VonSilke Schederschließen
Wer hätte das gedacht: Nach drei Wochen Zwangspause sehnen sich viele Schüler nach dem Unterrichtsalltag – vor allem die in den Abschlussklassen. Ebenfalls überraschend: Die Notbetreuung wird im Landkreis kaum in Anspruch genommen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der Corona-Krise gewinnt Schule wieder einen ganz anderen Wert in den Köpfen der Menschen, da ist sich Christian Müller sicher. „Vielen wird bewusst, wie gut es ist, einen Lehrer zu haben, der einem alles erklärt“, sagt der Rektor der Südschule Bad Tölz. Gerade im Bereich der Mittelschule nehme der Lehrer als Bezugsperson und das handlungsorientierte Lernen eine wichtige Rolle ein: „Auch, wenn sich die Schüler bemühen: Für sie ist es schwer, sich allein zuhause den Stoff anzueignen.“
Gerade die Jugendlichen in den Abschlussklassen beschäftige es sehr, ob sie sich gut genug auf die finalen Prüfungen vorbereiten können. Die Lehrer tun Müller zufolge alles dafür – auf allen Kanälen. Den persönlichen Kontakt aber könne auch ein Telefongespräch nicht ersetzen. „Alle würden sich freuen, wenn es wieder losgeht.“
Jugendliche der Abschlussklassen machen sich große Gedanken über die finalen Prüfungen
Seit drei Wochen hat kaum ein Schüler einen Fuß in die Südschule gesetzt. Nur ein Geschwisterpaar kam an manchen Tagen in die Notbetreuung. Landkreisweit werden nach Angaben des Staatlichen Schulamts Bad Tölz-Wolfratshausen im Schnitt 20 bis 25 Kinder in Kleinstgruppen in den staatlichen und privaten Grund- und Mittelschulen betreut.
In der Grund- und Mittelschule Königsdorf nutzt bislang keine Familie die Notbetreuung, sagt Rektorin Judith Rupp. Auch für die Osterferien liegen der Rektorin keine Anmeldungen vor. Überrascht ist Rupp davon nicht: Schon, als wegen der heftigen Schneefälle Anfang 2019 und vor wenigen Wochen wegen des starken Winds der Unterricht ausgefallen war, hatte kaum eine Familie das Angebot einer Notbetreuung in Anspruch genommen.
Was Rupp vielmehr überrascht: „Man kann nicht davon ausgehen, dass jede Familie einen PC oder Drucker besitzt.“ Zum Teil hat die Schule Computer wieder flott gemacht und den betroffenen Familien zur Verfügung gestellt, damit sie sich die Arbeitsunterlagen ausdrucken können. „Manche Kollegen verteilen das Material sogar persönlich per Post.“ Alle Lehrer seien sehr engagiert, betont Rupp. „Manche sitzen jetzt deutlich länger am Schreibtisch als normal.“
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„Alle würden sich freuen, wenn der Betrieb bald wieder losgeht“
Weniger Einsatz zeigen Rupp zufolge dagegen einige Schüler des Abschlussjahrgangs: „Manche sind noch nicht vernünftig genug, um zu verstehen, dass es um den eigenen Abschluss geht.“ Sie befürchtet, dass viele Kinder und auch deren Eltern „in die Knie gehen“, wenn der Unterricht nach der Ferien nicht wieder regulär stattfindet. Rupps Fazit: „Alle würden sich freuen, wenn der Betrieb bald wieder losgeht.“
Dagegen hätte auch Frank Schwesig nichts. „Die Möglichkeiten, unter diesen Umständen Stoff zu vermitteln, sind begrenzt“, sagt der Rektor der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen. Inzwischen funktioniere das „Homeschooling“ zwar ganz gut. Vor allem die Abschlussklassen wüssten, wofür sie lernten. „Gerade in der Pubertät ist es aber wichtig, wenn es einen Lehrer gibt, der auch mal sagt: ,Jetzt noch kurz zusammenreißen‘.“ Viele Familien befänden sich aktuell in einer schwierigen Situation: die Rhythmisierung entfalle, manche Eltern könnten wegen Sprach- und Verständnisschwierigkeiten bei den Schularbeiten nicht helfen. „Sie sind ja auch keine Lehrer.“
Kein Fußgetrampel, kein Gelächter: Stefanie Scheja ist es aktuell definitiv zu still auf Schloss Hohenburg. „Wir haben alle ein bisschen Sehnsucht nach unseren Schülerinnen“, sagt die Leiterin der Realschule Hohenburg in Lenggries. Und den meisten Mädchen gehe es umgekehrt genauso. Vor allem die Abschlussklassen waren anfangs sehr verunsichert. Inzwischen aber habe sich alles gut eingespielt. „Die Kollegen sind sehr kreativ, da findet viel Positives statt“, sagt Scheja. Auch unter den Mädchen passiere viel. Außerdem beginnen die schriftlichen Abschlussprüfungen heuer erst am 1. Juli. Das heißt: Auch, wenn die Schulen nach den Ferien nicht sofort wieder öffnen: „Wir haben noch Zeit.“
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