„Es ging irre schnell“

Überschwemmte Felder: Bei vielen Bauern beginnt nun das Bangen um die Ernte

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Der Allershauser Landwirt Ralph Huber steht nach dem Hochwasser an seinem überschwemmten Acker. Er hofft, dass sein Mais überlebt hat.
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Viele Landwirte in Bayern standen in den vergangenen Tagen vor überschwemmten Ställen oder Feldern. Viele können noch gar nicht abschätzen, wie sich das auf ihre Ernte auswirkt - und wie viel der Schäden sie ersetzt bekommen.

Allershausen/Egenhofen – Manfred Wolf hatte das Schlimmste befürchtet. Auf einigen seiner Erdbeerfelder in Egenhofen im Kreis Fürstenfeldbruck stand das Wasser so hoch wie nie. Sogar die Verkaufshütte ragte nur noch halb aus dem Wasser. „Glücklicherweise liegen viele unserer Felder etwas höher und wurden nicht überflutet“, berichtet er. Denn die Erdbeeren, die unter Wasser standen, sind verloren. In Zahlen kann Wolf den Schaden noch nicht schätzen. Er glaubt, dass er mit einem blauen Auge davongekommen ist. Aber viele seiner Kollegen hatten weniger Glück, sagt er.

Wolf hat auf seinen 15 Hektar großen Flächen einige Folienhäuser aufgebaut, um die Erdbeeren vor Starkregen zu schützen. „Aber bei Überschwemmungen sind wir völlig machtlos“, sagt er. Sobald es tagelang regnet, muss er um seine Ernte bangen. Neben Erdbeeren baut er auch Spargel und Äpfel an. Die hat‘s nicht so schwer erwischt, sagt er. „Nur ein paar Stangerl sind verloren.“ Aber Ernte-Einbußen in der Erdbeerzeit sind für seine Familie sehr schmerzlich.

„Es ging irre schnell“

Auch viele andere Landwirte in Bayern stehen in diesen Tagen vor Äckern, von denen sich das Wasser langsam zurückzieht. Einer von ihnen ist Ralph Huber aus Allershausen bei Freising. Nur ein paar Meter von seinem Maisfeld entfernt fließt die Glonn – und die ist wie so viele andere Bäche am Wochenende über die Ufer getreten. „Es ging irre schnell“, sagt Huber. Innerhalb einer guten Stunde standen seine Maispflanzen komplett unter Wasser. Inzwischen ist das Wasser großteils wieder verschwunden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob der Mais die Flut einigermaßen überstanden hat. „Aber ich sehe den Unterschied“, sagt Huber.

Er versucht trotzdem positiv zu bleiben – auch wenn er noch gar nicht abschätzen kann, wie sich das Wasser auf seine Ernte auswirken wird. „Das Getreide ist jetzt viel krankheitsanfälliger“, sagt er. Und ein noch größeres Problem könnten die Grünflächen sein, die aktuell voller Schlamm und Dreck sind. „Vielen Landwirten geht deswegen Futter verloren“, sagt Huber, der auch Präsident des Bauernverbands in Oberbayern ist. „Viele Landwirte werden dieses Jahr Futter zukaufen müssen“, prognostiziert er.

Eine Elementarversicherung haben nicht alle Landwirte abgeschlossen. Auch Ralph Huber nicht. „Das ist nur für alle Flächen möglich und dann gleich sehr teuer“, sagt er. Das Kabinett hat den Landwirten wie berichtet Hilfen zugesagt. Bis zu 50.000 Euro sind eingeplant. Wie groß die landwirtschaftlichen Schäden bayernweit sind, könne man noch nicht abschätzen, sagt Bauernverbandssprecher Markus Drexler. Viele Bauernfamilien seien betroffen, über 50 Höfe und Ställe mussten evakuiert werden, berichtet er. „Die Schäden an Getreide, Rüben, Kartoffeln und Mais, Erdbeeren und Himbeeren erreichen ein Ausmaß, das in Zahlen noch gar nicht bezifferbar ist.“ Es gebe Betriebe, deren gesamte Nutzfläche unter Wasser stand. Die Wassermassen haben in vielen Fällen große Teile der Ernte vernichtet. Der Bayerische Bauernverband habe gegenüber Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) deutlich gemacht, dass es für einige Landwirte um die Existenz geht. „Für die in Aussicht gestellten Hilfen sind wir dankbar, doch leider werden sie für viele Betriebe nicht annährend ausreichen“, betont Drexler. „Wir wünschen uns, dass besonders hart getroffenen Familien auch über die vorgesehene Grenze hinaus geholfen wird.“

„Aus seinen Weihern wurden alle Fische weggeschwemmt“

Ralph Huber hat in den vergangenen Tagen mit vielen Kollegen gesprochen. Auch mit Landwirten, die im selben Ort leben, aber deutlich schwerer getroffen wurden, betont er. „Einige mussten ihre Tiere aus überschwemmten Ställen retten“, berichtet er. Auch sie könnten krank werden, wenn sie lange im Wasser gestanden sind. Einen Fischzüchter aus der Region hat Huber völlig verzweifelt erlebt. „Aus seinen Weihern wurden alle Fische weggeschwemmt, sie sind völlig leer.“ Der Mann habe sein ganzes Inventar verloren, sagt Huber. „Das kann er so schnell nicht mehr reinwirtschaften.“

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