Es wurde Licht: Zumindest für die Tunnelbauer in Oberau. Nach zwei Jahren Arbeit in der Dunkelheit haben sie sich nun den Weg vom Nord- zum Südportal gebahnt.
Oberau – Sie sind abgeschottet. Niemand darf sich der Baumannschaft nähern. Das Tunnel-Konklave beginnt. Die Männer der Firma Marti verschanzen sich in der Röhre, konzentrieren sich auf ihre Arbeit. Bis der weiße Rauch aus einem kleinen Loch in der Felswand aufsteigt. Er überbringt wie im Vatikan bei der Papstwahl der Außenwelt die gute Botschaft. In diesem Fall bedeutet sie: „Habemus Durchbruch“.
Die letzte Passage auf den insgesamt rund 2970 Metern hatte das Team noch einmal vor eine Herausforderung gestellt. Denn je näher die Hangkante des Kirchbichls rückte, desto größer war die Einsturzgefahr. Mögliche Komplikationen blieben aus – zur Freude des Bautrupps. Euphorie herrschte kurz vor dem großen Moment in der Röhre. „Alle wollen endlich an die Luft, sie arbeiten schon so lange im Dunkeln“, sagte Polier Karlheinz Wohlmann „Man merkt, jeder möchte den Berg besiegen und rauskommen.“ Um 22 Uhr am Freitagabend ist das Ziel erreicht, die letzte Felswand im Westvortrieb Richtung Süden bezwungen. Die Mannschaft jubelt, gönnt sich ein Belohnungsgetränk und stellt sich mit Fahnen zum Erinnerungsfoto vor dem mit Matten abgedeckten Loch auf.
Noch nicht einmal eine halbe Stunde alt ist das Loch, als Josef Bobinger von einem Termin in Garmisch-Partenkirchen heim nach Oberau fährt. Völlig nichts ahnend. Als er ein kleines Licht in der Felswand sieht, traut er seinen Augen kaum. Oberaus Zweiter Bürgermeister und Sprecher der Initiative VEO (Verkehrsentlastung Oberau) kehrt im Ort um. Er muss sich vergewissern, dass er nicht halluziniert. Tut er nicht.
Initiative VEO kämpft weiter
Für ihn ist der Durchbruch auch eine Belohnung für die VEO und deren unermüdlichen Einsatz als Bürgervertretung. „Das ist der absolute Hammer“, sagt er. Wie beim Adventskalender, „wenn man das erste Türchen aufmacht“. Am Samstag in der Früh um halb 8 macht er sich noch einmal auf zum Südportal, genießt den Anblick. Selten dürfte sich der Dachdecker so an einem Loch ergötzt haben.
Ganz so eilig hatte es Peter Imminger nicht mit der Besichtigung. „Ich hab’s noch nicht gesehen, fahr’ aber heute noch vorbei“, sagt er gestern auf Tagblatt-Nachfrage. Mit dem Durchbruch fällt dem Rathauschef ein ganzer Gesteinsbrocken vom Herzen. „Jetzt kann nicht mehr viel schiefgehen“, meint er. Durch diesen „wichtigen Zwischenschritt“ dürfe man damit rechnen, dass bei den weiteren Schritten im Berg nichts Unvorhersehbares mehr eintritt. Damit bezieht er sich auf den Kramer-Tunnel und seinen Wasser-Problemen beim Erkundungsstollen, welches das Projekt ins Stocken geraten ließ.
Tunnel Oberau: Bilder von der offiziellen Durchschlagsfeier
Trotz des aktuellen „Höhepunkts“, wie Bobinger den Tunnel-Durchschlag bezeichnet, ist die Arbeit der VEO aber nicht beendet. Die Initiative möchte weiterhin für die B23 und ihre direkte Anbindung an die Westumfahrung kämpfen. „Wir müssen am Ball bleiben“, betont der Sprecher der Bürgervertretung. Jetzt aber zählen alle die Tage bis kommenden Samstag, 25. November, – wenn gemeinsam der Tunnel-Durchbruch gefeiert wird.