Gemeinderätin (43) kandidiert für das Amt des Ersten Bürgermeisters

Warum Vanessa Voit Ettaler Ortsgeschichte schreiben kann

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Vanessa Voit (43)ist Vorarbeiterin des Führungsbetriebs inSchloss Linderhof und will nun Verantwortung in der Ettaler Kommunalpolitik übernehmen.
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Nur Männer bekleideten in der Geschichte der Gemeinde Ettal bisher das Amt des Ersten Bürgermeisters. Das könnte sich im März 2020 mit einem Schlag ändern.

Ettal – Starke Frauen an der Spitze der Gemeinden im Landkreis zählen zur absoluten Minderheit. Derzeit erfüllen nur Garmisch-Partenkirchen (Dr. Sigrid Meierhofer), Bad Bayersoien (Gisela Kieweg) und Spatzenhausen (Aloisia Gastl) dieses Schema – gerade mal drei. Auf ihre Spuren begibt sich bei der Kommunalwahl 2020 eine Bewerberin um das künftige Bürgermeisteramt in der Gemeinde Ettal: Vanessa Voit, 43 Jahre, verheiratet, ein Kind (12), von Beruf Vorarbeiterin des Führungsbetriebs in Schloss Linderhof und in der ersten Periode Gemeinderätin.

Nachdem der amtierende Rathauschef Josef Pössinger bereits vor Wochen erklärt hatte, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen, ist der Bürgermeistersessel nun vakant. Sollte Vanessa Voit am 15. März 2020 tatsächlich das Vertrauen der Bürgerschaft erhalten, wäre sie die erste Gemeindechefin in der Geschichte von Ettal.

„Das ist schon eine Bürde, wenn man das so hört“, zeigt sich die Kandidatin in spe demütig, und fügt hinzu: „Aber ich bin ja noch nicht einmal offiziell nominiert.“ Geschehen soll dies bei der Aufstellungsversammlung der Freien Wählergemeinschaft Ettal am Freitag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Ettaler Haus. „Vielleicht gibt es da ja auch einen Mitbewerber“ – Voit hält den Ball flach.

Lokale Geschichte die große Leidenschaft

Tatsächlich stellt sich die 43-Jährige zur Wahl: „Ich bin in den letzten Wochen mehrfach konkret angesprochen worden, da fängt man dann zu überlegen an. Und wenn man mitgestalten möchte, muss man auch so konsequent sein, dann im Ernstfall Verantwortung zu übernehmen. Ich könnte es mir vorstellen, zu kandidieren.“ Die Arbeit im Gemeinderat macht der gebürtigen Schongauerin „unheimlich Spaß“, schließlich studierte sie im Nebenfach Politikwissenschaft.

Alle Kandidaten im Überblick

1994 während des Studiums verschlug es Vanessa Voit nach Schloss Linderhof, „und dort bin ich mit vielleicht zweijähriger Unterbrechung in verschiedenen Bereichen immer wieder gelandet“. Bis heute in der Funktion als Vorarbeiterin beziehungsweise Kastellanin. Seit 18 Jahren nun wohnt Voit in Ettal, „und das überaus gerne“. Freizeit? „Soviel bleibt da nicht mehr übrig.“

Doch eine große Leidenschaft hat die sympathische Gemeinderätin noch, nämlich lokale Geschichte: „Ich habe in Glentleiten das Geschäft gelernt, und bin danach nicht mehr davon weggekommen. Ich bin mit Leib und Seele jemand, der der Geschichte auf der Spur ist.“ Mit Martin Heigl hat sie da jemand in Ettal gefunden, der ebenfalls dieser Passion frönt: „Wir haben schon einiges miteinander gemacht und ergänzen uns ideal.“ So entstand auch eine kleine, aber feine Ausstellung zur Ettaler Ortsgeschichte im Rahmen der Bayerischen Landesausstellung 2018.

Was sie nun vor hat, bewertet Vanessa Voit „als spannende Sache“. Es sei ein Versuch, Verantwortung zu übernehmen, „und sollte ich das Vertrauen der Ettaler und Graswanger Wähler erhalten, will ich es so gut wie möglich machen“. Vielleicht ist ihre Kandidatur ja auch ein Ansporn für andere Frauen: „Man muss sich trauen, etwas Neues zu wagen.“

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