VonStefanie Zipferschließen
Ein Altenheim wird umfunktioniert, in Dachau entsteht eine Containeranlage. Der Landkreis kämpft mit der Unterbringung immer neuer Flüchtlinge. Landrat und mehrere Bürgermeister suchen nun Hilfe in Berlin bei Friedrich Merz.
Dachau – Eingeladen hat zwar Friedrich Merz, doch willkommen ist dem Bundesvorsitzenden der CDU „die ganze kommunale Familie – deutschlandweit und parteiunabhängig“. Aus diesem Grund fahren morgen neben CSU-Landrat Stefan Löwl und den CSU-Bürgermeistern Christian Blatt aus Erdweg, Markus Hertlein aus Hilgertshausen-Tandern und Richard Reischl aus Hebertshausen auch der Freie-Wähler-Bürgermeister Michael Reiter aus Altomünster sowie Löwls Stellvertreterinnen Marese Hoffmann (Grüne) und Martina Purkhardt (Freie Wähler) zu Merz’ „Kommunalgipfel zur Asyl- und Flüchtlingspolitik“ nach Berlin.
Landrat Löwl reist nach Berlin in der Hoffnung, das Thema „endlich mit notwendigen Ernst“ anzugehen
Löwl hofft, mit seinen Kollegen die Berliner Verantwortlichen von der „akuten Not“ des Landkreises überzeugen zu können. Die Bundespolitiker, so Löwl, sollen „endlich mit dem notwendigen Ernst und auch dem Willen zu inhaltlichen und lokal spürbaren Korrekturen“ an das Thema herangehen.
Flüchtlinge in Dachau: Landkreis gerät an Kapazitätsgrenze
Denn dass die Landkreisgemeinden allmählich an ihre Kapazitätsgrenzen geraten, dürfte angesichts der jüngsten Flüchtlingszahlen (siehe Tabelle) keinen Bundespolitiker – egal welcher Partei-Couleur – überraschen. Weiterhin erreicht alle zwei Wochen ein mit 50 Geflüchteten besetzter Bus den Landkreis. Nachdem die bisherige Erstaufnahmeeinrichtung in Hebertshausen seit Wochen überbelegt ist, war – wie berichtet – die Turnhalle an der Steinstraße zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert worden. Laut Landratsamt werden dort aber nur Ukraine-Flüchtlinge untergebracht, weshalb es für die Geflüchteten aus anderen Ländern neue Lösungen braucht.
Belegung weiterer Turnhallen sei „aktuell nicht geplant“
Laut Landratsamtssprecherin Sina Török besteht diese Lösung im Moment darin, dass der Landkreis das frühere Seniorenheim Esterhofen in eine 80 Personen fassenden Unterkunft umbaut. Im Sommer soll außerdem eine neue Containeranlage für 200 Menschen in Dachau eröffnen, nicht für 300, wie das Landratsamt zunächst mitgeteilt hatte. Anschließend sollen weitere Containeranlagen folgen: in Altomünster, in Hilgertshausen-Tandern sowie in Sulzemoos. Wann letztere drei Unterkünfte betriebsbereit sein sollen, kann Sprecherin Török mit Verweis auf Vertragsdetails noch nicht verraten. Immerhin: Die Belegung weiterer Turnhallen sei „aktuell nicht geplant“.
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Bereits im Februar hatte sich der Landkreis mit einem Hilferuf an Berlin gewandt. „Unsere Herzen sind groß, aber die Aufnahmefähigkeit ist begrenzt“, hatte Indersdorfs Bürgermeister Franz Obesser damals geschrieben. Eine Reaktion aus der Hauptstadt kam nie. CDU-Vorsitzender Merz bezeichnete dieses Verhalten der Bundesregierung gegenüber den „überforderten“ Kommunen daher als „mehr als enttäuschend“.
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