Landkreis Traunstein gründet Energie Holding

„Kühlen Kopf bewahren“ – Aus für gemeinsame Energie-Agentur der Landkreise Traunstein und BGL?

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Spannungen zwischen den Landkreisen Traunstein und BGL? Nach Problemen beim gemeinsamen Verkehrsverbund: jetzt das Aus der gemeinsamen Beratungsstelle Energie-Agentur Südostbayern? Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (links) und Landrat Bernhard Kern, Landkreis BGL (rechts).
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Spannungen in der Nachbarschaft – kommt vor: derzeit zwischen den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land. Zuerst werden die Pläne zum gemeinsamen Verkehrsverbund auf Eis gelegt. Dann die Frage im Traunsteiner Kreisausschuss: Macht die Kooperation der Energie-Agentur Südostbayern noch Sinn? Oder wird die Beratungsstelle künftig von der geplanten Energie-Holding des Landkreises Traunstein übernommen?

Traunstein – Der Kreistag ist sich einig - am Freitag (12. Juli) wurde im Sitzungssaal des Traunsteiner Landratsamtes die Gründung einer landkreiseigenen Energie-Holding einstimmig abgesegnet. Die sogenannte „Energieregion Chiemgau Verwaltungs-GmbH“ ist hundertprozentige Tochtergesellschaft der Chiemgau-GmbH. Ziel: mehr Handlungsspielraum für Gemeinden und Kommunen bei der Investition in Energieprojekte in der Region.

Gründung der Energie-Holding: Zusammenhang mit Energie-Agentur?

„Die Erzeugung regionaler Energie wird in Zukunft ein wesentlicher Faktor für unsere Region.“ Durch die Gründung der neuen Verwaltungs-GmbH, erklärt Landrat Siegfried Walch (CSU) weiter, müsste der Markt nicht privaten Investoren überlassen werden: „Wir wollen selbst investieren und uns beteiligen.“ Nun aber die Frage: Im Alleingang ohne den Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land? Erst kürzlich wurde der geplante Verkehrsverbund der beiden Landkreise auf Eis gelegt. Jetzt die Energie-Agentur Südostbayern?

Die Sinnhaftigkeit des gemeinsamen Projektes war Gegenstand einer Debatte im Traunsteiner Kreisausschuss (2. Juli): Die Gesellschaft bietet kostenlose Informationen für alle Bürger zum Thema Strom. Nach Angaben der Traunsteiner Zeitung (4. Juli) stellte Kreisrat Josef Mayer (CSU) die Frage, inwieweit die Kooperation der Beratungsstelle noch wirtschaftlich sei. Er regte an, aus der Energie-Agentur auszusteigen und das Angebot in die Chiemgau-GmbH zu überführen. Nun die Gründung der Landkreis Traunstein eigenen Energie-Verwaltungs-GmbH. Ist das ein erster Schritt, sich von dem gemeinsamen Konzept zu lösen?

Energie-Agentur Südostbayern auf Prüfstand

„Richtig ist, dass es zum Thema Energie-Agentur einen Prüfauftrag gibt. Insgesamt ist es sicherlich möglich, die Aktivitäten der Energie-Agentur in die Chiemgau GmbH zu integrieren“, so die Antwort von Landrat Siegfried Walch auf Anfrage von chiemgau24.de. Aber er betont: „Energie-Agentur und Energieholding sind völlig unabhängig voneinander zu sehen.“

Die Energie-Agentur sei, erklärt der Landrat, keine Investitionsgesellschaft, sondern lediglich zur Beratung von Bürgern, Firmen und Kommunen gedacht. Die neu gegründete Holdingstruktur dagegen wäre explizit für Energieinvestitionen geschaffen: „Sie gibt den jeweiligen Standortkommunen die Chance, sich zu beteiligen und ermöglicht auch grenzüberschreitende Projekte mit anderen Landkreisen.“ Inwieweit es Vorteile oder einen Mehrwert biete, die Energie-Agentur künftig in die Chiemgau-GmbH einzugliedern, sei „jetzt Gegenstand der Prüfung.“ Im nächsten Schritt, so Walch, würden die Ergebnisse dann in den Gremien diskutiert.

Landkreis Berchtesgadener Land: „Überlegungen nicht bekannt“

Der Landkreis Berchtesgadener Land wiederum scheint von den Überlegungen, die Energie-Agentur perspektivisch in seiner jetzigen Form aufzulösen, bislang wenig zu wissen„Über eine mögliche Überführung der Energie-Agentur in die Chiemgau GmbH ist dem Landkreis Berchtesgadener Land nichts bekannt und war unseres Wissens nach auch nicht Gegenstand der Anfrage eines Kreisrates in Traunstein, sondern lediglich die Vermeidung von Doppelstrukturen.“

Werden „bilateral Lösungen finden“

Das Landratsamt Berchtesgadener Land erklärt auf unsere Anfrage zum Kenntnisstand der Traunsteiner Debatte, dass regelmäßig Gespräche stattfinden würden und verweist auf die nächste Gesellschafterversammlung im Juli: „Sowohl hier als auch bilateral mit dem Landkreis Traunstein werden wir gemeinsam Lösungen erarbeiten. Für den Landkreis Berchtesgadener Land steht dabei im Mittelpunkt, dass die Dienstleistungen der Energieagentur für die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin angeboten werden.“

„Auch wenn es knirscht, kühlen Kopf bewahren“

Zu der derzeit „bilateral“ angespannten Situation im Zuge des Zwists um den Verkehrsverbund sagt Siegfried Walch: „Auch wenn es in Partnerschaften manchmal knirscht, ist es aus meiner persönlichen Sicht sehr wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Und zu bedenken, dass Partnerschaften einen langfristigen Nutzen haben und am Ende stärker machen können, wenn dies beide Seiten erkennen.“ Dass es für den Landkreis Traunstein sinnvollere Lösungen als eine gemeinsame Energie-Agentur gäbe, sei, so Siegfried Walch, „ja keine neue Überlegung.“ Mit der Gründung der „Energieregion Chiemgau Verwaltungs-GmbH“ habe das nichts zu tun.

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