VonBettina Stuhlweißenburgschließen
Weil viele ihren Kaminofen wiederentdecken und für den Winter als Alternative zur Gasheizung einplanen, wird Brennholz knapp und immer teurer.
Holzkirchen – Je weiter Putin den Gashahn zudreht, desto mehr rückt heimisches Holz als Brennstoff in den Fokus. Viele, die ihren Kaminofen bislang eher zu Dekorationszwecken geschürt haben, wollen ihn im kommenden Winter nutzen, um sich wegen des Ukraine-Krieges weitestgehend unabhängig von der Gasheizung zu machen. Welche Auswirkungen hat das auf den regionalen Brennholzmarkt? Das beantwortet Alexander Mayr (52), Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Holzkirchen.
Waldbesitzer warnt wegen Ukraine-Krieg: Brennholz wird knapp und immer teurer
Herr Mayr, die Gas-Krise spitzt sich zu. Horten die Menschen jetzt Brennholz für den Winter?
Tatsächlich ist es so, dass unsere Brennholzlieferanten ziemlich ausverkauft sind. Die Leute kaufen zum Teil sogar Holz, das noch gar nicht trocken ist.
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Das heißt, man bekommt kein trockenes Holz mehr?
Neukunden haben es schwer. Stammkunden, die jedes Jahr kaufen, werden vorrangig bedient. Mit der Nachfrage haben natürlich auch die Preise angezogen.
Was kostet ein Ster Hartholz?
Bei Buche muss man mit mindestens 110 bis 120 Euro rechnen. Hartholzmischungen können etwa zehn Euro weniger kosten. Fichte dagegen ist noch für 75 bis 80 Euro pro Ster zu haben, Tendenz steigend. Je nachdem, ob uns die Russen den Gashahn komplett zudrehen.
Wegen Ukraine-Krieg: Brennholz immer gefragter - einige verheizten schon nasses Holz
Kann man Holz, das noch gar nicht trocken ist, überhaupt verheizen?
Ich kann keinem empfehlen, frisches Holz zu verheizen. Da verrußen Ofen und Kamin, und man gießt heißes Öl in die Feinstaubdiskussion. Wer das Holz aber richtig lagert, kann es bis Oktober trocken kriegen, vorausgesetzt, es ist zumindest ein wenig vorgelagert.
Wie muss man es lagern, damit es gut trocknet?
Auf alle Fälle unterm Dach, damit es nicht nass wird. Außerdem sonnig und schön luftig. Wer jetzt frisches Holz kauft, sollte Nadelholz kaufen, weil das schneller trocknet. Im Baumarkt gibt es Holz-Feuchte-Messgeräte zu kaufen. Das Holz sollte um die 15 Prozent Restfeuchte oder weniger haben, damit man es optimal und schadstoffarm verheizen kann.
Wie viel Ster braucht man als Vorrat für den kommenden Winter?
Das kann man ganz schwer sagen, weil das von vielen Faktoren abhängt. Heizt man ausschließlich mit Holz? Wie groß ist die Wohnfläche? Das kann von zwei Ster bis zu 20 Ster reichen.
Holzangebot begrenzt: Mehr zu fällen widerspräche Nachhaltigkeitsgrundsatz
Wenn die Nachfrage so hoch bleibt: Wann sind die Ressourcen unserer Wälder erschöpft?
Es ist klar, dass nicht ganz Deutschland auf Holz umstellen kann. Das würde nicht funktionieren und widerspräche auch dem Nachhaltigkeitsgrundsatz der Forstwirtschaft. Außerdem hat die stoffliche Verwertung, zum Beispiel als Bauholz Vorrang vor der energetischen. Brennholz besteht aber nicht nur aus Scheiten. Auch mit reinem Waldrestholz in Form von Hackschnitzeln kann man heizen. Das ist Holz, das bei einem Holzeinschlag immer anfällt und nicht mehr anderweitig verwendet werden kann. Bis dato mussten nicht unbeträchtliche Mengen Nadelrestholz aus Waldschutzgründen und aufgrund fehlender heimischer Kapazitäten bis nach Österreich zur thermischen Verwertung gefahren werden. Da wäre es doch sinnvoller dieses Material auf kurzen Wegen in ein hiesiges Biomasseheizkraftwerk zu transportieren, um Wärmeenergie daraus zu gewinnen. In den Bioheizkraftwerken unserer MW Biomasse AG geschieht dies nunmehr seit 15 Jahren. Auch hier ist die Nachfrage übrigens enorm. Wir hatten noch nie so viele Anfragen zum Bau von Heizkraftanlagen auf Biomassebasis oder zum Anschluss an bestehende. Ich halte es für durchaus sinnvoll, ganze Siedlungen oder auch Gewerbegebiete an Biomasseheizkraftwerke anzuschließen. Das hätte man schon viel früher tun sollen. Aber die Vorurteile und Widerstände mancher Kommunen, aber auch der Verbraucher waren oft zu groß. Das Gas war wohl zu billig.
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