VonAndreas Steppanschließen
Der Winter war im Landkreis ungewöhnlich trocken, was zu niedrigen Wasserständen und erhöhter Waldbrandgefahr führt. Ein nasses Frühjahr könnte die Situation entschärfen, sagen Experten.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Auch wenn es zuletzt etwas geregnet hat, ist es doch augenfällig: Der Winter war im Landkreis ungewöhnlich trocken. Durch die Isar in Bad Tölz plätschert nur wenig Wasser, auf den Bergen liegt kaum Schnee, wiederholt wurde vor Waldbrandgefahr gewarnt. Experten sind sich einig: Jetzt täte ein nasses Frühjahr mit lang anhaltendem Landregen Not.
„Niederschläge liegen deutlich unter dem Schnitt“: Trotzdem noch ausreichend Wasser in der Isar
„Die Niederschläge der vergangenen Monate liegen deutlich unter dem Schnitt der Jahre 1960 bis 2024“, sagt Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Der letzte regenreiche Monat sei der September 2024 gewesen. Da war die Niederschlagsmenge an der Messstation am Sylvenstein laut Lang mehr als doppelt so groß wie im langjährigen Mittel. In allen Folgemonaten wurde ein Minus gegenüber dem Durchschnitt registriert: im Oktober von 5 Prozent, im November von 62, im Dezember von 29, im Januar von 67, im Februar von 20 und im laufenden Monat bis zum 21. März von 27 Prozent.
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Die kontrollierte Wasserabgabe aus dem Sylvensteinspeicher habe trotzdem durchgehend dafür gesorgt, dass noch ausreichend Wasser die Isar hinunterfließt. Der winterliche Mindestdurchfluss von 10 Kubikmetern pro Sekunde in Bad Tölz sei in diesem Jahr an noch keinem Tag unterschritten worden, betont Lang – im Gegenteil: „Wir liegen konstant 2,5 Kubikmeter über dem Sollwert.“ Gleichzeitig sei das im Sylvensteinspeicher vorrätige Wasservolumen aktuell voll verfügbar, der Pegel liege beim Winternormalstau.
„Können nicht alle Launen der Natur ausgleichen“: Fehlende Niederschläge machen sich beim Grundwasserpegel bemerkbar
Kommende Woche werde die Abgabemenge dann leicht erhöht, kündigt Lang an. Das für die Sommermonate angepeilte Ziel von 20 Kubikmetern Durchfluss werde man aber voraussichtlich nicht erreichen, sondern nur 15 Kubikmeter. Erschwerend komme hinzu, dass in den Bergen praktisch kein Schnee liegt. Der übliche Ablauf, dass im April die Schneeschmelze Bäche und Flüsse füllt, falle also weg. Lang ist dabei bewusst, dass der niedrige Durchfluss durch die Isar mit Einschränkungen für die Fische verbunden ist, etwa für Huchen und Äschen, die im Frühjahr zum Laichen wandern. Er stellt jedoch klar: „Wir können nicht alle Launen der Natur ausgleichen.“
Die fehlenden Niederschläge machen sich auch beim Grundwasserpegel bemerkbar. Sieben Messstellen gibt es im Landkreis. Bei vier davon – Wolfratshausen, Geretsried, Arzbach sowie Winkl/Klaffenbach – gibt der Niedrigwasser-Informationsdienst Bayern den Pegelstand aktuell mit „sehr niedrig“ an.
Förster sorgen sich wegen Waldbrandgefahr
Für das Wachstum im Wald, sieht Robert Krebs, Chef des Forstbetriebs Bad Tölz, dagegen noch kein akutes Problem. „Die Waldvegetation ist in der Winterruhe, im Winter findet keine Photosynthese statt“, erklärt er. Wenn allerdings im April oder Anfang Mai die Vegetationszeit beginne, dann seien ausreichend Niederschläge wichtig. Auch für die Pflanzzeit im Frühjahr hoffe der Forstbetrieb auf genug Feuchtigkeit im Boden, „damit die Pflanzen ordentlich anwachsen“.
Größere Sorgen macht Krebs die Waldbrandgefahr. Er verweist auf den Flächenbrand Anfang März bei Fischbachau. In lebhafter Erinnerung hat Krebs auch die Waldbrände, die 2011 um genau die gleiche Jahreszeit am Herzogstand sowie im November am Sylvenstein ausbrachen. In der Folge habe der Forstbetrieb ein „Waldbrandset“ angeschafft, das zum Löschen aus der Luft an Hubschraubern befestigt werden kann. „Es lagert in Fall, und wir leihen es bei Bedarf an die Feuerwehren aus“, sagt Krebs.
Landwirte wünschen sich mehr Feuchtigkeit
Und was bedeutet die Trockenheit für die Landwirtschaft? „Noch geht‘s“, antwortet Peter Fichtner, Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband. „Das Wachstum geht schließlich erst los.“ Bisher sei für die Grünland-Bewirtschaftung noch alles im „grünen Bereich“. Mit jedem Tag über 10 Grad aber sei jetzt zu beobachten, wie die Natur erwacht, „und dann brauchen alle Pflanzen einen Haufen Wasser“, sagt Fichtner.
Aber vor allem für den Wald würde sich der Landwirt bald mehr Feuchtigkeit wünschen. „Wenn die Bäume in Trockenstress geraten, werden sie anfälliger für den Borkenkäfer und den Kupferstecher“, befürchtet er. Weil Arbeiten wie Gülle ausbringen oder Mist fahren schon weitgehend abgeschlossen seien, wäre es laut Fichtner auch kein Problem, wenn die Böden jetzt ordentlich durchweicht und damit schlecht befahrbar würden. Besonders wertvoll wäre aus seiner Sicht, wenn noch einmal Schnee auf den Feldern zum Liegen kommt, der seine Feuchtigkeit dann nach und nach abgibt.
