Polizei legt Bilanz vor

Unfallstatistik 2018: Erneut elf Verkehrstote im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen

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Dunkle Momente: Immer wieder mussten Einsatzkräfte 2018 zu tödlichen Verkehrsunfällen ausrücken, wie hier auf der Staatstraße 2072 bei Roßwies.
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Hinter der Statistik, die die Polizei am Montag vorlegte, stehen Schicksale: Im Landkreis verloren 2018 elf Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben – ein Rückschlag im Vergleich zu Zeiten, in denen diese Zahl stetig zurückging.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eine positive Tendenz ist unterbrochen: In den vergangenen drei Jahren wiesen die Statistiken für das südliche Oberbayern vergleichsweise niedrige Zahlen an Verkehrstoten aus. 2018 ist die Summe der Menschen, die bei Unfällen auf den Straßen ums Leben kamen, wieder deutlich angestiegen: auf 99, im Vergleich zu 77 im Vorjahr. Das teilte am Montag das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit, das neben Bad Tölz-Wolfratshausen noch für neun weitere Landkreise und Städte zuständig ist. Im Landkreis waren mit elf Verkehrstoten zwei mehr zu verzeichnen als 2017.

Wie individuell die Ursachen für tödliche Verkehrsunfälle sind, zeigt sich an den sechs Fällen aus dem Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Tölz (mit Polizeistation Kochel am See). In zwei Fällen war laut Verkehrsexperte Lars Werner Alkohol im Spiel – die Fahrer verloren ihr Leben, als sie mit erheblichen Promillefahrten gegen Bäume fuhren. Am 26. März starb auf diese Weise ein Lenggrieser (26) zwischen Fleck und Sylvensteinspeicher, der Nacht auf Allerheiligen eine 25-jährige Tölzerin bei Roßwies.

Am Kesselberg ereignete sich am 19. Juni der erste tödliche Motorradunfall seit 2012. Hier war überhöhte Geschwindigkeit ausschlaggebend, als ein Motorradfahrer (31) auf die Gegenfahrbahn geriet und mit einem Pkw kollidierte. An den Folgen eines relativ harmlosen Unfalls am 13. Mai starb eine 86-Jährige erst einige Zeit später: Auf einem Parkplatz in Oberfischbach hatte ein Autofahrer sie beim Rangieren zu Sturz gebracht.

Zwei E-Bike-Fahrer starben 2018 bei Unfällen in südlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Zwei E-Bike Fahrer verloren 2018 im südlichen Landkreis ihr Leben: Ein 86-jähriger Benediktbeurer wurde am 17. November beim Überqueren der B 472 bei Obersteinbach von einem Auto erfasst. Am Blomberg raste am 22. April ein Gaißacher (71) mit seinem Pedelec gegen ein geparktes Fahrzeug, weil die Bremsen versagt hatten.

Aus diesem beiden Aufsehen erregenden Fällen kann man laut Werner jedoch nicht allgemein schließen, dass die Unfälle mit E-Bikes zunehmen. Im Gegenteil: Ihre Zahl ging gegenüber 2017 von zwölf auf acht zurück.

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Wie Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums, aufschlüsselt, waren von den elf Verkehrstoten im gesamten Landkreis vier Radfahrer (Vorjahr: einer), zwei Motorradfahrer (2017: 3), zwei Fußgänger (0) und drei Insassen von Pkw (7).

Die Gesamtzahl der registrierten Unfälle ist laut Werner im südlichen Landkreis minimal gesunken, von 1617 auf 1590. Ein erfreulicher Aspekt der Statistik: Im Zuständigkeitsbereich der Tölzer Polizei ereignete sich 2018 kein einziger Schulwegunfall. Landkreisweit sank ihre Zahl von 13 auf 7.

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Ein Brennpunkt im Landkreis bleibt der Kesselberg. Hier passierten laut Lars Werner 2018 insgesamt 20 Unfälle, drei weniger als 2017. Aus diesem geringen Rückgang leitet der Polizist jedoch keine positive Tendenz ab. Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium teilt mit, dass die „Kontrollgruppe Motorrad“ ihre Arbeit heuer noch einmal intensivieren wird. Personell werde sie in der kommenden Saison von 12 auf 14 Beamte verstärkt.

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Bei Gründung der Kontrollgruppe 2015 konzentrierte sich das Team ganz auf die Unfallschwerpunkte Sudelfeld und Kesselberg. Inzwischen nehme es allgemein „stark frequentierte Motorradstrecken“ ins Visier, um, so Sonntag, „gegen die kleine Minderheit der ,High-Risk-Fahrer‘ konsequent vorzugehen“. Im Landkreis stünden mittlerweile auch die Zufahrtsstrecken Richtung Kesselberg mit im Fokus.

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