VonTobias Gmachschließen
18 Pflegeplätze bietet die neue Tölzer Tagespflege. Der Bedarf wäre eigentlich groß, doch bislang nehmen noch zu wenig pflegende Angehörige das Angebot wahr.
Bad Tölz – Unter dem Sonnenschirm hört man Würfel fallen, ältere Frauen und Männer spielen gemeinsam „Mensch ärgere dich nicht“. Betreuerinnen sitzen mit am Tisch und erfüllen Getränkewünsche. Es ist ein warmer Vormittag auf der Terrasse der neuen Tagespflege-Einrichtung an der Tölzer Schützenstraße. Landrat Josef Niedermaier ist mit dem Roller gekommen. Er will sich ein Bild von den neuen Räumlichkeiten machen, in denen Pflegebedürftige seit Februar täglich von 7.30 bis 16.30 Uhr betreut werden.
18 Pflegeplätze auf 280 Quadratmetern bietet die Tölzer Tagespflege im Erdgeschoss der Wohnanlage, die Investor Hubert Hörmann auf der Schlössl-Wiese gebaut hat. „Heute sind 14 Menschen da“, sagt Ingrid Krafft-Otto, die die Einrichtung zusammen mit Birgit Gahler-Scheffler eröffnet hat. Zwischen 10 und 14 Senioren kommen mittlerweile am Tag in die Einrichtung. Anfangs seien es nur fünf oder sechs gewesen. Das neue Angebot braucht Nachfrage: Dafür wirbt der Landrat bei seinem Besuch. „Es ist eine Entlastung für pflegende Angehörige“, sagt Niedermaier. Der Landkreis fördert die 18 Pflegeplätze mit insgesamt 78 500 Euro, um sie für die nächsten fünf Jahre zu sichern.
In den barrierefreien, großzügig geplanten Räumlichkeiten an der Schützenstraße hören Senioren gemeinsam Musik, spielen oder backen, sie können sich aber auch in geschlechtergetrennte Ruheräume zurückziehen. Das Angebot soll gleichzeitig Vorteile für Pflegebedürftige und ihre Familien bringen, sagt Krafft-Otto: Mütter oder Väter kommen in professionelle Obhut, während die Angehörigen anderen Verpflichtungen nachgehen oder sich einfach mal einen Tag freinehmen können. „Und abends treffen sich beide wieder, und jeder hatte einen schönen Tag.“ Dieses Denken sei allerdings noch nicht bei vielen angekommen, sagt Christiane Bäumler, im Landratsamt zuständig für Seniorenhilfe: „Die Hemmschwelle, seine Verwandten abzugeben, ist groß. Aber es darf nicht als Versagen der Angehörigen gesehen werden.“
Pflegenden Familien stehen für die Tagespflege Leistungen aus der Pflegekasse zu – in derselben Höhe wie der Tagessatz für die ambulante Pflege. Dieses Geld wird zusätzlich bezahlt. Das Pflegegeld, das die Angehörigen für die häusliche Pflege erhalten, geht nicht verloren. „Das ist vielen nicht bewusst“, sagt Ingrid Krafft-Otto. Je nach Pflegestufe übernimmt die Kasse zwischen 50 und 80 Euro und deckt damit die gesamten Kosten für die Betreuung. Lediglich für Essen und Betriebskosten ist ein Eigenanteil von rund 25 Euro fällig. Aber auch davon erstattet die Kasse einen Teil.
Weitere Infos: zur Finanzierung erteilt die Tölzer Tagespflege unter Telefon 0 80 41/799 90 90.
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