Anzing steht vor einer womöglich heißen Debatte

Viel Platz für Photovoltaik, aber wenig Begeisterung bei den Landwirten

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Anzing hat eine gewaltige Menge an potenziellen Flächen, auf denen Freiflächen-Photovoltaik denkbar wäre. Verloren gingen dabei aber unter Umständen wertvolle, ertragreiche landwirtschafliche Böden.
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Eine Untersuchung hat ergeben: Anzing hat viele Flächen, die geeignet wären für Photovoltaik-Freiflächenlösungen. Aber die Begeisterung ist eher reduziert.

Anzing – Einerseits hört sich das alles vielversprechend an: Im Umgriff der Flächengemeinde Anzing, haben Fachleute der Energie Agentur Ebersberg München jetzt ausgerechnet, gibt es etwa 812 Hektar Netto-Positivfläche, auf der förderfähige und nicht förderfähige Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV) errichtet werden könnten. Selbst wenn man nur einen kleinen Teil davon wirklich mit entsprechenden Anlagen bestücken würde, könnte die Gemeinde im nördlichen Landkreis damit bequem den eigenen Strombedarf decken.

Im Jahr 2020, hat die Energieagentur ermittelt, habe Anzing insgesamt 15307 MWh (Megawattstunden) verbraucht. Dafür wären rechnerisch lediglich 15,3 Hektar Freiflächen-PV erforderlich.

Zur Vorgeschichte: Die Energie Agentur hatte, wie schon berichtet, von der Gemeinde vor einiger Zeit schon den Auftrag erhalten, ein lokales Standortkonzept zu erstellen mit den Ziel, sogenannte Positivflächen für Photovoltaik auf Freiflächen zu identifizieren und auch solche Flächen zu ermitteln, auf denen PV-Anlagen unter bestimmten Voraussetzungen gebaut werden können. Zugleich lautete der Auftrag, die rechtlichen und naturschutzfachlichen Rahmenbedingungen dafür zu prüfen sowie zugleich die Vorgaben der Landes- und Regionalplanung zu beachten.

Energieagentur stellt Untersuchungsergebnisse im Gemeinderat vor

Das Ganze sollte und soll last not least dazu dienen, der politischen Gemeinde eine Entscheidungsgrundlage zur Steuerung des Ausbaus der Solarenergie zu bieten. Auch die Möglichkeiten zur Nutzung von Windkraft soll in diesem Kontext geprüft werden, hieß es. Dazu werde es aber laut Bürgermeisterin Kathrin Alte zu einem späteren Zeitpunkt Konkreteres geben.

Die Autoren des Gesamtkonzepts hatten zur Frage Freiflächen-PV auch beim Regionalen Planungsverband München und beim Landratsamt Ebersberg angefragt – und von beiden Stellen Signale bekommen, dass planungsrechtliche Konflikte für derartige Vorhaben in weiten Teilen des „Grüngürtels München-Ost bei Poing“ nicht zu erwarten seien. Zur Förderfähigkeit hieß es, dass nach den Vorgaben im EEG-Gesetz zur Forcierung erneuerbarer Energien immerhin gut 270 Hektar positiv beurteilt werden könnten.

Windkraftpotenziale werden erst später präsentiert

Gleichwohl hielt sich im Plenum die Begeisterung in Grenzen. Kathrin Alte verwies auf einen Austausch mit örtlichen Landwirten noch im alten Jahr. Die Sorge sei, dass ihnen wertvoller und guter landwirtschaftlicher Boden gewissermaßen entzogen werden könnte. Martin Kandler, CSU-Ratsherr und praktizierender Landwirt, sagte etwa, dass es gerade in Anzing besonders gute Böden gebe, auf die er und seine Kollegen nur ungern verzichten wollten.

Man habe großes Verständnis für diese Position, betonte die Bürgermeisterin, die mit Blick auf Freiflächenprojekte eine klare Priorisierung verfolgt. Zunächst sollten nach ihren Worten alle möglichen Dachflächen in Betracht gezogen werden, danach die nach dem EEG förderfähigen Flächen (etwa entlang eines Korridors beidseitig der A 94). Zudem verwies sie auf das private Großvorhaben in Auhofen mit 19,7 Hektar Größe, für das man im Prinzip schon ein Plazet erteilt habe. Ansonsten gelte mit Blick auf weitere Aktivitäten das Prinzip „angezogene Handbremse“.

Das „Problem“: Anzing hat relativ gute landwirtschaftliche Böden

Ziel ist es nun, das Gesamtkonzept einschließlich der Windkraftpotenzialflächen im Mai im Rat zu beschließen. Zuvor soll es im Umweltausschuss einen Workshop geben. Einen Beschluss fasste der Rat aktuell aber nicht.

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