Corona-Pandemie

Kreativ in Zeiten der Krise

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Veronika Ranz sitzt momentan viel an ihrer Nähmaschine.
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Veronika Ranz näht leidenschaftlich gerne. Ihr Hobby nutzt die Kochlerin nun dazu, Stoffmasken als Behelfs-Mund- und Nasenschutz zu nähen. Die Nachfrage ist groß. Ihren Erlös will Ranz der Kochler Bergwacht spenden.

Kochel am See – Als das Coronavirus auch in Bayern immer weiter um sich griff, wollte Veronika Ranz für ihre Familie spezielle Schutzmasken für den Mund- und Nasenbereich kaufen. Denn die Übertragung von Coronaviren erfolgt beispielsweise durch Tröpfchen, die unter anderem beim Husten oder Niesen entstehen und auf diesem Weg auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen gelangen.

Doch schon lange gibt es beim genormten Mundschutz Lieferengpässe. Ranz suchte im Internet nach geeigneten Produkten – und war entsetzt über die ihrer Meinung nach „unverschämten Preise“, die im Netz für eine Maske verlangt wurden. Per Zufall, erzählt die 63-Jährige, stieß sie auf einer Internetseite der Stadt Essen auf eine „do-it-yourself“-Anleitung für eine derartige Maske. Allerdings in reinem Weiß. „Stinklangweil“ fand Ranz das. Also kramte sie ein bisschen in ihrem eigenen Stofflager, das sich bei ihr als Hobbynäherin über die Jahre so angesammelt hatte und setzte sich an ihre Industrienähmaschine.

Tragen des Mundschutzes kann helfen, die Übertragungswege des Virus zu reduzieren 

Ein selbst gemachter, behelfsmäßiger Mund- und Nasenschutz ist laut Experten zwar kein vollwertiger Ersatz für eine genormte, industriell hergestellte Schutzmaske. Er könne jedoch die Verteilung von Tröpfchen auf andere Menschen zumindest minimieren und so mithelfen, die Übertragungswege des Coronavirus zu reduzieren. Vor allem bei der Begegnung mit einer Risikoperson mache das auch das Tragen eines solchen Schutzes Sinn.

Am ersten Mund- und Nasenschutz, erzählt Ranz, habe sie fast eine Stunde gearbeitet. Mittlerweile brauche sie vom Zuschneiden der Stoffe bis zur fertigen Maske nur noch rund 20 Minuten. Dann hat sie aus zwei Lagen Baumwollstoff, etwas Schrägband und einem Stück Pfeifenputzer-Draht eine farbenfrohe Maske genäht. Sie mag weißen, dünnen Baumwollstoff als Futterstoff und bunten, dünne Baumwolle als Oberstoff. „Man muss auf jeden Fall durch die Maske gut durchatmen können“, sagt Ranz.

Anfragen bis aus der Oberpfalz 

Je nachdem, ob der Schutz für Kinder oder Erwachsene bestimmt ist, sollten die Masken größer oder kleiner ausfallen. Kinder mögen Masken mit Bienen, Früchten oder Drachen. Erwachsene aus den verschiedensten gemusterten Stoffen, meint Ranz. Ihre ganze Familie hat die Kochlerin mittlerweile mit Masken eingedeckt, dazu zahlreiche Nachbarn und Freunde. Bestellungen für neue Masken bekommt sie jeden Tag einige, auch seit dem Bericht über Ranz im Bayernteil unserer Zeitung. „Auch aus der Oberpfalz kamen Anfragen“, sagt die Kochlerin. Gerade hat Ranz Masken für das Pflegepersonal in den Seniorenheimen in Schlehdorf und in Kochel genäht, genau wie für die Apotheke im Ort. Insgesamt über 50 Stück in knapp zwei Wochen.

Den Mund- und Nasenschutz sollte man täglich bei mindestens 60 Grad waschen, sagt Ranz. Für eine selbst genähte Maske verlangt sie fünf Euro. „Bei manchen Online-Angeboten werden 20 Euro verlangt“, sagt die Kochlerin. „Das ist Wucher.“ Dass manche Leute die Angst der Menschen ausnützen würden, um Geld zu verdienen, findet sie schlimm. Ihren Erlös der Schutzmasken will Ranz der Kochler Bergwacht spenden.

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