VonManuela Schauerschließen
Die Liste steht: Zehn Frauen von „DreiOrte – eine Stimme“ sind bereit, in den Gemeinderat einzuziehen. Für das Bürgermeisteramt stellt sich aber, anders als geplant, niemand zur Verfügung.
Altenau - Die Bombe platzt fast unbemerkt. Als Kerstin Löffler sich wie alle der 26 Stimmberechtigten im Vereinsheim des TSV Altenau kurz vorstellt. Dabei sorgt die 40-Jährige für die Überraschung des Abends. Anders als geplant verzichtet sie auf eine Bürgermeister-Kandidatur in der Gemeinde Saulgrub.
Seit Monaten kursiert ihr Name als potenzielle Bewerberin um das Amt. Doch erfuhr sie nun von einem möglichen anderen Aspiranten, der den scheidenden Rathauschef Rupert Speer beerben solle. „Ich will keinen Konkurrenzkampf“, betont die Assistentin der Geschäftsführung im medizinischen Bereich einer Rehaklinik. „Derjenige soll wissen, dass er die volle Unterstützung bekommt.“ Wem sie den Vortritt überlässt, bleibt kein Geheimnis: Alfred Wurm, aktueller Gemeinderat der Wählervereinigung Saulgrub. Auch er wird seit einiger Zeit heiß gehandelt, gibt sich aber zurückhaltend: „Zum aktuellen Zeitpunkt ist noch keine Entscheidung getroffen“, sagt er. „Alles ist offen.“
Zehn Kandidatinnen gefunden
Löffler legt ihren Plan nicht endgültig ad acta, sich für das höchste Amt der Kommune zur Verfügung zu stellen. „Ich hab‘s nicht abgeschrieben“, sagt sie. Angesichts der herumgeisternden Prognose aber für diese Periode. Jetzt hofft sie vielmehr, für „DreiOrte – Eine Stimme“ in den Gemeinderat einzuziehen, um Erfahrung zu sammeln. Auf Listenplatz vier reiht sie sich an dem Abend ein.
Die Mindestanzahl von zehn Listenkandidaten erreicht die frisch gegründete Wählergruppe, ohne jemanden überreden zu müssen. Dafür gibt‘s Applaus. „Die erste Hürde ist genommen“, sagt Wahlleiter Andreas Kratz. Zehn Frauen können sich vorstellen, in den Gemeinderat einzuziehen und Verantwortung für den Ort zu übernehmen. Sie bilden eine bunte Mischung aus Alter, Interessen und Berufen. Spiegeln – abgesehen vom Geschlecht – ein Bild der Gemeinde wieder. In geheimer Wahl legen die Anwesenden am Ende des Abstimm-Marathons die Reihenfolge fest und katapultieren Andrea Fippl an die Spitze (siehe „Die Listenplätze“).
Diesmal soll sicher eine Frau in den Gemeinderat einziehen
Die Gewandmeisterin aus Wurmansau war eine der Initiatorinnen von „DreiOrte – eine Stimme“. Ihr missfällt die Zusammensetzung des Gemeinderats nach den Kommunalwahlen 2020. Keine einzige Frau zog damals ins Gremium ein. „Wir wollen nicht das Rad neu erfinden, auch keinen Unmut stiften“, erklärt die Selbstständige. „Nur garantieren, dass eine Frau reinkommt.“ Gerne auch mehrere Damen.
Der Gruppierung, die als einzige alle drei Ortsteile inkludiert, schwebt nicht vor, das Bisherige ins schlechte Licht zu rücken. „Der Gemeinderat und Bürgermeister haben großartige Arbeit geleistet“, stellt Svenja Kratz (Platz 3) klar. Aber vielleicht wäre es möglich, ein bisschen was zu verbessern, zu ergänzen. Die Bedeutung von Bauexpertise und Co. wollen die Kandidatinnen keinesfalls schmälern, doch spielt es für sie eine Rolle, dass sich auch für Themen wie Familie, Sport und Kinderbetreuung Leute einbringen.
Noch Zukunftsmusik. Denn jetzt benötigen die Frauen erst einmal 50 Stimmen auf der Befürworterliste, damit die neue Gruppierung antreten darf. Wird sie nicht gefüllt, waren alle Mühen für die Katz.
Die Reihenfolge:
1. Andrea Fippl; 2. Andrea Hautmann; 3. Svenja Kratz; 4. Kerstin Löffler; 5. Katrin Wiedl-Dörner; 6. Katrin John; 7. Sabine Hager; 8. Andrea Schenk; 9. Sylvia Spalek; 10. Renata Juskowiak.
