25 Jahre Markt

Tölzer Christkindlmarkt: Erst Versuchsballon, heute Aushängeschild

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Unverwechselbar: Die Marktstraße bietet eine einmalige Kulisse, die bei Schnee natürlich noch romantischer wirkt. Der Tölzer Christkindlmarkt zieht jedes Jahr tausende Besucher an, vor allem am Wochenende.
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Vor 25 Jahren, also 1993, fand zum ersten Mal ein Christkindlmarkt in Bad Tölz statt. Die Initiatoren hatten es am Anfang nicht leicht. Heute ist der Markt ein Aushängeschild für die Kurstadt. Jedes Jahr kommen tausende Besucher.

Bad Tölz – Ein Christkindlmarkt, und das gleich mehrere Wochen lang? Die Skepsis im Vorfeld war groß, als die Vereinigung der mittlerweile aufgelösten „Aktiven Tölzer“ die Idee vorstellte, in der Vorweihnachtszeit in der „guten Stube“ von Tölz einen Markt zu veranstalten. „Hintergrund war eigentlich, die Leute davon abzuhalten, zum Weihnachtseinkauf in die Großstadt zu fahren“, erinnert sich Peter Wiedemann von der gleichnamigen Parfümerie.

„Ermuntert wurden wir damals nicht“, erinnert sich lächelnd Irma Haas (früher Riedmeier), damals Zweite Vorsitzende des Vereins unter Peter Leigeb. Die großen Märkte in der Region – etwa Benediktbeuern – beschränkten sich auch damals auf nur einen Tag. „Wir wollten etwas tun, um die Innenstadt für Einheimische und Gäste attraktiv zu machen“, sagt Haas. Im Unterschied zu heute befanden sich damals in der Marktstraße noch überwiegend inhabergeführte Geschäfte. Für sie war es personell nicht leicht, jemanden abzustellen, der auf dem Markt die Waren verkauft.

Die „Aktiven Tölzer“ nahmen einen Kredit in Höhe von 100 000 Mark (rund 50 000 Euro) auf, um sich 24 Hütten und Pavillons zu kaufen. „Da hatte ich schlaflose Nächte, ob wir das Geld wohl wieder reinkriegen“, sagt Haas. Der erste Christkindlmarkt 1993 begann erst am zweiten Adventswochenende. Doch schon 1994 ging er über vier Wochen. „Es hat sich von Anfang an rentiert“, sagt Haas, der Kredit war nach rund sieben Jahren abbezahlt. Haas machte sich erhebliche Mühe, überregional die Werbetrommel zu rühren. So schrieb sie an Busunternehmen Briefe, denen sie zum Beispiel kleine Zimtstangen beilegte. „Ich dachte, wir müssen irgendwas tun, um aufzufallen und wahrgenommen zu werden.“ Heute ist der Markt eines der großen Aushängeschilder von Bad Tölz im Winter.

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Anfangs hatten nicht alle Hütten ständig geöffnet. „Das war der große Kritikpunkt bei der ersten Nachbesprechung“, sagt Wiedemann. Es gab es sogar einen Pendelbus vom Bahnhof in die Innenstadt („Rentierte sich aber nicht“) und eine Kinderbetreuungszeit, damit Eltern in Ruhe einkaufen können.

Am Eingang zum Markt, von der Isarbrücke kommend, steht ein großes Tor. Es wurde von Siegfried und Christian Schmeller entworfen und gefertigt. „Wir haben damals die Devise ausgegeben, dass der Markt traditionell und bodenständig sein soll“, sagt Christian Schmeller, damals Marktmeister. „Kitsch wollten wir nicht.“

Früher zeigten unter anderem Schokoladengießer, Hirschhorn- und Krippenschnitzer sowie Glasbläser ihr Handwerk. „Es ist aber immer schwieriger geworden, Kunsthandwerker zu finden“, sagt Haas, die jetzt mit ihrem Schuhgeschäft in Penzberg ansässig ist.

Heuer findet der Christkindlmarkt zum 26. Mal statt, organisiert wird er seit 2017 von der Tourist-Info. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Stefan Zauner von der gleichnamigen Schreibwarenhandlung das Musikprogramm auf der Freiluftbühne organisiert. Dabei musste er auch auf die „Wettertauglichkeit“ der Instrumente achten. „Hackbrett und Geige gehen bei Kälte nicht.“ Zauner bemühte sich, für jeden Geschmack etwas zu haben und gleichzeitig bodenständig und traditionell zu sein. „Die Rückmeldungen waren immer sehr positiv.“ Die Tourist-Info hat seine Kontaktliste zu Musikern übernommen. Unterhaltungsmusik für die Stände zu machen – wie vereinzelt gewünscht – lehnte Zauner stets ab. „Ich hoffe, das bleibt auch so.“

Und was denken die Initiatoren heute? „Alles wandelt sich“, sagt Irma Haas. „Man muss mit der Zeit gehen.“ Ähnlich sieht das auch Peter Wiedemann. „Ein Christkindlmarkt ist kein Wunschkonzert“, meint er mit Blick auf die organisatorischen Herausforderungen. Wichtig sei, dass in der Innenstadt Leben herrsche. „Eine Innenstand soll ein soziales Zentrum sein. Und der Christkindlmarkt fördert das.“

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