VonBastian Huberschließen
Alle drei Seefeste und mehrere Waldfeste im Tegernseer Tal mussten wetterbedingt verschoben werden. Für die Veranstalter bedeutet das einen Monster-Aufwand.
Tegernseer Tal – Ein Sommer der Verschiebungen liegt hinter den Veranstaltern im Tegernseer Tal. Der Grund: unbeständiges Wetter und immer wieder drohende Extremwetterlagen. Betroffen waren neben mehreren Waldfesten auch die Seefeste in Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Für Peter Rie von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) einer der schwierigsten Sommer überhaupt für Veranstaltungen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir einmal alle drei Seefeste verschieben mussten.“ Ein Novum. Verschmerzbar für die Gäste. Auch für die Organisatoren? Wir haben uns bei mehreren Veranstaltern umgehört.
Seefeste
Bereits im Vorfeld werden der Termin und zusätzlich zwei Ausweichtermine mit allen Beteiligten abgestimmt. Die Entscheidung, ob verschoben wird, fällt dann so spät wie möglich. „Die Wettervorhersagen auf drei Tage greifen oft nicht“, sagt Rie. Deshalb kann die Entscheidung auch einmal erst am Morgen des Veranstaltungstages fallen – so wie am vergangenen Freitag beim Wiesseer Seefest. Die Entscheidung machen sich die Organisatoren nicht leicht, denn: „Jede Verschiebung kostet Aufwand, Besucher und damit Einnahmen“, sagt Rie. Demgegenüber steht der Sicherheitsaspekt. Bei einem Gewitter wie am vergangenen Freitag, bei dem Schirme und sogar mobile Toilettenanlagen durch den Kurpark Abwinkl flogen, wäre es schlicht zu gefährlich gewesen. „Da hatten wir einen guten Riecher“, sagt Rie. Verschoben wird in der Regel auf einen der darauffolgenden Tage – auch weil davon nicht nur die TTT betroffen ist. „Da hängt wahnsinnig viel dran“, sagt Rie: Unter anderem die Vereine, die Gemeinde, der Bauhof, Urlaube von Ehrenamtlichen, Waren, Kühlwägen und Garnituren. Ist die Verschiebung einmal beschlossene Sache, wird diese umgehend über Presse, Radio, Facebook und die Tourismus-Homepages kommuniziert. Die Speisen, erklärt Rie, verkommen übrigens nicht – die Vereine bestellen normalerweise so spät wie möglich. „Einige haben sich auch mit einem Gastronom kurzgeschlossen, der ihnen die Speisen abnimmt.“ Getränke würden sowieso auf Kommission gekauft.
Waldfest Tegernsee
Trotz durchwachsener Wetterprognosen haben die Tegernseer Vereine beschlossen, ihr Waldfest von Freitag bis Sonntag durchzuziehen. Stehen musste die Entscheidung bis zum Donnerstagmorgen. „Das hängt nur an den Hendln“, sagt Alexandra Kirmayr, Schriftführerin beim SV Tegernsee. „Die werden frisch geschlachtet.“ Für alle anderen Speisen und Getränke ist eine Bestellung am Vortag ausreichend. Eine Gemeinschaftsentscheidung, die sich im Nachhinein als richtig herausstellte. „Wir hatten etwa so viele Besucher wie im Vorjahr.“ Mit Ausnahme des Freitagabends herrschte letztlich doch schönes Wetter. Einziger Ausweichtermin wäre das darauffolgende Wochenende gewesen, denn: „Wir können unsere Buden und die Garnituren nur begrenzt stehen lassen.“ Also lieber sofort als möglicherweise gar nicht.
Wallberger Waldfest
Ursprünglich für Sonntag, 6. August, terminiert, fand das Waldfest der Wallberger schließlich eine Woche später statt. „Die Prognose war so schlecht, dass wir schon am Freitag abgesagt haben“, erzählt Vorsitzender Anton Maier. Notfalls hätte er die Verschiebung auch erst am Sonntagmorgen beschlossen. „Die Hendl kann der Lieferant ja einfrieren.“ Und dann, wenn es soweit ist, langsam über drei Tage auftauen. Einen Besucherschwund gab es deshalb nicht. Zwar kamen etwas weniger als im Vorjahr – das sei aber dem damaligen „Mega-Wetter“ geschuldet. Für die Wallberger ist eine Verschiebung nicht problematisch – auch weil das Fest auf dem vereinseigenen Gelände stattfindet und sie somit nicht auf Straßensperrungen angewiesen sind. Auch die Mehrkosten für die Werbung fallen kaum ins Gewicht. Hinzu kommt, dass die Buden ein zweites Mal mit frischen Daxen dekoriert und eingerichtet werden müssen. Dennoch ist sich Maier sicher: „Das war die absolut richtige Entscheidung.“
Trachtenwaldfest Bad Wiessee
Verschieben mussten auch die Wiesseer Trachtler. „Wir haben Glück gehabt, am Ausweichtermin war’s schöner als angesagt“, freut sich Vorsitzende Uschi Fischbacher. Besucher büße man aber trotzdem ein. Abgesagt haben die Trachtler erst einen Tag vorher. „Meistens haben die Lieferanten Verständnis“, sagt Fischbacher. „Wir geben extra schon bei der Bestellung den Ausweichtermin durch.“ Bei den Speisen haben die Wiesseer ohnehin kein Problem – Hendl gibt’s am Waldfest nicht. Und auch die Mehrkosten halten sich in Grenzen. „Wir müssen ein zweites Mal Werbung schalten. Und eine zweite Brotzeit für die Mitarbeiter spendieren.“ Schließlich sollen die ehrenamtlichen Helfer auch was vom Waldfest haben.
Prognose
Was bringen die Sommer der kommenden Jahre? War das wechselhafte Wetter heuer ein Einzelfall oder das erste Anzeichen einer bestimmten Entwicklung? „Dazu ist keine Aussage möglich“, sagt Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst. Die Wetterlage, die die Siebenschläferregel vorausgesagt hat, habe sich bewahrheitet. Eine Verbindung zum Klimawandel bestehe aber nicht. „Es wird immer viel zu schnell in diese Richtung spekuliert“, sagt Wolz. Es besteht also Hoffnung. Hoffnung auf einen echten Wald- und Seefest-Sommer ohne ständige Unwetter. Und ohne Verschiebungen.
