Nach nur 162 Tagen ist Jan Hartwig, 41, die Sensation gelungen. Der Münchner Koch hat auf Anhieb drei Michelin-Sterne in seinem erst im Oktober eröffneten Lokal „Jan“ erkocht.
München – Drei Sterne auf einen Streich – damit gehört Jan Hartwig zu den derzeit zehn besten Köchen Deutschlands. „Jan Hartwig beherrscht Handwerk und Technik in Perfektion und wagt auch mal etwas Unerwartetes“, heißt es in der neuen Ausgabe des Restaurantführers „Guide Michelin Deutschland“, der am Dienstag (4. April) in Karlsruhe vorgestellt wurde. Die sonst so nüchternen Inspektoren jubeln: „Fantastisch die Variation von Produkten und Aromen – hier wird internationales Top-Niveau geboten.“
Michelin-Sterne gehen nach München: Jan Hartwig gelingt „Sensation“
Die deutsche Food-Szene hatte sich schon in den Wochen vor der Preisverleihung überschlagen und Jan Hartwig zum Superstar auserkoren. Dass es das Restaurant im Rhaetenhaus an der Luisenstraße unweit des Königsplatzes in so kurzer Zeit quasi aus dem Stand auf drei Sterne schaffte, nennt der Restaurantführer eine „Sensation“. Der Koch-Olymp ist für den 41-Jährigen allerdings nicht neu. Hartwig hatte schon 2017 drei Sterne für das Restaurant „Atelier“ im Münchner Nobelhotel „Bayerischer Hof“ erkocht. Das „Jan“–ein Menü kostet knapp 300 Euro – ist damit nun mit Christian Jürgens’ „Überfahrt“ in Rottach-Egern am Tegernsee eines von zwei Drei-Sterne-Restaurants in Bayern. In ganz Deutschland gibt es zehn. Hartwigs früheres Restaurant „Atelier“ hat im neuen Guide Michelin noch zwei Sterne.
Insgesamt gibt es 13 Zwei-Sterne-Restaurants und mehr als 50 Ein-Sterne-Restaurants in Bayern. Mit Jan Hartwig an der Spitze etabliert sich die bayerische Landeshauptstadt erneut als Food-Hotspot Deutschlands, wie sie es in den 1970er-Jahren schon einmal war. Damals brachte Eckart Witzigmann die französische Nouvelle Cuisine nach Deutschland. Mit seinem 1978 eröffneten Restaurant „Aubergine“ wurde der Jahrhundertkoch nur ein Jahr später vom Guide Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet.
Weitere Münchner Lokale werden prämiert
Als erstes deutsches Restaurant überhaupt. Höchste Handwerklichkeit, Nachhaltigkeit und beste Produkte, vorwiegend aus der Region, spielen bei Jan Hartwig eine ebenso wichtige Rolle wie ein hohes Maß an Kreativität. Der Drei-Sterne-Koch weiß, worauf es ankommt, um auch unter größtem Druck – von außen und von innen – an jedem einzelnen Tag das Bestmögliche zu geben. Sein Credo: „Heute besser sein als gestern und morgen besser sein als heute.“ Das „Alois–Dallmayr Fine Dining“ in München mit Max Natmessnig an der Spitze schaffte es nach seiner Wiedereröffnung aus dem Stand auf zwei Sterne. „Kochkunst und Gemütlichkeit“ will er für seine Gäste.
Neu in der Zwei-Sterne-Liga ist auch das „Gourmetrestaurant Dichter“ in Rottach-Egern. Küchenchef Thomas Kellermann war bei der Verleihung „überglücklich“. Zwei weitere Restaurants in München wurden neu mit einem Stern bedacht: das „Brothers“ und das „Mural Farmhouse – Fine Dine“. Tobias und Markus Klaas kannte man lange Jahre als Sommelier und Restaurantleiter an der Seite von Zwei-Sterne-Koch Tohru Nakamura. Erst im Winter eröffneten sie das „Brothers“.
Rico Birndt ist zwar schon länger wieder in der Stadt, im „Farmhouse“ kocht er erst seit vergangenem Sommer. Seine Philosophie: „Auf den Tisch kommt jeweils ein Produkt, das im Mittelpunkt steht. Was serviert wird, ist für den Gast eine Überraschung.“ Birndt bekam zudem den grünen Michelin-Stern für Nachhaltigkeit. Deutschlandweit meldete der Guide Michelin heuer die Rekordzahl von 334 Sternerestaurants. Insgesamt zehn Restaurants wurden mit drei Sternen ausgezeichnet (davon eins neu), 50 Restaurants mit zwei Sternen (davon acht neu) und 274 Restaurants mit einem Stern (davon 34 neu). (Stephanie Ebner)
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