Wahnwitzige Mitternachtsaktion

So lief der ultimative Maibaumklau in Indersdorf

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Ein Meistercoup: Zusammen haben die Randelsrieder Burschen und die jungen Männer vom Petershauser Bauwagen den Indersdorfer Maibaum geklaut.
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Indersdorf - 35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion.

Heute Nacht ist Klau-Nacht. Es ist finster, Mitternacht, 25 Randelsrieder Burschen schleichen sich in Indersdorf auf das Gelände von Familie Reischl. Ihr Ziel können sie nicht sehen. Den Weg in die Scheune versperrt ein tonnenschwerer Schiffscontainer und zwei nicht leichtere Betonklötze. Was die Burschen allerdings sehen, ist: Mist. Wir sind nicht allein. Denn nicht nur die Randelsrieder haben sich vorgenommen, heute zuzuschlagen, sondern auch 15 Burschen vom Petershauser Bauwagen. Auch sie hatten das selbe Ziel: den seit 35 Jahren ungestohlenen Maibaum der Indersdorfer.

Aber die Radelsrieder waren früher da. „Ganz klar, dass wir ihnen den Vortritt gelassen hätten“, sagt Martin Öttl. „So ist der Brauch. Ehrensache.“ Doch die Randelsrieder merken schnell: Das Ding ist alleine nicht zu drehen. Wer ein Meisterdieb sein will, muss auch mal um Mitternacht den Plan umwerfen. Und wenn es sein muss: eine spontane Diebesgemeinschaft gründen.

"Für so eine Leistung muss man schon Respekt zeigen"

Die Burschen haben sich zwar noch nie zuvor gesehen, das merkt bei der Operation „Klau den Maibaum, aber mach’ keinen Krach“ aber niemand. Mit extra selbergebauten Maibaumklauwerkzeug - mehr will keiner verraten - schaffen sie die Betonklötze und den Container weg. Wie schwer die sind, wollen wiederum die Indersdorfer nicht verraten - könnte ja sein, dass heuer nochmal Diebe vor der Scheune stehen. Der Rest war jedenfalls ein Klacks, um kurz nach zwei Uhr früh war das Ding gelaufen.

Jetzt, nach acht Nächten auswärts, darf der Baum wieder heim. Aber so leise die Burschen beim Klauen waren, so laut sind sie beim Zurückbringen. Freitag, 18.57 Uhr: Hupkonzert, Eskorte, Warnleuchten. Das ganze Programm. Die Indersdorfer vom Feuchten Club warten schon. Allerdings nicht mit Schelte, sondern mit Bier für die Diebesbande. Ehrensache, sagt zumindest Michi Eberhardt. „Für so eine Leistung muss man schon Respekt zeigen“, sagt er, und: „Das Klauen gehört zum Brauch genauso wie’s Aufstellen. Spitzenverlierer, die Indersdorfer.

Randelsrieder haben in 15 Jahren 33 Maibäume stibitzt

Viel zum Ärgern gibt’s auch nicht mehr. Die Diebe legen den 29-Meter-Baum wieder brav in die Halle. Damit dem Prachtstück nix passiert oder es gar Dreckspritzer bekommt, haben ihn die Burschen sogar extra in Folie eingewickelt. Ehrensache, sagt Randelsrieder Mathias Heine.

Er und seine Burschen sind die Meister der Meisterdiebe. Hochgegriffener Titel? Nicht für die Randelsrieder. 33 Bäume haben sie bis jetzt stibitzt - und das in nur 15 Jahren. 2009 entführten sie gleich sechs Stück. Kein Wunder also, dass sogar Zeitungen in Nachbarlandkreisen in der Maizeit vor den „gefährlichen Randelsriedern“ warnen. Der erste Baum, den wir je geklaut haben, war unser eigener“, sagt Heine. Sie haben ihn den Dieben von Langenpettenbach wieder abgeluchst. Eine Diebeszugsära war geboren.

Beim letzten Mal, 1973, wurde der Maibaum über den Misthaufen getragen

Klar, dass man sich da nicht nur Freunde macht. Zumindest nicht dann, wenn die Beklauten merken, dass sie tatsächlich beklaut wurden. „Da gibt’s alles“, sagt Vereinschef Josef Stichlmair. „Manche schreien, drohen mit Anzeigen, fluchen. Ich lass’ sie dann erstmal runterkommen.“ Nicht die Indersdorfer vom Feuchten Club. „Die waren vorbildlich. Ein Traum. So gehört sich das“, sagt Stichlmair. Und Michi Eberhardt, sagt wieder mal nur ein Wort: Ehrensache. Für die Diebe gibt’s jetzt am Samstag ein großes Fest.

Klar. Grantig waren die Indersdorfer am Anfang schon. Schließlich hat ihnen 35 Jahre lang keiner den Baum geklaut. Überhaupt hat es in der Geschichte des Maibaums seit 1973 nur ein Verein geschafft, den Maibaum zu stibitzen. „Über den Misthaufen haben sie ihn damals getragen“, sagt Michi Eberhardt. „Drei Tage später ist immer noch ein Paar Gummistiefel im Mist gesteckt.“ Die Indersdorfer Lagerplätze waren aber auch immer spitze, früher im Kindergarten unterm Dach - ja, genau, da braucht man einen Kran - und jetzt in der Halle von Familie Reischl. Vor der Halle garantieren - eigentlich - der Schiffscontainer und die Betonblöcke, dass den Baum keiner aus der Halle klaut. „Früher haben wir die Betonklötze noch mit einem Kran auf den Container gehoben“, sagt Eberhardt. Ab jetzt sind die Indersdorfer wieder vorsichtiger. Die Hütte für die Wache in der Halle stand nämlich schon.

Leute bemerkten Maibaum-Klau, sagten aber nichts

Bemerkt haben den Klau allerdings eine ganze Menge Leute - nur gesagt haben sie nichts: „Das ist unfassbar, dass keiner was gesagt hat“, sagt Martin Öttl. „Immerhin waren wir zwei Stunden am werkeln.“ Schade, dass Indersdorf so groß ist, dass sich keiner angesprochen fühlt, wenn er sowas sieht, finden auch die Mitglieder vom Feuchten Club.

Der ultimative Maibaumklau: Bilder

Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn
Maibaumklau Indersdorf
35 Jahre lang sind alle gescheitert. Um den Indersdorfer Maibaum zu klauen, braucht es allerhand: Spezialgeräte, 32 Bäume als Klau-Erfahrung und: eine spontane Diebesgemeinschaft. Die Geschichte einer wahnwitzigen Mitternachtsaktion. © fkn

Denn: Brauchtum soll gepflegt werden. Es ist nicht bloß der Nervenkitzel oder das Festl, das herausspringt. So absurd es klingt: Klauen macht auch Freunde. „Das ist ja das schöne dran“, sagt Josef Stichlmair. „Es bringt wildfremde Leute zam. Wie heuer beim Klauen oder sonst beim Feiern.“ Denn überall dort, wo sie bisher auf Diebestour unterwegs waren, kennen sie heute ein paar Leute, mit denen sie sich gut verstehen.

Christiane Breitenberger

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