VonCharlotte Borstschließen
Der Pharmahersteller MSD Tiergesundheit will seine Produktion erweitern und sucht das Gespräch mit den Nachbarn.
Unterschleißheim – Rund 100 Menschen informieren sich auf dem Gelände des Pharmaunternehmens MSD Tiergesundheit in Unterschleißheim über die Erweiterungspläne des Konzerns. Zwei Stunden lang beantworten Mitarbeiter des Unternehmens und der Stadtverwaltung die Fragen der Anwohner: „Welche Emissionen sind zu erwarten?“, „Wann wird das Gebäude fertig sein?“, „Was für Medikamente produzieren Sie hier?“
MSD-Mitarbeiter Jochen Stöhr, der den Neubau koordiniert, freut sich über den Ansturm. „Wir stellen 50 bis 60 Tiermedikamente her, darunter auch Insulin für Hunde und Katzen“, erklärt er am Infotisch im aufgebauten Zelt. Zumeist handele es sich um flüssige Arzneimittel in Flaschen für zwei bis 500 Milliliter. „Die meisten werden steril hergestellt, sie dürfen keine Mikroorganismen enthalten, deswegen arbeiten wir unter höchsten Hygienestandards.“
400 hochqualifizierte Mitarbeiter
Seit 1959 produziert der Pharmahersteller in Unterschleißheim. Seit 2009 gehört er zum MSD-Konzern. 400 hoch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. „Wir brauchen heißes Wasser und Dampf für die Produktion, momentan erhitzen wir – wie die meisten hier im Viertel – mit Gas“, beantwortet Stöhr die Frage nach Emissionen: „Wir sind aber offen, welcher Energieträger künftig zum Tragen kommt“, zum Heizen sei Geothermie eine Option.
Das Unternehmen kommt in den bestehenden Gebäuden an seine Grenzen, denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Produktionsmenge verdoppelt. „Wir wollen erweitern, den Produktionsstandort in Lohhof erhalten, Arbeitsplätze sichern und bei unseren Planungen die Nachbarn einbinden“, sagt Stöhr. Vor kurzem hat MSD das Gelände der angrenzenden Reka-Kartonagenfabrik erworben, die mittlerweile abgerissen ist. 2025 sollen die Außenarbeiten des Neubaus abgeschlossen sein.
„Höchste Sozial- und Umweltstandards“
Eine ältere Dame fragt, ob gefährliches Abwasser anfalle. Stöhr beruhigt sie: „Wir genügen schon jetzt höchsten Sozial- und Umweltstandards und wollen uns noch weiter verbessern.“
MSD baut für seine Mitarbeiter auf der gegenüberliegenden Seite der Südlichen Ingolstädter Straße ein Parkhaus mit vier bis fünf Stockwerken: „Das nimmt Parkdruck aus dem Wohnviertel.“ Auf dem Dach der neuen Produktionshalle sind Grünflächen und eine PV-Anlag geplant. Es entsteht ein intensiver Austausch im und vor dem Zelt. Die Atmosphäre ist angeregt freundlich. Franz Salzmann, der an der Feldstraße direkter Nachbar von MSD ist, findet es gut, dass die Firma schon in ersten Abstimmungen auf seinen Wunsch eingegangen ist, und die Produktionshalle ein paar Meter zurückversetzt baut. Auch entlang des Theresienbogens wird der Baukörper drei Meter von der Grundstücksgrenze zurückversetzt. Der Abstand zu den Wohnhäusern ist größer als bisher zur Kartonagenfabrik.
Gabriele und Michael Mrosek fragen, wie der Baustellenverkehr abgewickelt wird. „Über die Südliche Ingolstädter Straße“, sagt Stöhr und zeigt auf dem Straßenplan, wo die neue Lkw-Zufahrt entsteht. Das Wohngebiet werde dadurch von Lkw-Verkehr entlastet.
Über „Consul“ können Anwohner mögliche Fassaden kommentieren
Auch Bürgermeister Christoph Böck sucht das Gespräch. Um das Nebeneinander von Arbeiten und Wohnen zu verbessern, wird die Stadt am Theresienbogen hinter der 158 Meter langen Halle Straßengrün anlegen und Bäume pflanzen. „Das Unternehmen hat in Unterschleißheim eine lange Tradition“, sagte Böck zuvor im Pressegespräch, „wir wollen ihm helfen, sich am Standort weiterzuentwickeln.“ Es lobt, dass die Anwohner ihre Interessen einbringen können. Die Stadt stellt dazu die Abstimmungsplattform Consul zur Verfügung. Hier können Bürger unter anderem verschiedenen Gestaltungsvorschläge für die Fassade kommentieren. „Wir wollen alle abholen“, sagt Böck.
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