- VonJohannes Thomaschließen
Das abrupte Ende der staatlichen Kaufprämie für Elektroautos ließ Ende 2023 die Nachfrage bei den hiesigen Autohändlern weitgehend einbrechen. Das belegen auch die Zahlen der Zulassungsstelle: Gegenüber 2023 wurden im vergangenen Jahr deutlich weniger Elektrofahrzeuge neu zugelassen. 2005 soll es etwas besser werden.
Stetig steigend waren die Zulassungszahlen für E-Autos in den Landratsamt-Dienststellen Schongau und Weilheim in den vergangenen Jahren: 2021 beispielsweise gab es 645 neue zugelassene Fahrzeuge mit dieser Antriebsart, 2022 bereits 929 und 2023 noch 867. Zum 17. Dezember 2023 wurde die Kaufprämie eingestellt – neu zugelassen wurden im Jahre 2024 nur noch 445 reine Elektrofahrzeuge.
Von einem „unglücklichen Schritt der Politik“ spricht Christian Schwerdtner, einer von zwei Geschäftsführern des Autohauses Schwerdtner in Penzberg, in Bezug auf die Entscheidung, die Förderung zu stoppen. Sein Unternehmer (sieben Mitarbeiter) bietet E-Autos von Mitsubishi und von sieben chinesischen Anbietern: Seres, DFSK, JAC, Forthing, Baic, SWM und XEV. Noch im Sommer des Jahres 2023 lief das Geschäft prima: 15 Autos in zwei Monaten wurden verkauft. Seit dem Ende der Förderung hat das Autohaus kein E-Auto mehr verkauft. Die Zahlen bei Verbrennern stiegen hingegen wieder an.
E-Autos sind jetzt sogar günstiger
Bei den Elektroautos halfen auch keine Rabatte, so Schwerdtner. Der Geschäftsführer setzt nun auf sogenannte „Range Extender“ – Modelle, die mit dem Verbrennungsmotor einen Generator antreiben, der dann den Elektromotor mit Strom versorgt. Damit seien Reichweiten bis zu 1300 Kilometern möglich. Zudem intensiviere er den Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen. Mit dem Verkauf von acht Marken will er in jedem Falle weitermachen. „Ich bin von der Technik mit Elektroantrieb überzeugt“, so Schwerdtner. Was ihm derzeit Sorgen bereitet, sind die Strafzölle der EU für chinesische Elektro-Importfahrzeuge.
Eine dürftige Nachfrage verzeichnet auch Daniel Bauer. Der Geschäftsführer des Autohauses „Doleschal“ in Weilheim hat seit Dezember 2023 gerade ein Elektro-Fahrzeug der Marke Dacia verkauft, keinen einzigen Renault. Das Geschäft mit Hybrid-Fahrzeugen und Verbrennern laufe hingegen gut; gerade bei den preisgünstigen Dacia-Modellen, da sei der Umsatz in den vergangenen drei Jahren um 50 Prozent gewachsen, so Bauer. Aktuell steige auch das Interesse an E-Autos wieder etwas an, was vermutlich am neuen Renault 5 E-Tech liege.
Die Kaufzurückhaltung gerade in jüngster Zeit hat Bauer überrascht. Denn tatsächlich seien viele Modelle mit gleicher Ausstattung heute günstiger zu bekommen als vor Dezember 2023 mit staatlicher Förderung. Das liege an den aktuell hohen Händlerrabatten.
Haus, PV-Ablage, Wallbox und E-Auto
„Es tröpfelt, und das nicht nur bei E-Autos“, sagt Sabine Mader, Geschäftsführerin des Autohauses Welz in Peiting. Es sei derzeit grundsätzlich schwierig, einen Neuwagen zu verkaufen. Ihr Betrieb hatte doppeltes Pech: Als es die Kaufprämie noch gab, hatte Hersteller Ford kaum E-Modelle im Angebot. Eine breitere Modellpalette bietet mit Elektroantrieb bietet der Autobauer erst seit wenigen Monaten. Auch Mader hat das Gefühl, dass die Nachfrage in den vergangenen Wochen etwas zugenommen habe.
Auch im Autohaus Stanglmair, das an sechs Standorten in der Region, nämlich in Murnau, Rottach-Egern, Garmisch-Partenkirchen (zweimal), Schongau, Wielenbach und Starnberg Autos der Marken Hyundai und Opel verkauft, ist die Nachfrage gestiegen, wie der für den Verkauf zuständige Geschäftsführer Stefan Rosenberger bestätigt. Allein im Januar seien neun Hyundai „Inster“ verkauft worden. Das ist ein Kleinwagen, der ab rund 24 6000 Euro angeboten wird und dem Bedürfnis vieler Kunden nach einem elektrischen Zweitwagen entgegenkomme.
„Gott sei Dank haben wir auch im vergangenen Jahr einen vernünftigen Anteil an E-Autos verkauft, auch wenn die Nachfrage nach dem Ende der Prämie sicherlich zurückgegangen ist“, so Rosenberger. Ihm ist aufgefallen, dass E-Autos vor allem dort besser verkauft wurden, wo neue Wohngebiete entstanden seien, zum Beispiel in Schongau und Wielenbach. Denn dort würden auf den Dächern der Eigenheime häufig auch PV-Anlagen installiert. „Wenn dann noch die Wallbox und ein E-Auto hinzukommen, ist das eine runde Sache“, so Rosenberger. Er geht davon aus, dass das Geschäft mit den E-Autos noch besser laufen wird, wenn es eine neue Bundesregierung gibt. Denn viele Interessenten würden abwarten, bis die Frage geklärt ist, ob es eine Neuauflage der staatlichen Kaufprämie gibt.
Zum Jahresende waren im Landkreis 3523 reine Elektrofahrzeuge registriert, insgesamt gibt es rund 143 000 Fahrzeuge mit den Kennzeichen WM oder SOG.