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Die Bichler Gebirgsschützen bildeten die Ehrenkompanie bei der Hochzeit von Ludwig, Prinz von Bayern am Samstag in München. Der Hauptmann schwärmt von dem „Wahnsinns-Erlebnis“.
München/Bichl – Eine große, ja eine gar königliche Ehre wurde am Samstag den Bichler Gebirgsschützen zuteil. Sie waren die Ehrenkompanie bei der Hochzeit von Ludwig, Prinz von Bayern und seiner Sophie-Alexandra – einst Evekink – jetzt Prinzessin von Bayern in der Theatinerkirche am Münchner Odeonsplatz.
Kramer und Haberfellner nah am Brautpaar
„Oh mei“, kommt es aus Rudi Kramer, Hauptmann der Bichlers Gebirgsschützen, heraus. Er blickt nostalgisch auf den großen Tag in der Landeshauptstadt zurück. „Das war schon ein Wahnsinns-Erlebnis.“ Prinz Ludwig von Bayern sei in der Früh gegen 8.15 Uhr im Apothekenhof der Residenz erschienen. „Er hat uns persönlich empfangen, jedem die Hand gegeben und sich absolut leutselig gezeigt“, berichtet Kramer. Die Bichler Gebirgsschützen haben mit 40 Mann die Ehrenkompanie gebildet und gemeinsam mit zehn Mann der Landeshauptmannschaft samt Bundesfahne sowie Vertretern der bayerischen Sportschützen und des bayerischen Trachtenverbands den Prinzen bei seinem Einzug in die Theatinerkirche begleitet. „In der Kirche angekommen haben wir im Mittelgang Stellung bezogen und haben bis zum Ende der Zeremonie gegen 11.45 Uhr Spalier gestanden“, sagt Kramer. Er selbst sei gemeinsam mit Landeshauptmann Martin Haberfellner aus Kochel am See ganz vorne gestanden. „Wir waren keine zehn Meter vom Brautpaar weg“, schwärmt er.
Aber nicht nur der Bräutigam hat bei dem Hauptmann einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Beide sind schlichte und bodenständige Personen“, befindet Kramer. Er selbst habe den Prinzen und seine nun frisch Angetraute zum ersten Mal persönlich erlebt. „Die Braut trug ein schönes Kleid mit Schleppe, das aber nicht zu überkandidelt wirkte.“ Noch mehr als die Brautmode begeisterte Kramer ihr taffes Auftreten. Schließlich kippte die jetzige Prinzessin von Bayern kurz nach der Trauung um. „Das war ein Schock.“ Sie ist langsam zusammengesackt, der Prinz wollte sie noch auffangen, aber dann lag sie schon am Boden.“ Glücklicherweise sei es nur ein kurzer Schwächeanfall gewesen. „Sofort waren Leute da, die ihre Füße hochgelegt haben und ihr Traubenzucker und etwas zu trinken gegeben haben. Dann hat sie sich auch gleich wieder gefangen“, berichtet Kramer und unterstreicht: „Das war stark, sie hat sich schnell aufgerafft und sich nichts anmerken lassen.“
Hochzeit von Ludwig, Prinz von Bayern: Braut kippt nach Ja-Wort um
Trotz des kleinen Vorfalls sei die Messe, gehalten von Reinhard Kardinal Marx, feierlich und die Trauung „sehr romantisch“ gewesen. „Für mich war es das größte Highlight in der Kirche Paradestehen zu dürfen. Immerhin wäre Ludwig, Prinz von Bayern einer der Thronfolger, gäbe es die Monarchie noch“, meint er. Das beeindruckt auch Martin Haberfellner. „Die Familie hat immerhin 800 Jahre unser Leben in Bayern mitbestimmt“, unterstreicht er. Der Kochler habe schon viele Anlässe der Familie mit den Gebirgsschützen begleitet – ob Geburtstage oder Beerdigungen. „Bei einer Hochzeit war ich aber noch nicht. Das war für mich nun auch etwas Besonderes. Denn die letzte derart große Hochzeit im Hause Bayern fand ja 1921 in Lenggries statt“, erinnert er an die Vermählung von Kronprinz Rupprecht von Bayern mit Prinzessin Antonia von Luxemburg. Martin Haberfellner werde die Heirat in guter Erinnerung behalten. „Ich habe den Prinzen für die Planungen im Vorfeld ein paar Mal getroffen. Er ist ein angenehmer und freundlicher Mensch.“ Die Hochzeit sei in seinen Augen ein schönes Zusammenspiel gewesen, das das „barocke Lebensgefühl der Bayern“ zum Ausdruck gebracht hat.
Erste „Bayern-Hochzeit“ für Landeshauptmann Martin Haberfellner
Während der Landeshauptmann nicht selten auf Veranstaltungen mit höfischem Glanz unterwegs ist, war es für Rudi Kramer recht spannend unter den vielen prominenten Gästen zu sein. „Es waren viele Vertreter des europäischen Hochadels anwesend und einige Politiker, beispielsweise der bayerische Ministerpräsident Markus Söder oder Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Staatsminister Florian Herrmann.“ Nur wenige Plätze von Kramer entfernt saß in der Kirche auch Hans-Kaspar Graf zu Törring-Jettenbach. „Das war ein lustiger Zufall, denn er ist ja passives Mitglied bei unseren Gebirgsschützen.“ Der Bichler Schriftführer kenne den Grafen über das Golfspielen und habe ihn vor einigen Jahren überredet, Mitglied zu werden. Auch Albert von Thurn und Taxis, Ernst August von Hannover oder auch Susanne Porsche hat der Hauptmann in den Kirchenreihen entdeckt. „Aber es waren weit über 700 Menschen da. Im Eifer des Gefechts erkennt man nicht jeden“, sagt er.
Besonders ins Auge gestochen sei ihm Floria-Franziska Prinzessin und Landgräfin von Hessen. „Sie hatte zwei Straußenfedern an ihrem Hut.“ Dazu gäbe es eine Anekdote: „Bei der Silberhochzeit von dem Königspaar Ludwig I. und Therese war eine Baronesse anwesend, die einem Isarwinkler Schützen-Hauptmann eine Straußenfeder geschenkt hat. Und so ist es zu den weiß-blauen Federn gekommen, die die Hauptmänner der Isarwinkler Kompanien am Hut tragen“, erklärt Kramer. „Ich habe darauf gehofft, dass die Prinzessin mir ihre Feder schenkt, denn im Loisachtal gibt es diese Tradition noch nicht.“ Leider aber sei es dazu nicht gekommen.
Bichler Gebirgsschützen lassen königliches Brautpaar in Pfälzer Weinstube „hochleben“
Nachdem die Hochzeitsgesellschaft nach der Messe den Reihen nach allmählich aus der Kirche ausgezogen war, war der große Auftritt für die Gebirgsschützen auch schon zu Ende. Zwar hieß es im Vorfeld, dass die Schützen bei gutem Wetter ins Schloss Nymphenburg miteingeladen seien, „aber dann wurde das Programm wohl umgeschmissen, und wir wurden in die Pfälzer Weinstube in der Residenz eingeladen“. Hier verbrachten die Bichler noch bis 15 Uhr lustige Stunden. „Wir haben das Brautpaar ordentlich hochleben lassen“, schließt Kramer lachend.
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