämlich teuer. Aktionen wie diese kosten mehrere tausend Euro, informiert Einsatzleiter Stefan Rauch von der Bergrettung Innerpitztal. Bereits 28-mal ist die Ortsstelle in diesem Sommer ausgerückt. „Wir sind im Dauereinsatz“, sagt Rauch. Skurrile Einsätze kenne aber auch er: etwa wegen einer Blase am Fuß.
Dieser Artikel wurde von der „Tiroler Tageszeitung“ verfasst.