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Mit „Kasperl und das Löffelkraut“ bringen die Kulturpreisträger von den „Almdudlern“ aus Weilheim heuer ein Puppentheater ganz ohne Puppen auf die Bühne des Stadttheaters. Kann das funktionieren?
Weilheim – Die ersten Lacher gibt’s bei der Premiere schon, ehe das Theater überhaupt begonnen hat. Dabei ist Wachtmeister Wirsing (Werner Glienke, kurzfristig eingesprungen für Florian Kluthe) eigentlich nur auf die Bühne gekommen, um dafür zu sorgen, dass in den kommenden 100 Minuten alles seine Ordnung hat. Schließlich sitzen im Zuschauerraum ungewöhnlich viele Erwachsene für ein Kasperltheater. Und denen muss ja erst mal einer in Erinnerung rufen, wie man sich da zu verhalten hat. Also: Nasebohren ist für Erwachsene strengstens verboten; für den Beifall gelten drei Eskalationsstufen, die gleich mal geübt werden (normales Klatschen, heftiges Klatschen mit Füßetrampeln und beides kombiniert mit „Bravo“-Rufen); ansonsten aber dürfen Zuschauer nur dann laut sein, wenn sie von Kasperl & Co. etwas gefragt werden.
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Alles klar? Dann kann es ja losgehen mit einem jener bayerischen Stücke von „Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater“, die Jung und Alt gleichermaßen Spaß machen. 2010 haben „Die Almdudler“ schon mal einen „Döblinger“ auf die Theaterbühne gebracht, nicht mit Puppen, sondern – das ist der Clou – mit erwachsenen Laienschauspielern. Heuer gönnt sich die Weilheimer Theatergruppe diese Gaudi noch einmal, diesmal mit „Kasperl und das Löffelkraut“.
Die Handlung ist, sagen wir: genretypisch übersichtlich. Kasperltheater eben. Die Story ist Nebensache, wichtig ist, dass die „Almdudler“ herumalbern können: ob Ralf Lautenbacher als überbesorgte Großmutter oder Alex Schafferhans als großartig grantiger „Gumpenbrooz“ (ja nicht verwechseln mit Frosch oder Unke!). Seppl (Veronika Ahn-Tauchnitz) muss obendrein den ganzen Abend über einen gewaltigen Schnackler vorhicksen. Um diesen loszuwerden, sucht er mit Kasperl (Sabine Buchenberger) in Hinterwieselharings Wäldern nach dem heilenden, aber streng geschützten Löffelkraut. Doch hinter dem sind auch der böse Zauberer Gottlieb Wurst und die böse Hexe Annegeer Strudlhofer her: Sie wollen der Menschheit mit dessen magischer Wirkung einen vernichtenden Lachkrampf anhängen.
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Pflücken wird am Ende keiner das sensible Pflänzchen, das weiß die gute Fee Endorfine (Annette Rill) zu verhindern, die privat eher eine Rockerbraut ist, ihren Job als Kitzel- und Zwickfee des Haringer Landschaftspflegeverbandes aber gut macht – zum Glück für die Menschheit. Und der geplagte Seppl hat seinen Hickser aus Versehen auch so losbekommen...
Bis es so weit ist, gibt es freilich einiges zu lachen. Unter der Regie von Rosi Pröll legen Hexe Strudlhofer (herrlich schrill: Ute Glienke-Koch) und Zauberer Wurst (allerliebst böse: Michael Ahn) einen witzigen Schubkarren-Boogie aufs Parkett. Und auch der schmissige Schluss-Song „Dann lach halt!“, bekannt vom „Döblinger“-Hörspiel und im Stadttheater live von der Jazzcombo des Gymnasiums Weilheim untermalt, reißt mit.
Bei der Premiere am Samstag vor rund 200 Zuschauern gab’s für all das viel Applaus – wenn auch „nur“ der ersten Eskalationsstufe. Dass das Stück Weilheimer Wurzeln hat (der aus der Kreisstadt stammende Richard Oehmann hat es mit Josef Parzefall geschrieben), ist ein zusätzlicher Reiz. Am Sonntag waren beide Autoren übrigens unter den Zuschauern. Sie wurden auf die Bühne geholt und bekamen einen Löffel, Kraut und „Almdudler“ zum Trinken überreicht. MAGNUS REITINGER
Weitere Vorstellungen
von „Kasperl und das Löffelkraut“ sind am kommenden Samstag, 11. Mai, und Sonntag, 12. Mai, jeweils um 18 Uhr im Stadttheater. Karten: Kreisbote-Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz, Telefon 0881/686-11. Der Erlös der Aufführungen wird an den „Fonds für Kinder“ und „Netz gegen sexuelle Gewalt“ gespendet.
