Blutmond

Das Tölzer Land ist mondsüchtig

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Der Blutmond von Lenggries aus beobachtet.
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Viele bestaunten in der Nacht zum Samstag den Blutmond. Die Isarwinkler Sternfreunde hatten dazu zum Beobachtungsabend auf den Tölzer Schlossplatz eingeladen. Und auch die ISS tauchte auf.

Bad Tölz – Um kurz nach 21 Uhr ist der Tölzer Schlossplatz schon gut gefüllt. Rund 100 Interessierte drängen sich um die Teleskope und Fernrohre, die die Isarwinkler Sternfreunde auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus aufgestellt haben. Geduldig warten die Besucher in langen Schlangen, bis sie einen kurzen Blick auf den vergrößerten Nachthimmel werfen dürfen. Momentan läuft allerdings noch „das interplanetarische Vorprogramm“, scherzt Hobby-Astronom Franz-Xaver Kohlhauf. Der Hauptdarsteller des Abends, der Blutmond, versteckt sich gerade noch hinter dem Marionettentheater und Planetarium. „Wenn er auftaucht, sollte er bereits eine Schamesröte haben, weil er uns so lange warten lässt“, ergänzt Robert Bradish.

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Der Tölzer ist wie Kohlhauf Teil der Isarwinkler Sternfreunde, ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter. Das verbindende Element sei die Faszination für die Sternbeobachtung. Und diese Faszination wollen sie gerne anderen vermitteln. „Wir wollen zeigen, wie viel Freude das macht“, sagt Bradish. Bei besonderen Himmelsereignissen stellen die Sternfreunde deshalb ihre Fernrohre am Schlossplatz auf und laden alle Interessierte zum Blick in die Weiten des Weltalls ein.

Die Erddrehung macht die Beobachtung des Jupiter schwierig

Dazu gibt es ganz viele Erklärungen. Durchs Teleskop wird gerade Jupiter bestaunt. „Man kann ganz wunderbar die Wolkenbänder sehen“, sagt Kohlhauf. Was denn diese vier hellen Punkte seien, möchte eine Frau wissen. „Das sind die vier galileischen Monde“, erklärt er. Die würde auch Andreas Ringk gerne den Besuchern zeigen, die hinter seinem Teleskop Schlange stehen. Es ist aber gar nicht so einfach, Jupiter im Fokus zu behalten. Ringk kämpft gegen die Erddrehung. Und die Erde dreht sich schnell. Gefühlt alle zwei Minuten muss er das Gerät nachjustieren, weil der Planet wieder aus dem Sichtfeld gerutscht ist. Normalerweise geht das Neuausrichten elektrisch. „Aber hier habe ich keinen Strom“, sagt Ringk und ruckelt erneut beherzt am Teleskop.

Benjamin (10) beim Sternengucken auf dem Tölzer Schlossplatz. Hier bestaunt er gerade den Jupiter, weil sich der Mond noch hinter dem Marionettentheater versteckte.

Das Publikum an diesem Abend ist bunt gemischt. Jung, alt, Urlauber, Einheimische. Viele Familien sind da. Für die Kinder haben die Sternfreunde eigens Trittleitern mitgebracht, damit auch der Kleinste noch was sehen kann. Wer müde ist, darf sich auf einem der aufgestellten Stühle niederlassen.

Und dann ist es soweit: „Da ist er!“, ruft ein Mädchen um kurz vor 22 Uhr und deutet auf den Himmel hinter dem Marionettentheater. Hinter den vorüberziehenden Wolken taucht tatsächlich der rotschimmernde Mond auf. Die Erde steht jetzt genau zwischen Sonne und Mond. Dieser zieht durch den Schatten, den die Erde, die von der Sonne beschienen wird, wirft. Die rote Farbe entsteht durch das Sonnenlicht, das durch die Erdatmosphäre hindurch noch auf den Mond fällt.

Wie kalt ist es auf dem Mond?

All das wird den Besuchern natürlich erklärt. Und Kohlhauf hat noch viel mehr Wissenswertes parat. „Würde man vom Mond aus jetzt auf die Erde schauen, würde sie wie ein großer heller Ring aussehen“, erklärt er. Und: „Bei einer Mondfinsternis wird es dort ganz schön frisch.“ Bewegen sich die Temperaturen bei Vollmond bei rund 130 Grad Celsius auf der Mondoberfläche, fallen sie auf minus 100 Grad bei komplettem Eintritt in den Erdschatten. „Das ist ja toll“, sagt eine Frau und bewundert das Himmelsereignis.

Dort gibt es an diesem Abend aber noch viel mehr zu sehen. Denn genau um 22.31 Uhr zieht die internationale Raumstation ISS mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst an Bord über den nächtlichen Himmel von Bad Tölz. Kohlhauf wechselt mit einer Besuchergruppe dazu auf die andere Seite des Schlossplatzes, um einen besseren Blick zu erhaschen auf den leuchtend hellen, sich rasch bewegenden Punkt. Mit einer Geschwindigkeit von knapp 29 000 Kilometern pro Stunde ist die ISS in einer Höhe von 360 Kilometern unterwegs. 90 Minuten braucht sie für eine Erdumrundung.

Gegen 23 Uhr wird die Gruppe auf dem Schlossplatz langsam kleiner. Manche ziehen weiter zum Kalvarienberg oder zur Tölzer Isarbrücke, wo man auch schöne Blicke auf den Mond erhaschen kann. Und vielleicht wird der eine oder andere auch in den kommenden Tagen und Wochen mit mehr Interesse in den nächtlichen Himmel schauen. Denn mit ihrer großen Begeisterung dürften die Isarwinkler Sternfreunde den einen oder anderen mit ihrer Leidenschaft für die Sterne durchaus angesteckt haben. Benjamin (10), der mit Mama, Onkel und Tante zum Schlossplatz gekommen war, ist einer davon. „Mit hat am Besten gefallen, wie toll mir das alles erklärt worden ist. Und dass ich durch so ein Teleskop schauen durfte – das war superspannend.“

Wer nach der Mondfinsternis weiter nach spannenden Phänomenen am Himmel sucht, sollte sich die Perseiden 2018 im Kalender vormerken.

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