VonSascha Karowskischließen
Die Staatsregierung beerdigt die Pläne für eine Tram durch den Englischen Garten. Im Münchner Rathaus fallen die Reaktionen dazu durchaus unterschiedlich aus.
München - Das Aus für die Tram durch den Englischen Garten als Teil der Nordtangente sorgt im Münchner Rathaus für Ärger. Wie berichtet, hatte die Staatsregierung ihre Zustimmung für das Projekt zurückgezogen, da die neue Trasse viel breiter ausfallen würde, als ursprünglich gedacht. OB Dieter Reiter (SPD) ist sauer, der Freistaat sei schließlich im Planungsprozess eingebunden gewesen, hätte also jahrelang ausreichend Zeit gehabt, Farbe zu bekennen. „Das wäre aufrichtig gewesen und hätte dringend benötigte Personalressourcen für andere Projekte freigegeben und immense Planungskosten gespart.“
Nach Tram-Aus im Englischen Garten - Bürgermeister Dominik Krause: „Söder geht es nur um Schikane“
Ähnliche Worte auch von Grünen-Bürgermeister Dominik Krause: „München versinkt im Stau, gleichzeitig torpediert die CSU wichtige ÖPNV-Projekte, die unsere Straßen entlasten sollen.“ Nach dem Debakel um die 2. Stammstrecke sei das ein weiteres trauriges Kapitel verfehlter Verkehrspolitik der CSU. „Die Entscheidung zeigt einmal mehr, dass es Markus Söder nur noch um Schikane geht und nicht mehr um ein konstruktives Miteinander.“ Es sei enttäuschend, dass die CSU das durch Ministerpräsident Seehofer gegebene Versprechen kassiere und Parteipolitik zu Lasten der Münchner mache, ergänzt SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. Grünen-Chefin Mona Fuchs sagte: „Dieses Verbot ist ein Rückschlag für die Verkehrswende in München.“ Ihre Partei hat am Mittwoch einen Dringlichkeitsantrag gestellt, der Landtag soll Söders Verbot kippen.
Unterstützung erhält der Landesvater freilich aus den eigenen Reihen. „Grün-Rot erlebt ein Tram-Trauma nach dem anderen“, sagt CSU-Chef Manuel Pretzl. „Nach dem Planungs-Desaster in Johanneskirchen ist jetzt auch der zentrale Teil der Nordtangente gescheitert.“ Wie berichtet, hatte die Regierung von Oberbayern die Vorarbeiten für den Abschnitt Johanneskirchen auf Eis gelegt, weil die Trasse noch nicht final genehmigt ist. CSU-Stadträtin Veronika Mirlach sagte: „Die dilettantische Stückel-Planung muss ein Ende haben.“ Ihre Fraktion beantragte am Mittwoch daher einen sofortigen Stopp des Projektes sowie Neuplanung.
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Nordtangente: Nach Aus für die Tram durch den Englischen Garten - CSU und FDP dringen auf Neuplanung
Das wünscht sich auch die FDP: „Es war Leichtsinn, stur an der Wunschlösung festzuhalten und keine Alternativen zu bedenken“, sagt Stadtrat Fritz Roth. Nun soll auch die Variante mit einem Tunnel wieder aufs Tapet. Die Garten-Tram ist schon lange umstritten, selbst altgediente Mandatsträger treibt es noch um. Ex-FDP-Minister Wolfgang Heubisch sagte unserer Redaktion: „Seit vielen Jahren bin ich gegen die Monster-Tram. Das wäre eine weitere Wunde gewesen, die nicht mehr verheilt wäre.“
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