Die Feuerwehrmänner von Krün haben bei einem schweren Verkehrsunfall bei Gerold ganze Arbeit geleistet. Doch statt Lob ernteten sie von einigen Schaulustigen und genervten Autofahrern nur Beleidigungen und unflätige Gesten.
Krün – Als wenn die Karambolage vom Donnerstag auf der Bundesstraße 2 bei Gerold mit neun Verletzten nicht schon schlimm genug gewesen wäre. Jetzt wurden einige der Krüner Retter von Gaffern und genervten Durchreisenden auch noch beschimpft. „Alles brauchen wir uns auch nicht gefallen lassen“, sagt der Krüner Feuerwehr-Kommandant Anton Simon leicht frustriert.
Was er und seine 22 Kameraden vorgestern zwischen 17 und 22 Uhr erlebten, macht viele der freiwilligen Helfer fassungslos. Als sie zum Unfallort ausrücken, zeigt sich bei fünf demolierten Autos schnell: unübersichtliche Lage. Bevor Notarzt und Rotkreuz eintreffen, muss der Einsatzraum geordnet werden, wie es im Fachjargon heißt. Auf gut deutsch: Alles wird abgeriegelt. Die Folge: Binnen weniger Minuten bildet sich bei Gerold ein kilometerlanger Stau in beiden Richtungen.
Stauopfer reagieren aggressiv
Während sich Simon und Co. um die zum Teil Schwerletzten kümmern, geschieht das Unfassbare: Menschen steigen aus ihren Fahrzeugen, mischen sich unter die Rettungskräfte, zücken ihr Handy, schießen ein „Erinnerungsfoto“ und verschwinden wieder. „Es war für uns in diesem Moment ja schwer zu unterscheiden, ob es sich dabei um Unfallbeteiligte handelt oder nicht“, meint Simon. Erst im Nachhinein stellte sich heraus: Es waren schlicht sensationslustige und respektlose Gaffer. „Das war echt krass.“
Doch es kommt für einige der Krüner Wehrmänner noch schlimmer. Als sie den Verkehr mühevoll über den benachbarten Parkplatz umleiten, schlägt ihnen die blanke Aggression einiger genervter Stauopfer entgegen. Im Vorbeifahren werden den Rettern Beleidigungen an den Kopf geworfen, ihnen der Vogel beziehungsweise der Stinkefinger gezeigt. „Das war wirklich schlimm.“ Viele Kameraden fühlten sich im Nachgang richtig mies, bestätigt der Kommandant. Und das obwohl sie, das Rote Kreuz und die Polizei einen Spitzenjob erledigt hatten.
Kreisbrandrat Hannes Eitzenberger kann den Frust der Krüner verstehen. Aber aggressive Gaffer sind „eine Lebenswirklichkeit, mit der wir leider konfrontiert sind – das ist schon lange kein Spaß mehr“. Bei der nächsten oberbayerischen Feuerwehr-Klausur im Oktober kommt dieses traurige Thema auf den Tisch.
Christof Schnürer