Interview mit Grünen-Kreisrätin

Tölzer Geburtshilfe: Das könnte eine Hebammen-Ambulanz bieten

  • schließen

Noch einen Versuch will der Landkreis unternehmen, um nach der Schließung der Geburtshilfestation 2017 an der Tölzer Asklepios-Klinik vielleicht doch noch eine Lösung für den Südlandkreis zu finden.

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Der Kreisausschuss stimmte einem Vorschlag der Grünen zu, noch einmal alle Beteiligten zusammenzubringen. Ziel soll, so der Antrag, die Schaffung einer Hebammenambulanz sein. Was das eigentlich ist, erklärt Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner.

Frau Schwendner, die Grünen machen sich für die Einrichtung einer Hebammenambulanz im südlichen Landkreis stark. Was genau ist das?

Barbara Schwendner: Das ist ein Raum, besetzt zu geregelten Zeiten von immer mindestens einer Hebamme. Schwangere sollen hier Beratung zu Fragen rund um die Schwangerschaft und Geburt bekommen. Das beinhaltet Hilfe, Abklärung und Begleitung bei leichteren medizinischen Fragen, bei frühzeitigen Wehen oder bei „Fehlalarm“ sowie die fachliche Weiterverweisung. Bei Bedarf kann Unterstützung bei der Organisation der Geburtsvorbereitung und Wochenbettbetreuung sowie die Auswahl der geeigneten Geburtsklinik erfolgen. Wünschenswert fände ich eine lokale Anbindung ans Krankenhaus in Tölz, eine Kooperation mit der Geburtsstation in Wolfratshausen und die Verbindung mit einer Hebammenrufbereitschaft.

Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner.
Können Schwangere dort zur Not auch entbinden?

Barbara Schwendner: Notfälle sind aufgrund der weiten Wege aus dem Isarwinkel und den südlichen Gemeinden zur nächsten Geburtsstation nicht so unwahrscheinlich. Wenn eine Kooperationen mit Entbindungshebammen, Geburtshelfern und einer Klinik besteht, könnten Schwangere zur Not auch dort entbinden.Ansonsten wäre aber auch eine organisierte Hebammenbegleitung im Krankenwagen zur Geburtsstation denkbar.

Was erhoffen Sie sich von dem nochmaligen Zusammenrufen aller Beteiligten?

Barbara Schwendner: Es geht jetzt nicht mehr um die Frage „Geburtsstation in Tölz oder in Wolfratshausen“, sondern um die Gestaltung der inzwischen entstandenen Situation durch einen Runden Tisch. Hier können die heutigen Erfahrungen zusammengetragen und bewertet werden. Kräfte und Wissen können sich bündeln, um eine gute Lösung zu finden.

Im Kreisausschuss klang bei vielen Ihrer Kollegen aus den anderen Fraktionen Resignation bei dem Thema an. Glauben Sie wirklich, dass es noch eine Lösung für eine Geburtshilfe im südlichen Landkreis geben kann?

Barbara Schwendner: Ja, ich glaube, dass in der jetzigen Phase, ohne den belastenden Druck der Vergangenheit, leichter eine Lösung für Bad Tölz gefunden werden kann. Es wäre doch gut für alle Beteiligten, wenn wir gemeinsam sagen könnten: „Wir haben in unserem Landkreis, durch ein langes gemeinsames Ringen eine tolle Geburtsstation in Wolfratshausen und eine tolle Hebammenambulanz in Bad Tölz geschaffen!“ Ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt, sich für den Start ins Leben noch einmal zu engagieren.

Immer noch offen ist die Frage, wie sich der Landkreis über das recht überschaubare staatliche Förderprogramm hinaus für die Hebammenförderung einsetzt. Was wäre hier der Vorschlag der Grünen?

Barbara Schwendner: Die landkreiseigene Förderung sollte mindestens in der gleichen Höhe wie die staatliche Förderung sein, also bei zirka 25 000 Euro. Allerdings glaube ich, dass hier auch noch Luft nach oben ist, denn die Geburtshilfe ist eine enorm wichtige Sache.

Auch interessant: Deshalb sagte der Kreistag Nein zum Zuschuss für Asklepios

und:

Kritik und Lob für neuen ärztlichen Bereitschaftsdienst

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare