Für die Erben: Gewerbe- soll zu Mischgebiet werden

Vermächtnis im Mariensteiner Gewerbegebiet

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Das Gebäude auf dem Linsmeyer-Grundstück hat die Firma Kinshofer gepachtet.

Das Bergwerk Marienstein machte 1962 dicht, das Zementwerk 1998. Alleinbeauftragter für die Abwicklung war Ferdinand Linsmayer. Ihm gehören im Gewerbegebiet Flächen. Die will er baureif machen für die Erben.

MariensteinMarienstein, das war einst ein Bergwerk und ein Zementwerk, dazu Werkswohnungen. Die Bergleute fuhren 1962 die letzte Schicht, im Zementwerk war 1998 Schluss. Die Abwicklung zog sich bis 2006 hin. „Und ich war der Alleinbeauftragte“, erinnerte Ferdinand Linsmayer (86) die Mitglieder des Bauausschusses. Er war persönlich zur Sitzung gekommen, um für sein Anliegen zu werben. Damals, so Linsmayer, habe er die Grundstücke in Marienstein nur an Einheimische verkauft. Er habe auch alles getan, um einheimische Firmen anzusiedeln. „Vielleicht kann man das bedenken“, appellierte er an den Ausschuss.

Was Linsmayer will, stellt die Gemeinde jedoch vor ein ziemlich großes Problem. „Wir müssten einen Bebauungsplan aufweichen, über den wir uns viele Gedanken gemacht haben“, meinte Hartl. Das sei ein weitreichender Beschluss, den der Bauausschuss nicht treffen könne. Er empfehle, den Antrag an den Gemeinderat zu verweisen.

Linsmayer will, dass ein 1100 Quadratmeter großes Grundstück vom Gewerbe- zum Mischgebiet wird. Aktuell hat er es an die Firma Kinshofer verpachtet, die dort ihren Verwaltungssitz hat. Der Vertrag läuft noch 30 Jahre, Linsmayer will ihn auch nicht kündigen. Aber er denkt in die Zukunft, an seine Erben. Sein Enkel, jetzt 18 Jahre alt und in der Ausbildung zum Forstwirt, soll auf dem Gelände einen Betrieb und auch ein Wohnhaus errichten können. Letztere ist nur im Mischgebiet zulässig. Der Bau ist noch Zukunftsmusik, aber Linsmayer will die Weichen jetzt stellen. „Ich muss meine Dinge jetzt ordnen“, findet er.

Um das zu tun, ist er schon öfter im Rathaus vorstellig geworden. Linsmayer hat damals einige Grundstücke in Marienstein gekauft, auch ein Wald gehört dazu. Gerade richtig für den Enkel, dessen Berufswunsch Land- und Forstwirt ist. Zunächst, so Hartl, habe Linsmayer Anträge für mehrere Grundstücke gestellt. Nun gehe es nur noch um eine einzelne Fläche. Um die Umwidmung vom Gewerbe- zum Mischgebiet durchzusetzen, hatte Linsmayer dem Ausschuss einige Fotos mitgebracht. Sie sollten dokumentieren, dass dort in alten Zeiten schon das Ärztehaus des Betriebs stand. Rudi Reber (ABV) schüttelte nur den Kopf. „Das stand nicht dort“, meinte er.

Ausschlaggebend war das nicht. Der Ausschuss votierte einmütig gegen Linsmayers Antrag und für den Vorschlag, das weitere Vorgehen im Gemeinderat zu besprechen. Hartl will am Bebauungsplan grundsätzlich festhalten, vor allem mit Rücksicht auf die Betriebe, die dort jetzt ihren Sitz haben. Denn die Ausweisung als Mischgebiet bedeutet auch höhere Anforderungen an den Lärmschutz. Bei einem Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen, weiß Hartl, „ist der Ärger doch vorprogrammiert“.

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