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Es gab wohl nur weniges, das sich in Moosburg so schnell verbreitet hat wie die Nachricht vom Tod des Wirts Jörgis Carl. Der 67-Jährige starb völlig überraschend am Donnerstagabend. Er wurde von Angehörigen in der Küche seines Irish Pubs aufgefunden.
„Der Jörgis“ hatte der Kneipe an der Herrnstraße über Jahrzehnte ein Gesicht gegeben. Zum Markenzeichen wurde neben dem weißen Nikolausbart des Pächters auch sein spezieller Charakter. Der sorgte dafür, dass sich eine tieftreue Kundschaft bildete, auf der anderen Seite aber mancher einen Bogen um das Lokal machte.
Wolfgang Lobmayer, Gast der ersten Stunde, erinnert sich wehmütig an einen nicht immer einfachen, aber absolut hilfsbereiten Menschen. Etwa wenn er für ihn in aller Früh spontan als Taxifahrer zum Flughafen einsprang. „Von Irlandreisen habe ich dem Jörgis dafür immer seinen geliebten Höhlenkäse mitgebracht.“
Die irische Küche hatte es ihm besonders angetan
In Moosburg habe der Wirt eine besondere Art von Lokal installiert. Regelmäßig gab es Livemusik. Und Frauen hätten sich dort nie vor einer blöden Anmache fürchten müssen, sagt Lobmayer. „Man ging rein, trank was, unterhielt sich oder stand einfach nur rum und schaute, wenn man es nicht anders wollte – das war schon einmalig.“ Wen der Wirt nicht leiden konnte, „der wartete dafür ewig auf sein Getränk“, sagt Lobmayer.
Dankbar zeigt er sich für die Tipps, die Jörgis Carl ihm preisgab: „Über ihn bin ich zum Kochen gekommen.“ Denn nicht nur Lobmayer, sondern auch Carl war über viele Jahre hinweg in Irland unterwegs. Dort lernte er das Leben und die Küche kennen und mit einem Kochbuch seines Vaters, der in einem Hotel gearbeitet hatte, wurde das Ganze verfeinert.
Immer ein offenes Ohr - aber Handys waren tabu
Die leckeren Speisen waren es auch, die die Moosburger Geschäftsfrau Julia Pichler zum Pub-Stammgast machten. „Ich brauchte nur reingehen, und Jörgis hat mir automatisch mein Chili con Carne, meinen Salat und ein Glasl Wasser hingestellt. Ohne, dass ich etwas sagen musste.“ Meist dienstags schaute sie vorbei, und wenn das Pub noch nicht auf hatte, durfte sie dem Wirt auch mal beim Kochen zuschauen.
Bewundert hat sie an ihm seinen besonderen Humor und „dass er immer ein offenes Ohr für jeden hatte“. Wer allerdings im Pub das Smartphone zückte, der musste damit rechnen, scharf angesprochen zu werden. „Er meinte, man soll sich bei ihm unterhalten, anstatt aufs Handy zu starren“, sagt Pichler. Sie brachte auch immer ihre Hündin Fina mit ins Pub – denn Jörgis Carl war ein ebenso großer Tierfreund wie sie.
Nach einem Herzinfarkt war er nicht mehr der Alte
Die Liebe zu Tieren war es, die Carl auch ganz besonders mit seiner früheren Lebenspartnerin verband. Gemeinsam wurden immer wieder Hunde aus dem Tierheim geholt, und auch Pferde hatten einen ganz besonderen Platz im Herzen von Jörgis Carl.
Nach einem Herzinfarkt vor Jahren war er nicht mehr der Alte, sagt Wolfgang Lobmayer. „Er hat gewusst, dass Operationen anstanden, aber die schob er vor sich her.“ Viel wichtiger sei es ihm gewesen, seinen Gästen und Freunden gesundheitliche Ratschläge zu geben – auf sich selbst hat er indes nicht geschaut.
Bewegender Abschied der Baskets Vilsbiburg
Seine Fürsorge bewies Jörgis Carl auch viele Jahre als Trainer. Einer seiner großen Verdienste war die Förderung der Zwillinge Gabi und Birgit Rockmeier, deren Sprint-Talent er mitentdeckt und sie letztlich für ihre erfolgreiche Olympia-Karriere aufgebaut hatte.
Die Baskets Vilsbiburg, bei denen Jörgis Carl bis zuletzt als Athletiktrainer arbeitete, haben als Zeichen der Trauer um ihren Wegbegleiter am Freitag die Internetseite des Basketballvereins umgebaut. Dort prangt nun auf der Startseite ein Schwarz-weiß-Portrait von Jörgis Carl – mit folgenden Zeilen: „Die Lücke, die du hinterlässt, wird nicht zu schließen sein und wir werden sie auch nicht schließen wollen. Mit deiner Einstellung, deiner Leidenschaft, deinem Engagement und deinem Einsatz wirst du auf ewig ein Vorbild für uns bleiben.“

