- VonAlexandra Anderkaschließen
Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Durch Inflation und hohe Energiekosten lassen sich von Fernweh Geplagte nach drei entbehrungsreichen Pandemie-Jahren ihren Urlaub nicht verderben – im Gegenteil, sogar einiges mehr kosten.
Erding - Am Flughafen München wogt eine der größten Reisewellen des Jahres. Für die Pfingstferien sind knapp 15 000 Flüge zu über 200 Zielen geplant. Der Airport rechnet mit bis zu zwei Millionen Passagieren (wir berichteten).
Eine Umfrage der Heimatzeitung bei Reisebüros im Landkreis bestätigt diesen Eindruck. Von einer „irren Nachfrage“ spricht Corinna Gunst, Inhaberin des Reiseateliers in Erding, denn „jeder will weg“. Auch Sabine Kuliga-Lenffer vom Holiday Land Reisebüro Kuliga in Dorfen stellt fest: „Unsere Kunden sind reif für eine Auszeit, das merken wir ganz deutlich“, stellt die Reise-Expertin fest. „Last minute gibt es nicht mehr. Die Nachfrage ist größer als das Angebot“, weiß Sandra Hauner, die seit zwölf Jahren als Tourismuskauffrau für das Reisebüro Scharf in Erding arbeitet.
Obwohl die Preise gestiegen sind, buchen die Kunden ungebrochen ihren Sommerurlaub. „Nach drei Jahren Pandemie springen sie da einfach über ihren Schatten“, weiß Hauner. Außerdem stelle sie fest, dass die Pandemie noch etwas anderes bewirkt habe: „Man muss nicht mehr zwei oder drei Mal im Jahr in Urlaub fahren. Es wird mehr Wert auf Qualität als auf Quantität gelegt.“
Diese Beobachtung macht auch Gunst: „Wir buchen sehr viel mehr kleine, feine Hotels anstatt Massenburgen.“ Auch bei Flügen gönnten sich ihre Kunden mehr Komfort. „Es ist dieses Jahr wirklich auffallend, dass mehr hochpreisige Reisen gebucht werden.“ Gunst hat den Eindruck, ihre Kunden möchten das Geld, dass sie in der Pandemie gespart haben, nun für etwas Besonderes ausgeben, nach dem Motto: „Ich gönn mir jetzt was, man weiß ja nie, was kommt.“
Aus diesem Grund würden sich viele auch ihren Wunsch nach einem Traumziel verwirklichen. „Wir hatten noch nie so viele Buchungen für Neuseeland, die Seychellen oder Mauritius.“ Auch außergewöhnliche Ziele wie Sambia, Tansania oder Sansibar stünden vermehrt auf dem Programm. „Asien ist auch wieder am Aufbrechen“, sagt Gunst.
Im Reisebüro Scharf und Holiday Land buchen die Kunden überwiegend die griechischen Inseln, die Balearen oder auch Kroatien. Aber auch die Türkei und Ägypten sind laut Gunst wieder im Kommen.
Alle drei Reisebüros hätten wieder das Niveau vor Corona erreicht. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Gunst, die zu ihrem treuen Kunden-Stamm sogar noch neue hinzugewonnen habe, vor allem bei der Jugend. „Da waren wir vorher ganz raus, aber einige Internetbucher haben während der Pandemie ganz schön draufgezahlt und gemerkt, dass die Beratung durch ein Reisebüro doch sehr wertvoll sein kann“.
Dieselbe Erfahrung machte Kuliga-Lenffer: „Wir hatten immer auch schon jüngere Kunden, aber jetzt noch mehr.“ Gerade bei dieser Zielgruppe habe ein Umdenken stattgefunden: „Während Corona nur mit einer Hotline zu telefonieren hat viele davon abgeschreckt, über Internet-Portale zu buchen.“
Um eine authentische und zuverlässige Beratung zu gewährleisten, nehmen die Mitarbeiter von Reisebüros regelmäßig an Online-Fortbildungen teil, bringen Erfahrungen von Informations- oder privaten Reise ein, durchforsten Bewertungsportale und – laut Gunst eine ganz wichtige Bezugsquelle – :„Wir interviewen unsere Kunden.“
Kuliga-Lenffer legt zudem großen Wert darauf, in enger Verbindung zum Veranstalter zu bleiben, um bei Reklamationen sofort reagieren zu können. „Die sind aber Gott sei Dank nur noch ganz selten“, freut sie sich die Reise-Fachfrau aus Dorfen. and