Die Stadt Bad Tölz will den historischen Bürgergarten wieder herrichten. Im Bauausschuss wurde das Projekt vorgestellt und befürwortet.
Bad Tölz – Es gibt in Tölz mehrere Punkte, die einst wichtig waren und heute fast völlig vergessen sind. Wer weiß schon noch, dass die Tölzer Kur nicht etwa im Bereich der Ludwigstraße ihr erstes Zentrum besaß, sondern rund um Zollhaus und Vollmöller-Park. Genau so wenig ist bekannt, dass der Bürgergarten hinter dem Rathaus einst der angesagte Treffpunkt für Einheimische und Gäste war. In dem Biergarten traf sich Jung und Alt. Die einen genossen die Brotzeit oder Standkonzerte im Musikpavillon – jeweils mit wunderbarer Aussicht ins Karwendel. Die anderen gingen ins Marionettentheater. Das alles ist lange vorbei.
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Nun will die Stadt dieses „Perle“, wie es Ingo Mehner (CSU) im Bauausschuss formulierte, wieder aufpolieren und den kleinen Park herrichten. Die Details dieses städtebaulichen Schmankerls stellte Bauamtsleiter Christian Fürstberger im Ausschuss vor. Es wird ein kleiner Rundweg mit Bänken entlang des Georg-Pacher-Wegs angelegt. Alle Bäume bis auf eine kümmerliche Linde bleiben erhalten, neue werden gepflanzt. Eine Hecke grenzt den Park zum Parkplatz ab.
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Die „Highlights“ sind für Fürstberger aber der „Aussichtsbalkon“ am südlichen Ende des Bürgergartens. Dieses südliche Eck wird auch durch eine neue Treppe zum Georg-Pacher-Weg neu erschlossen. Der Umbau soll noch heuer erfolgen. Für die Kosten von rund 500 000 Euro kann die Stadt dann nämlich den neu geschaffenen Zuschusstopf des Freistaats (Zukunft Stadtgrün) anzapfen. Rund 50 bis 60 Prozent werden gefördert.
„Gefällt mir sehr gut“, fasste Camilla Plöckl (SPD) ihre Eindrücke zusammen, wünscht sich allerdings „noch einen Biergarten“. „Dann wird es mit der staatlichen Förderung schwieriger“, erwiderte Fürstberger, weil nämlich dann wirtschaftliche Interessen mitspielen.
Wissenswert dazu: Die Stadt wollte vor einigen Jahren schon mal den Biergarten reaktivieren. Es gab aber keine Interessenten.
Andrea Grundhuber (Grüne) hatte das Gefühl, dass bei der konkreten Umsetzungsplanung „noch viel Luft nach oben ist“. Die kleine Treppe mit den 28 Zentimetern Stufenbreite bezeichnete sie als „Hühnerleiter“. Grundhuber wollte bei der Planung einbezogen werden. Mehr Stadtratsbeteiligung war auch das erklärte Anliegen von Josef Steigenberger (CSU). „Für den Anfang ist das aber ganz gut gelungen.“
Florian Rein (FWG) war von den vorgestellten Plänen sehr angetan, hatte aber auch eine Anregung parat: „Ist da schon mal dran gedacht worden, auch eine festinstallierte Bühne einzuplanen?“
Musik, das war das Stichwort für Michael Lindmair (FWG), der sich im Stadtarchiv ein bisschen über die Historie dieses Ortes schlaugemacht hatte. Der Bürgergarten sei um die Wende zum 20. Jahrhundert als „Eingangstor ins Karwendel“ gepriesen worden. Für Lindmair ist auch der aktuelle Bürgergarten neben dem Parkplatz ein Ortseingang.
Es habe auch einen Musikpavillon gegeben, in dem regelmäßige Standkonzerte stattfanden. Lindmair gefiel auch die neue Treppe in Richtung Gries. „Das gibt einen super Rundweg.“
Ingo Mehner (CSU) erinnerte daran, dass der Bürgergarten in den vergangenen Jahren durch die „Dauernutzer“ – gemeint sind Obdachlose – nicht so einladend gewirkt habe. Wie man das in den Griff bekommen wolle? Vielleicht sei es noch nicht aufgefallen, antwortete Fürstberger. Aber seit August gebe es „relativ wenig Dauergäste“. Der Ordnungsdienst der Stadt habe Platzverweise ausgesprochen, die ein Vierteljahr gelten. „Das hat gut funktioniert.“
Gegen die Stimme von Andrea Grundhuber wurde beschlossen, das Vorhaben anzugehen und einen Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern zu stellen.