Mahnende Worte zum Abschied

Tölzer Stadtbaumeister Stunz: Energiewende, Barrierefreiheit und Wohungsnot als „Wölfe im Schafspelz“

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Hannes Strunz, scheidender Stadtbaumeister

Mit dem Begriff „Wohungsnot“ könne man alles fördern. Mit sehr offenen Worten hat sich der Tölzer Stadtbaumeister in die Altersteilzeit verabschiedet.

Bad Tölz – Das waren noch Zeiten, als es sich die Stadt erlauben konnte, ein vierstöckiges Hotel vor dem bestehenden Jodquellenhof abzulehnen. Das war 1993, berichtete Hannes Strunz in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. Im Alter von 64 Jahren beginnt Strunz zum Ende des Monates die Ruhephase der Altersteilzeit und wird im November endgültig in Pension gehen.

Besagte Hotelplanung wurde in der ersten von rund 250 Bauausschuss-Sitzungen unter seiner Mitwirkung diskutiert und deshalb abgelehnt, weil damit die von Gabriel von Seidl geplante Bauflucht für alle Gebäude entlang der Ludwigstraße durchbrochen worden wäre. Das wäre heute wohl nicht mehr so, meint Strunz ganz realistisch.

Froh ist er aber auch heute noch, dass beispielsweise die 120-Millionen-Mark-Wohnbau-Pläne des früheren Sparkassen-Direktors Dieter Klopfer zur Gegenfinanzierung des Kasernenkaufs scheiterten.

Der Stadtbaumeister sei „das Regulativ“ im Bauamt, sagt Bürgermeister Josef Janker und lobt die „deutlichen und kreativen Begründungen“ des scheidenden Stadtarchitekten. Die hatten auch mal rustikal ausfallen können. Das mussten Leute erfahren, die ihn als „Kullihalter und Bleistiftspitzer“ abtun wollten, sagt Janker über den Mann, der „im Kollegenkreis als angenehm und entgegenkommend“ empfunden worden sei.

In der letzten Sitzung den Finger in die Wunde gelegt

In seiner letzten Ausschuss-Sitzung wurde der 64-Jährige politisch und legte den Finger in die Wunde. Die Reformen der Bauordnung habe leider dazu geführt, dass die Regeln der Baukunst kräftig ausgehöhlt worden seien. Die Schönheit, wie sie Vitruv vor 2000 Jahren als eine von drei Hauptforderungen an die die Architektur, festgelegt habe, sei „nicht mehr wichtig“. Strunz zählte „drei Wölfe im Schafspelz“ auf. Erstens die Energiewende. Es sei abenteuerlich, was bei vielen Fotovoltaikanlagen auf den Dächern herauskomme. „Und das ist auch noch verfahrensfrei.“ Dass Pumpspeicherkraftwerke mitten in schönsten Erholungslandschaften geplant werden könnten, gehöre auch dazu.

Auch das Thema Barrierefreiheit ist für Strunz so ein Wolf. Wenn man es zu dogmatisch sehe, dann führe das etwa dazu, dass die Städtebauförderung das Altstadtpflaster in Tölz nicht mehr bezuschusse, weil es nicht behindertengerecht sei.

Wolf Nummer drei ist für Strunz die Wohnungsnot. Mit diesem Begriff könne man alles fördern. Durch falsche landesplanerische Weichenstellungen werde die Wohnungsnot aber nicht gelöst, sondern nur Verkehr geschaffen.

Abschließend appellierte Hannes Strunz an die Stadträte, seinen Nachfolger Florian Ernst bei seiner Arbeit zu unterstützen.

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