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Einweg-E-Zigaretten erfreuen sich gerade auch bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Doch auch wenn sie harmlos daherkommen, sind sie gefährlich - und schlecht für die Umwelt.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Sie sind bunt, dampfen und schmecken nach Erdbeere, Zitronenkuchen, Cola oder Mango. Die Rede ist von Einweg-E-Zigaretten. Sie sehen ein bisschen aus wie dicke Textmarker und erfreuen sich aktuell besonders bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Doch so harmlos wie die kunterbunten, „Vapes“ genannten Plastikkippen daherkommen, sind sie nicht.
Das schicke Design und die Aromen ziehen besonders Jugendliche an
„Einweg-E-Zigaretten sind ein sehr aktuelles Thema“, sagt Manuela Becker. Die Sozialarbeiterin ist in der Jugendsuchtberatung der Caritas im Landkreis tätig. Die Beratung steht Jugendlichen von 14 bis 21 Jahren offen und ist kostenlos. „Durch die Werbung, das schicke Design und die Auswahl an süßen Aromen in den Liquids (das ist die Flüssigkeit, die in der E-Zigarette verdampft wird, Anm. d. Red.) werden Jugendliche stark angezogen“, erklärt sie.
Viele wissen nicht, „dass Einweg-E-Zigaretten unter den Jugendschutz fallen“
Obwohl man das Produkt eigentlich erst ab 18 Jahren kaufen darf, rauchen viele Jüngere die E-Zigaretten. „Die Öffentlichkeit ist noch nicht so sensibilisiert dafür, dass die Einweg-E-Zigaretten unter den Jugendschutz fallen“, hat Becker beobachtet. „Online kommt man leicht ran“, erklärt sie. „Zudem gibt es Eltern, die ihren Kindern die E-Zigaretten kaufen, in der Hoffnung diese seien besser als normale Zigaretten, die das Kind unkontrolliert raucht.“ Doch Becker warnt: „E-Zigaretten sind nicht harmlos. Sie können genauso wie normale Zigaretten die Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, gesundheitlich gefährden.“
Das Risiko, später zum Raucher zu werden, ist größer
Weil E-Zigaretten aber ein recht neues Produkt sind, gibt es zu ihnen noch keine Langzeitstudien, erklärt Becker. Man könne also noch nicht genau sagen, was ein langjähriger Konsum bewirkt. Was laut Becker aber bereits bekannt ist: „Insbesondere für die Lunge kann der Konsum von E-Zigaretten aufgrund der Partikel in den Liquids gefährlich sein.“ Zudem sei das Risiko, später zum Raucher zu werden, größer. „Nikotin ist das Suchtpotenzial schlechthin.“ Der Körper gewöhne sich schnell daran und verlange eine immer höhere Dosis. „Durch die Tabaksteigerung landet man dann irgendwann bei normalen Zigaretten.“
Sie schmecken besser und man stinkt nicht nach Rauch
Was vor allem auf Jüngere anziehend wirken mag, ist die Tatsache, dass die bunten Wegwerf-Plastikkippen viel angenehmer schmecken, als normale Zigaretten. „Und man stinkt nicht so“, sagt Becker. Außerdem werden sie ihr zufolge auch gern in Innenräumen, zum Beispiel in Diskotheken, geraucht, und die Konsumenten müssen sich nicht die Mühe machen, für eine Zigarette extra raus vor die Tür zu gehen. Das macht sie praktischer als herkömmliche Zigaretten.
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Nach 600 Zügen ist Schluss - und das Ding wandert in den Müll
Was die Einweg-E-Zigaretten neben ihren ungesunden Inhaltsstoffen außerdem zu einem umstrittenen Produkt macht, ist die Tatsache, dass sie der Umwelt schaden. Denn nach etwa 600 Zügen ist Schluss, und das bunte Teil wandert in den Müll. In den Restmüll darf es aber keinesfalls. Weil sie eine Lithium-Ionen-Batterie enthält, ist die leere E-Zigarette Elektroschrott, erklärt Georg Schneider, Abfallberater im Landkreis und Gefahrgutbeauftragter bei der WGV Quarzbichl. Auch in Handys seien diese Lithium-Ionen-Batterie beispielsweise verbaut. „Die sind hochleistungsfähig“, so Schneider. Aber sie sind nicht ungefährlich. Er beruhigt: Bei normalem Gebrauch passiere nichts. Aber: „Bei unsachgemäßer Behandlung kann sie explodieren oder zu brennen anfangen“, erklärt der Abfallberater. „Je nachdem, wo sie landet, zum Beispiel eben im Restmüll, kann sie im Müllauto gequetscht werden“, so Schneider. Und dann könne sie sich entzünden.
Einweg-E-Zigaretten müssen fachgerecht entsorgt werden
„Man minimiert das Risiko, indem man die Einweg-E-Zigaretten beim Wertstoffhof fachgerecht entsorgt“, erklärt Schneider. Außerdem können einzelne Bestandteile dann auch recycelt werden, und die Gefahr, dass Schadstoffe in die Umwelt gelangen, wird gebannt. Er vermutet aber, dass die meisten die leeren E-Zigaretten nicht gesondert beim Elektroschrott abgeben, sondern sie entweder draußen achtlos wegwerfen oder sie im Restmüll entsorgen. Schneider sieht in den Vapes ein „Produkt, auf das man durchaus hätte verzichten können“.
Das Geschäft mit den Einweg-E-Zigaretten läuft gut
Doch das Geschäft mit den bunten Plastikkippen läuft gut. Auch in Tölz. Das bestätigt Kathrin Seidl, Filialleitung beim Kiosk im Kaufland. „Die Nachfrage ist enorm.“ Zwischen 40 und 50 Stück gehen bei Seidl pro Tag etwa über den Ladentisch. Doch wer kauft die bunten Teile? „Das ist querbeet“, sagt sie. „Viele junge Leute, aber auch viele Ältere, die damit von Zigaretten wegkommen wollen.“ Und warum sind die E-Zigaretten so beliebt? „Die Kunden schätzen die verschiedenen Geschmäcker und, dass sie nicht so nach Rauch stinken“, erklärt Seidl. Welche Sorte bei ihr am besten geht? „Das kommt auf den Geschmack an. Aber etwas Fruchtiges geht immer.
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