VonJohannes Welteschließen
Bahnreisen nach Italien sollen einfacher und schneller werden. Die Deutsche Bahn plant neue Expresszüge – unter anderem von München nach Mailand und Rom.
München – Wer umweltbewusst mit dem Zug von München nach Rom oder Mailand fahren will, braucht bislang Geduld und starke Nerven: Die Fahrt durch die Alpen ins Herz der beiden Metropolen ist derzeit nur mit Umsteigen möglich und dauert mindestens neuneinhalb bzw. siebeneinhalb Stunden – wenn man nicht gleich mit dem Nachtzug fährt, der über 14 bzw. über elf Stunden unterwegs ist.
Via München nach Italien: Grenzüberschreitender Bahnverkehr soll verdreifacht werden
Das soll sich bald ändern: Die EU bezuschusst zehn neue grenzüberschreitende internationale Bahnverbindungen. Ziel: den Personentransport via Schiene über die Staatsgrenzen hinweg bis 2030 zu verdoppeln und bis 2050 gar zu verdreifachen. Zu den ausgewählten Strecken gehören die von München nach Mailand und Rom.
Eigentlich sind diese Strecken nicht neu, die italienischen Staatsbahnen Ferrovie dello Stato Italiane (FS) fuhren etwa die Strecke nach Rom bis 2008, als sie den EuroCity „Michelangelo” einstellten. Dessen Fahrt dauerte damals zehneinhalb Stunden. Seit 2009 fährt die DB gemeinsam mit der ÖBB mit dem Eurocity nur noch bis Bologna.
Von München nach Rom: „Neuen Züge sollen Ende 2025, Anfang 2026 den Betrieb aufnehmen.“
Der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann (Südtiroler Volkspartei) erklärt, wie der neue Verkehr über den Brenner und über die Schweiz nach Italien geplant ist: „Die neuen Züge sollen Ende 2025, Anfang 2026 den Betrieb aufnehmen.“ Um das zu ermöglichen, seien regulatorische Dinge notwendig. Dorfmann: „Dabei geht es um die Zulassung der Züge, den Ausbau der Signaltechnik, die Ausbildung der Zugführer.“ Letztere müssten sowohl die italienische als auch die deutsche Sprache beherrschen.
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Auf der Brenner-Linie sollen Dorfmann zufolge italienische Frecciarossa-Züge rollen, die in etwa dem deutschen ICE entsprechen. Dorfmann ist überzeugt: „Wenn der Frecciarossa über den Brenner fährt, wäre das ein Qualitätssprung.“ Der Zug ist das Flaggschiff der italienischen Bahnflotte und für ein Tempo von 350 km/h zugelassen.
Bis zu einer Stunde schneller am Ziel: „Das jetzige Zugmaterial ist nicht mehr so ganz up to date.“
Außerdem würden laut Dorfmann die teilweise halbstündigen Wartezeiten am Brenner wegfallen, ebenso wie mancher bislang vom Eurocity bedienter Halt. Laut italienischer Staatsbahn FS wird der Frecciarossa nicht in Brixen, Franzensfeste, Jenbach und Wörgl - im Gegensatz zum jetzigen Eurocity. Allerdings soll der rote Superzug offenbar nur einmal am Tag je Richtung verkehren. Langfristig ist auch eine Verlängerung bis Berlin angedacht.
In Italien fahren die Züge nach Rom über die Schnellfahrstrecke Bologna-Rom weiter. Das Umsteigen in Bologna entfällt, somit auch die Gefahr, Anschlusszüge zu verpassen. Der Zug aus Mailand fährt ebenfalls über Verona und den Brenner. Das jetzige Umsteigen in Verona bzw. Zürich entfällt. Die Reisezeiten könnten sich um über eine Stunde verkürzen. Die Freccia-Züge sind laut Dorfmann komfortabler als die jetzigen Eurocitys: „Das jetzige Zugmaterial auf der Brennerstrecke ist nicht mehr so ganz up to date.“
Wieso die DB, FS und ÖBB sich für die neuen Züge bei der EU beworben haben? Dorfmann: „Die Bahnen wollen bereits vor Eröffnung des Brennerbasistunnels einen starken Verkehr aufbauen.“ Und in Südtirol freue man sich dann „über jedes Auto, das vom Brenner wegkommt.“
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Rubriklistenbild: © wikipedia/Tobias b köhler

