VonCarl-Christian Eickschließen
Die Angst geht um unter Schafhaltern: Auf einer Weide in Münsing wurden vier Schafe gerissen. Es könnte ein Wolf gewesen sein.
Münsing – Auf einer Weide im Außenbereich der Seegemeinde sind in der Nacht auf Samstag vier Schafe gerissen worden. Die Verletzungen, die den Tieren zugefügt worden sind, legen für Ulrich Wotschikowsky den Verdacht nahe: „Ich gehe davon aus, dass es ein Wolf war.“ Der gelernte Förster zählt zu den bekanntesten deutschen Wolfsexperten und ist vom betroffenen Münsinger Schafhalter über den Vorfall informiert worden. Wotschikowsky hat sich am Samstag vor Ort ein Bild gemacht – will aber trotz seines Verdachts nicht ausschließen: „Es kann auch ein Hund gewesen sein.“ Gewissheit soll ein DNA-Test verschaffen, der im Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen (Hessen) durchgeführt wird. Das kann einige Tage, sogar einige Wochen dauern. Vorausgesetzt, die DNA-Struktur des in Münsing sichergestellten Speichels ist noch nicht zerstört, interessieren Wotschikowsky vor allem die Antworten auf diese drei Fragen: „War es ein Wolf oder ein Hund? War es ein männlicher oder ein weiblicher Wolf? Welcher Population entstammt er?“
Experten-Tipp: Herde nachts in den Stall holen
Den Schafhaltern im Landkreis empfiehlt der Experte, ihre Herde nachts in den Stall zu holen. Für sinnvoll erachtet es Wotschikowsky, „einen mindestens einen Meter hohen Stromzaun um die Weiden zu ziehen“. Allerdings würden Wölfe in den seltensten Fällen versuchen, Hindernisse springend zu überwinden: „Nein, die graben sich stattdessen unter einem Zaun durch“. Ergo sei es hilfreich, Maschendraht 30 bis 40 Zentimeter tief ins Erdreich einzulassen. Spaziergänger hätten nichts zu befürchten, beteuert der Wildbiologe: „Die Gefahr, dass ihnen im Wald ein Ast auf den Kopf fällt, ist ungleich höher als dass ihnen ein Wolf in den Po beißt.“
Ludwig Bauer, Vorsitzender der Schafhaltervereinigung im Landkreis, ist nicht zu Scherzen aufgelegt. Dem Otterfinger war der aktuelle Fall noch nicht zu Ohren gekommen. „Doch im Verband mehren sich die Meldungen von Wolf-Sichtungen“, sagt Bauer im Gespräch mit unserer Zeitung. Brigitte Huber, Schafhalterin in Münsing, bestätigt: „Ja, das Thema geistert schon eine Zeit lang umeinander.“ Nicht erst seit der angeblichen Wolf-Sichtung zwischen Königsdorf und Eurasburg Anfang Januar (wir berichteten) hat Huber ein mulmiges Gefühl. Sie kümmert sich um 18 Mutterschafe, „mit Lämmern haben wir summa summarum 34 Tiere“. Nach dem Anruf unserer Zeitung am Montagnachmittag „werde ich jetzt erst mal hoch zur Weide fahren und alles kontrollieren“.
Der Polizei in Wolfratshausen sind die gerissenen Schafe nicht gemeldet worden. „Das muss auch nicht getan werden“, erklärt Wolfsexperte Wotschikowsky. Sollte die DNA-Spur tatsächlich zu Isegrim führen, werde das Landesamt für Umweltschutz die Behörden informieren.
