Beschluss in der Jahresversammlung

Trocknung stellt ihren Betrieb in Feldkirchen ein

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Industriebau ohne Zukunft: Die Trocknungsanlage in Feldkirchen wird den Betrieb im Mai nicht wieder aufnehmen. Damit scheint die Diskussion um Braunkohlestaub beendet.

Feldkirchen - Die Nachricht kommt aus heiterem Himmel: Die Trocknungsgenossenschaft Wolfratshausen stellt ihren Betrieb ein. Das haben die Mitglieder mit großer Mehrheit am Montag in der Jahresversammlung beschlossen.

Derzeit ruht der Betrieb in der Trocknungsanlage in Moosham. Das ist in den Wintermonaten immer so. Es wächst kein Gras, also kann auch kein frisch geschnittenes Grüngut verarbeitet werden. Erst im Mai sollte es weitergehen. Eigentlich. Doch dazu wird es nicht kommen: Gut 200 der 370 Mitglieder haben am Montagabend in der Jahresversammlung im Aufhofener Jägerwirt in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den Betrieb stillzulegen. 80 Prozent der Anwesenden votierten dafür. Der Vorschlag kam vom Vorstand, der übrigens entlastet wurde. „Es ist eine Schmerzgrenze erreicht“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Peter Lichtenegger.

Schmerzgrenze? Das klingt danach, als hätten die Genossen genug vom Widerstand der Bevölkerung gegen die Anlage. Die Umstellung von Flüssiggas auf Braunkohle als Energieträger hatte ja über Monate hinweg für gewaltigen Aufruhr gesorgt, es gab eine Bürgerinitiative, es gab Petitionen, es gab viel Unfrieden in Moosham und Umgebung. Tatsächlich ist die Schmerzgrenze, von der Lichtenegger spricht, eine rein ökonomische. „Es ist fürchterlich für uns, aber es lohnt sich nicht mehr“, sagt Lichtengger. In Spitzenzeiten hätte die Anlage aus dem angelieferten Gras 100 000 Doppelzentner Cobs produziert, also wertvolles, weil eiweißreiches Futter für Rinder, Pferde, Schweine und Schafe. „Im vergangenen Jahr waren es nur noch 56 000 Doppelzentner“, sagt Lichtenegger – als gerade mal die Hälfte. Das reicht nicht zum Überleben.

Auch der letzte Versuch, die Anlage rentabel zu bewirtschaften, ist fehlgeschlagen. Gegen erbitterten Widerstand aus der Bevölkerung hat die Genossenschaft die Umstellung auf Braunkohle durchgesetzt. Im vergangenen August kam die Genehmigung. Das Landratsamt stand der Sache zwar skeptisch gegenüber, hatte aber keine Handhabe. Der Haken: Es gelang den Genossen nicht, die vom Landratsamt vorgegebenenen Grenzwerte einzuhalten, es musste wieder auf Flüssiggaszurückgegriffen werden. „Mit Braunkohle hätten wir den Doppelzentner Cobs für 12,50 Euro statt für 16,50 Euro anbieten können“, sagt Lichtenegger. Doch weil dies aus technischen Gründen misslang, musste weiter teuer produziert werden. Die Stillegung des Betriebs hat laut Lichtenegger mit dem Widerstand aus der Bevölkerung „nur am Rande“ etwas zu tun.

Am Freitag haben der Vorstand und Mitglieder gemeinsam die Notbremse gezogen. Bitter ist es für die Mitarbeiter in der Anlage: Dort sind 17 Mann beschäftigt, teils voll teils stunden- oder saisonweise. Ob sich die Genossenschaft auflöst, ist noch nicht klar. Ebenso unsicher ist, was aus dem Gebäude wird. „Darüber müssen wir erst in Ruhe reden“, sagt Lichtenegger.

Der in Thanning wohnende Altlandrat Manfred Nagler ist erleichtert. Er hatte sein Netzwerk genutzt, um massiv gegen die Braunkohle-Pläne der Genossen vorzugehen. „Ich kann mich nur bei den Leuten von der Bürgerinitiative bedanken, die eine gewaltige Zivilcourage gezeigt haben. Sie wurden viel angefeindet und haben das durchgestanden“, sagt er.

Nach seiner Ansicht ist die Stillegung ein Erfolg dieses Widerstands: „Wenn das nicht gewesen wäre, würde da drüben länst mit Braunkohle gearbeitet.“ Doch die Mission ist nach seiner Meinung noch nicht erfüllt. Jetzt wollen er und seine Mitstreiter sehr genau darauf achten, welche Nachnutzung die Genossenschaft plant. Die Verkehrsbelastung für Thanning und Moosham muss reduziert werden.

Für Kreisobmann Peter Fichtner war die Stillegung geradezu zwangläufig. „Wirklich überraschen tut es mich nicht“, sagt er. Für ihn waren Trocknungsgenossenschaften ohnehin aus Auslaufmodell, spätestens, seit die EU vor einigen Jahren die Förderung die Trocknung drastisch reduziert hat. Als dann auch noch verschiedene Bio-Unternehmen signalisiert hatten, dass sie Braunkohle ablehnen, wurde ihm klar: „Das Aus steht über kurz oder lang bevor.“ Das Aus kam eher kurzfristig. 

Volker Ufertinger

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