Egal ob Weihenstephan, Flughafen oder Altstadt: Vom Baustellenkran auf dem Domberg aus hat man ganz Freising im Blick. Davon haben wir uns nun selbst überzeugt.
Freising – Eigentlich habe ich keine Höhenangst. Wäre auch ziemlich unpraktisch, wenn man sich wie ich entschließt, auf einen 70-Meter-Kran zu steigen. Ich stehe am Parkplatz und blicke nach oben. Freisinger kennen den Kran, vor dem ich mich befinde. Er ist kaum zu übersehen: Mitten in der Stadt, genauer gesagt auf dem Domberg, steht dieses Riesending.
Anlässlich der Neugestaltung des Freisinger Doms haben im Juli die Umbauarbeiten des Diözesanmuseums begonnen. Auch das ehemalige Domgymnasium, das Kardinal-Döpfner-Haus sowie Außenflächen werden saniert. Ein Großprojekt – für das man auch einen großen Kran braucht. Der hilft beim An- und Abtransport von Materialien. Mehr weiß ich über das Baugerät bis dato nicht. Noch weniger aber weiß ich über denjenigen, der den Kran bedient. Ich will herausfinden, wer da oben sitzt und wie es an Freisings höchstem Arbeitsplatz aussieht.
Beißender Wind trotz Herbstsonne - und pure Euphorie
Von einem Baustellen-Verantwortlichen bekomme ich ein Paar Anti-Rutsch-Handschuhe, dann geht’s auf die Leiter. Ich steige Sprosse um Sprosse nach oben. Und spüre, wie mein Herz anfängt, schneller zu pochen. Unter mir laufen Menschen über die Straße, winzig wie Ameisen, und Fahrzeuge wirken wie Matchbox-Autos. Ich konzentriere mich lieber wieder auf die Leiter.
Video: Zu Besuch auf dem Domberg-Kran
Nach zehn Minuten oben angekommen, bemerke ich zu allererst den beißenden Wind. Trotz der Herbstsonne lässt die Kälte mich kurz erstarren. Doch dann – pure Euphorie: Mein Blick schweift über Freising und die Aussicht raubt mir den Atem. Man sieht den Flughafen, Weihenstephan, die Domtürme von oben. Der Kran überragt sie.
Der Kranführer ist 21, heißt Yousef Osmani und bewegt bis zu 24 Tonnen
Ich bin nicht allein. Der Grund, warum ich hier hochgeklettert bin, sitzt vor mir in der Kabine. Wie viele Stufen es exakt sind, kann mir Yousef Osmani nicht genau beantworten. Aber: „Mein Rekord sind drei Minuten für den Aufstieg“, sagt der 21-Jährige und grinst. Osmani ist gebürtiger Syrer, lebt eigentlich in Stuttgart und arbeitet für eine Esslinger Firma. Unter der Woche ist er auf der Baustelle in Freising. Ich bin ehrlich: Einen Kranführer hatte ich mir anders vorgestellt. Nicht so jung, nicht so entspannt und gut gelaunt vielleicht, wie Yousef Osmani es ist.
Über ein Funkgerät kommuniziert er mit Kollegen auf der Straße, um die am Stahlseil hängenden Container zu platzieren. Je nach Position des Seils am Ausleger kann dieser bis zu 24 Tonnen heben. Ein kleiner Monitor mit Live-Daten vom Kranarm hilft ihm beim Manövrieren.
Der Kran dreht sich - und das Staunen beginnt
An die spektakuläre Aussicht ist der 21-Jährige längst gewöhnt – im Gegensatz zu mir. Deshalb unterbricht er seine Arbeit und dreht die Krankabine für einen Moment genau so, dass ich den besten Blick auf die Altstadt habe. Ich komme kaum aus dem Staunen heraus. Doch dann tönt eine Stimme durchs Funkgerät – für mich das Zeichen, sich zu verabschieden. Die Arbeit des Kranführers geht weiter. Und für mich ist es an der Zeit, wieder hinabzusteigen.
Mia Sellmair
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