VonPatrick Staarschließen
Die Corona-Krise und die angeordnete Schließung vieler Läden ab diesem Mittwoch bringt Tölzer Geschäftsleute in höchste Bedrängnis. Dennoch gibt es Verständnis für die Einschränkungen.
Bad Tölz – Viele Läden bleiben nach der Anordnung der bayerischen Staatsregierung ab heute geschlossen. Das sorgt dafür, dass selbst etablierte Läden wie Sport Peter in der Marktstraße im Moment sorgenvoll in die Zukunft blicken: „Ohne staatliche Hilfen müssen wir in drei Wochen Insolvenz anmelden“, sagt Geschäftsinhaber Peter von der Wippel. Ähnliche Befürchtungen hat Joachim Wöhrle, Inhaber der Tölzer Laufwerkstatt: „Wenn wir sechs Wochen schließen müssen, ist es definitiv vorbei.“ Er gibt zu: „Ich hab’ Angst.“
„Ohne staatliche Hilfe müssen wir in drei Wochen Insolvenz anmelden“
Die Nachricht, dass er sein Geschäft ab heute nicht mehr aufsperren darf, kam für Wöhrle völlig überraschend. Er versucht nun, im Internet Informationen zu finden, welche Hilfsangebote es gibt. „Am besten wäre ein Zettel, auf dem kurz und knapp alle wichtigen Informationen stehen“, sagt Wöhrle. „Ich fürchte aber, dass uns wieder eine Riesen-Bürokratie erwartet.“ Dabei müsse alles nun ganz, ganz schnell über die Bühne gehen, binnen zwei Wochen müssten die ersten Hilfszahlungen fließen, „denn die Bank will ihr Geld, und der Vermieter will auch sein Geld“. Günstige Kredite seien völlig nutzlos: „Das würde die Probleme nur verschieben.“
Dies sieht auch Karl Hirsch, Inhaber des gleichnamigen Fitnessstudios, so: „Kredite und Steuerstundungen helfen nichts, denn das muss man irgendwann alles zurückzahlen.“ Momentan herrsche „das absolute Chaos“. Niemand könne einschätzen, wie lange die Geschäfte zusperren müssen. 14 Tage Einnahmeausfall könne man vielleicht noch überbrücken, „aber wenn das länger andauert, wird es viele zerreißen, denn kaum einer hat enorm viel Geld auf der hohen Kante“. Auch was in der näheren Zukunft passiert, liege komplett im Dunkeln. Niemand wisse beispielsweise, was mit den Aktivwochen passiert, in denen 700 Gäste eine Woche in Bad Tölz verbringen: „Können wir sie verschieben, oder ändert sich das Buchungsverhalten der Leute?“
Momentan herrsche absolutes Chaos
Das größte Problem sei der Mangel an Informationen, sagt Yvonne Elsner, selbstständige Filialleiterin des Tölzer Schuhhofs: „Es ist ja auch verständlich, dass die Behörden nicht wissen, wie es weitergeht, denn solch eine Situation gab es noch nie.“ Unklar sei beispielsweise, wer für die Lohnfortzahlung zuständig ist. Momentan seien viele Waren unterwegs, „und die müssen wir annehmen, auch wenn das Geschäft zugesperrt ist“. Sie hofft wie ihre Kollegen, dass es nun Unterstützung für kleine Einzelhändler gibt. Schwierig werde es vor allem dann, wenn die Schließung länger als zwei Monate dauert.
Sport Peter wollte nach dem abgeschlossenen Umbau eigentlich am kommenden Montag wieder aufsperren, nun gebe es aber plötzlich keinen Wiedereröffnungsdruck mehr, sagt Peter von der Wippel: „Alle hängen in der Luft.“ Es gebe keinerlei verlässliche Infos, welche Staatshilfen geplant sind: „Momentan sind alle Aussagen sehr widersprüchlich.“ Seine Forderung: „Es wäre an der Zeit, dass man mal einen Rettungsschirm für die Real-Wirtschaft aufspannt.“ Er selbst habe keinerlei Einnahmen, müsse aber die Miete und das Gehalt von 17 Angestellten weiterzahlen: „Ohne staatliche Hilfen kann kein Betrieb das überstehen. Nicht mal wenn er, wie wir, bisher wirtschaftlich vernünftig gearbeitet hat.“
„Es ist eine enorme Herausforderung für alle“
Trotz aller Sorgen plagen von der Wippel aber keine Existenzängste: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Politik den Mittelstand über die Wupper gehen lässt. Da wäre der Schaden noch viel größer als wenn der Staat die Kreditaufnahme erhöht.“ Es sei Zeit, an die Reserven zu gehen: „Wenn nicht in solch einer Zeit – wann dann? Wenn sich die Politik nichts einfallen lässt, schauen die Innenstädte bald dürr aus.“ Von der Wippel hat generell auch Verständnis für die Einschränkungen. „Es ist eine enorme Herausforderung für uns alle. Dennoch sind die Maßnahmen völlig nachvollziehbar und notwendig.“
Diese Meinung teilt Barbara Amberger, Inhaberin des gleichnamigen Pralinenladens in der Nockhergasse. Die Situation sei schwierig. Jeder habe momentan sein Päckchen zu tragen, „und es ist klar, dass die Gesundheit vorgeht“. Gerade eben erst hat sie aber eine Lieferung von 2000 Ostereiern erhalten, die sie schon vor Weihnachten bestellt hatte: „Die Frage ist, was ich jetzt damit mache“, sagt Amberger. Die Ware wegzuwerfen, geht ihr komplett gegen den Strich, „denn das sind lauter hervorragende Sachen, die bis August haltbar sind“. Zugleich stelle sich aber die Frage: „Wer kauft im August noch Ostereier statt Pralinen?“
Auch interessant:
Corona im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Alles dazu im Live-Ticker
Ausnahmezustand: Söder plant drastische Schritte
Stadt Bad Tölz schließt Einrichtungen, um Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen
