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Rasika Appuwahandi musste allerhand bürokratische Hindernisse überwinden, um eine Isarwinklerin heiraten zu dürfen.
Bad Tölz – Nein, hinsetzen möchte sich Sabrina Appuwahandi nicht. In ihrem engen Kleid braucht sie jetzt, so kurz nach der Trauung, Raum zum Durchatmen. Die junge Frau steht auf der Dachterrasse des Tölzer Rathauses und ist wohl die erste, die hier einen roten Sari trägt. Ein ähnliches traditionelles Gewand hatte sie auch an, als sie Rasika Appuwahandi zum ersten Mal in Sri Lanka begegnete. So begann die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die am Dienstagvormittag in der standesamtlichen Hochzeit mündete.
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Rasika, heute 28 Jahre alt, war damals Koch in einem Restaurant. Die Tölzerin Sabrina, mittlerweile 21, verbrachte ein soziales Jahr in Sri Lanka, sie arbeitete in einem Waisenhaus, wollte sich nicht auf dem hohen deutschen Lebensstandard ausruhen, sondern Menschen helfen, „denen es nicht so gut geht wie uns“. Und einfach mal eine sri-lankische Tracht ausprobieren. „Eine ausländische Frau in einem Sari – das war ungewöhnlich“, erinnert sich Rasika nun auf der Rathaus-Terrasse. So kamen sie damals im Restaurant ins Gespräch, verliebten sich und gaben sich nun das Ja-Wort.
Er hatte eine Ausbildung in Tölz - dann musste er zurück
Dass sie einmal bei diesem Sektempfang über den Tölzer Dächern stehen würden, daran musste man zweifeln. Rasika reiste per Besuchervisum nach Deutschland und fand in einem Tölzer Biomarkt eine Lehrstelle. „Der Ausbildungsvertrag war schon unterschrieben, aber er musste trotzdem noch eineinhalb Jahre Deutsch-Kurse am Goethe-Institut in Sri Lanka machen“, erzählt Sabrina. In dieser Zeit reiste sie viermal in Rasikas Heimat. „Eine ganz harte Zeit“, sagt er. Auch die Sache mit dem Visum sei enorm kompliziert gewesen. „Sie haben alles zehnmal kontrolliert“, berichtet der 28-Jährige.
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Seine Eltern musste er lange überreden, bis sie seinem Schritt nach Deutschland zustimmten. Nach dem Tod seines Bruders sei er der einzige männliche Nachkomme der Familie. In dieser Situation, wegzugehen, sei sehr schwierig in seinem Land, sagt er. Doch der junge Mann wird im August 2019 nach Sri Lanka zurückkehren – für eine buddhistische Hochzeit mit 450 Menschen am Strand. Der Ablaufplan ist schon klar, sagt Rasika Appuwahandi. „Ich komme auf einem Elefant geritten.“
