Tourismus-Konzept vorgestellt

Neue Idee: 25 Chalets in der Schlierseer Ortsmitte

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Parkplatz in Bestlage: Diese Fläche neben dem Schlierseer Bahnhof würde sich nach Ansicht der Allgäuer Firma Alpstein Architektur für eine Ferienanlage mit 25 hochwertigen Chalets eignen.
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Schliersee - Es ist eine neue Idee für die Ortsmitte: Die Allgäuer Firma Alpstein liebäugelt mit dem Bau einer Chalet-Anlage am Bahnhofsparkplatz. Der Gemeinderat hat das Konzept heiß diskutiert.

Noch ist alles eine Idee, ein Konzept. Und doch sah es schon sehr durchdacht aus, was Felix Schädler, Geschäftsführer der Allgäuer Firma Alpstein Architektur, und Christian Mangstl, Investor und Mitgründer des Internetportals Scout 24, dem Schlierseer Gemeinderat präsentiert haben. Eine Chalet-Anlage auf dem Parkplatz zwischen Garten- und Bahnhofstraße, direkt in der Ortsmitte.

Parkplätze wandern unter die Erde

25 hochwertige Ferienwohnungen verteilt auf Parterre, zwei Obergeschosse und ein Dachgeschoss, jeweils für zwei bis sechs Personen, dazu ein Restaurant und ein Gemeinschaftsbereich für Wellness und Sport. Alles mit einem Traumblick auf den Schliersee. „Die Lage wäre für unser Projekt ideal“, erklärten die Planer den Gemeinderäten. In eine zweigeschossige Tiefgarage für 80 Autos sollen auch die bestehenden 40 öffentlichen Parkplätze für die Vitalwelt integriert werden.

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) gefällt das Konzept: „Die Ortsmitte beschäftigt uns eh schon lange, eine touristische Nutzung würde hier gut passen.“ Der Kontakt zu den Investoren sei über die Standortmarketing Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG) zustande gekommen. Nach einem ersten Treffen habe er sich entschlossen, die Projektentwickler in den Gemeinderat einzuladen. Trotzdem war der Punkt „Schliersee Chalets“ zuerst nicht auf der öffentlichen Tagesordnung – zum Ärger von Michael Dürr (PWG), der sich durch dieses Vorgehen „ziemlich überrollt“ gefühlt habe. Deshalb habe er sich dafür stark gemacht, das Projekt öffentlich zu diskutieren. „Mit Geheimnistuerei hat das nichts zu tun“, verteidigte sich Schnitzenbaumer, „das ist ein normales Vorgehen zum Schutz der Investoren.“

Finanzierung über private Anleger

Doch diese hatten mit der Öffentlichkeit kein Problem. „Wir wollen das Projekt gemeinsam mit den Schlierseern entwickeln“, betonte Schädler, der bereits Chalets bei Oberstaufen und in Immenstadt gebaut hat. Das ländlich geprägte Schliersee würde gut in das von Alpstein bevorzugte Konzept des naturnahen Tourismus passen. Die wirtschaftliche Ausrichtung der Chalets unterscheidet sich dabei von großen Hotelketten. „Es ist im Grunde ein Teilnutzungsmodell“, erklärte Mangstl. Private Investoren legen ihr Geld in den luxuriösen Ferienwohnungen an, ein Betreiber kümmert sich um die Vermietung an Urlauber. „Bei den Serviceleistungen sind wir flexibel“, fügte Schädler hinzu. Für Familien oder Aktivurlauber brauche es keine 24 Stunden-Betreuung. Wer mehr Komfort wünscht, könne diesen aber bekommen. „Entweder die Gäste kochen selbst in ihrer Kitchenette, sie nutzen unser Lokal oder wir organisieren einen Koch.“

Heiße Diskussion im Gemeinderat

Eine verlockende Idee, diese Chalets in der Ortsmitte, war sich ein Großteil des Gemeinderats einig. „Endlich mal ein Konzept, was wirklich funktionieren könnte“, sagte Robert Mödl (Die Schlierseer). „Statt einem Luftschloss haben wir jetzt einen Plan, über den wir reden können“, stimmte ihm Jürgen Höltschl (CSU) zu. Beatrix Seidenfus (PWG) mahnte hingegen zur Vorsicht: „Ich finde die Idee charmant, aber das Geschäftsmodell macht mir Sorgen.“ Gerhard Weitl (SPD) ging sogar noch weiter: „Sie sind doch Investoren, die nur Geld verdienen wollen“, ereiferte er sich in Richtung der Planer. „Als Schlierseer ist mir die Ortsmitte für sowas zu schade.“ Auch Mangstls Ausführungen, Alpstein sei an nachhaltigen Projekten interessiert, an denen sich im Übrigen auch gerne heimische Anleger beteiligen könnten, überzeugte die Skeptiker nicht. „Mir gefällt diese Firmenstruktur nicht“, schimpfte Dürr. „Wir müssen uns erstmal selber klar werden, was wir mit unserer Ortsmitte überhaupt vorhaben.“

Bürgermeister kann Kritik nicht verstehen

Dem Bürgermeister stieß die kritische Art einiger seiner Ratsmitglieder sauer auf. „Das ist keine Art, wie man mit Investoren umgeht“, wetterte er. Es handle sich bei den Chalets nur um ein erstes Konzept und nicht um einen fertigen Bebauungsplan. Das betonten auch die Planer: „Wir wollen nichts gegen den Willen der Schlierseer machen“, stellte Schädler klar. „Wenn unser Projekt hier nicht gewünscht ist, dann machen wir es eben woanders."

Sebastian Grauvogl

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