Seniorenreferentin dachte zunächst, das ist nichts für Geretsried

Trotz Stadtbus: Geretsried bestellt drei Mitfahrerbänke - aus einem bestimmten Grund

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Erhöhte Sitzfläche und bequeme Armlehne: So sollen die Mitfahrerbänke im Landkreis aussehen. Die drei in Geretsried werden von Schülern verschönert.

Die Mitfahrerbänke werden an immer mehr Orten aufgestellt. Eigentlich dachte Seniorenreferentin Sabine Gus-Mayer, dass Geretsried das nicht braucht. „Wir haben ja den Stadtbus.“ Doch sie hat ihre Meinung geändert.

Geretsried – Mit einem Pappschild an der Straße stehen und mit rausgestrecktem Daumen nach einer Mitfahrgelegenheit suchen – das ist nicht für jeden was. Aber eigentlich würde es so manchem das Leben erleichtern, wenn er bei einem Autofahrer einsteigen könnte, der ohnehin in dieselbe Richtung unterwegs ist. Für weitere Strecken finden sich Fahrgemeinschaften heute übers Internet. Für Kurzstrecken in ländlichen Gebieten etablieren sich immer mehr die sogenannten Mitfahrerbänke. Drei davon hat jetzt auch Geretsried bestellt, wie Andreas Porer, zuständig für die Abteilung Bürger im Rathaus, kürzlich in der Stadtratssitzung berichtete.

„Eine soll am Seniorenheim Schwaigwall aufgestellt werden, eine am Dorfladen Gelting und eine am Friedhof in Geretsried“, erklärte Porer. Die Stadt kauft demnach auch die zugehörigen Schilder, mit denen Bürger anzeigen können, zu welchem der Ziele sie fahren wollen. „Außerdem wird es einen Wegweiser für Wolfratshausen und Königsdorf geben.“ Wer sein Schild ausgewählt hat, setzt sich auf die Bank und wartet, bis ein Auto anhält. So das Konzept.

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Die Idee hatte Seniorenreferentin Dr. Sabine Gus-Mayer im März in den Stadtrat eingebracht. Als die Mitfahrerbänke immer mehr im ländlichen Raum Bayerns Einzug gehalten haben, dachte sie zwar zunächst, dass Geretsried das nicht bräuchte. „Wir haben ja den Stadtbus“, so Gus-Mayer. Sie werde aber oft darauf angesprochen, dass es so schwer sei, Bekannte in Schwaigwall zu besuchen. Die Mitfahrerbank soll nun Abhilfe schaffen.

„Ich freue mich, dass ich auf offene Ohren gestoßen bin“, sagt Gus-Mayer. Die Anschaffungskosten für Bänke und Schilder – etwa 600 Euro pro Garnitur – finanziert die Seniorenreferentin mit ihrem jährlichen Budget aus dem Stadtleitbild. „Da geht es um gesellschaftliche Teilhabe und Mobilität, es passt also genau rein.“ Nach Auskunft der Stadtverwaltung sollten die bestellten Bänke im Herbst aufgestellt werden können. Einen Termin gibt es aber noch nicht.

Geretsried stellt die Mitfahrerbänke nicht als einzige Kommune im Landkreis auf. Behindertenbeauftragter Ralph Seifert hat das Thema in der Region vorangetrieben (wir berichteten). Ihm zufolge wollen zum Beispiel Münsing, Bad Heilbrunn und Benediktbeuern mitmachen. Die Gemeinden wollen eine Sammelbestellung bei einer Behindertenwerkstätte abgegeben. Geeinigt hat man sich auf eine Holzbank aus Lerche massiv mit erhöhter Sitzfläche und Armlehnen. „Es ist geplant, sie von Schulkindern anmalen zu lassen“, ergänzt Gus-Mayer.

„Sie sind ein Stück mehr Freiheit.“

Ein bisschen skeptisch ist sie noch, was die Haftungsfrage angeht. „Es gibt keine Rechtsgrundlage“, sagt die Seniorenreferentin. Einsteigen und Mitnehmen geschehe auf eigenes Risiko. Die Stadt kümmere sich lediglich um die Verkehrssicherungspflicht der Bank. Ansonsten zweifelt sie nicht daran, dass das Angebot genutzt wird. „Es wird etwas Zeit brauchen, bis es sich etabliert, aber nach und nach wird es sich durchsetzen.“

Als Konkurrenz zu den Bussen sieht Gus-Mayer die Mitfahrerbänke nicht. „Es ist eine sinnvolle Ergänzung, ein Lückenbüßer.“ Man brauche Transportmöglichkeiten mit Verlässlichkeit, in denen man auch Kinderwagen und Rollator mitnehmen kann. Auf der Mitfahrerbank wisse man nicht, wie lange man sitzen und warten müsse. Dennoch: „Sie sind ein Stück mehr Freiheit.“

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Barbara Fuchs, Geschäftsführerin des Senioren- und Pflegeheims Schwaigwall, begrüßt das Projekt. „Grundsätzlich gefällt mit die Idee sehr“, sagt sie. Sie könne sich vorstellen, dass sowohl Angehörige als auch Mitarbeiter von der Mitfahrerbank gebrauch machen werden.

Übrigens: Wer denkt, dass man in Schwaigwall lange warten muss, bis ein Auto vorbeifährt, der irrt sich. Sabine Gus-Mayer hat das vor Ort ausgekundschaftet. „Da herrscht reger Verkehr“, sagt sie. Aus Gelting, Beuerberg und Eurasburg würden viele den Weg über Schwaigwall nach Geretsried wählen.

sw

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