Dem Bayerwaldhaus im Westpark droht Verfall. Per Eilantrag soll nun die Stadt zur Übernahme aufgefordert werden. Das sorgt für Streit im Bezirksausschuss.
Streit, heftige Anschuldigungen, Sitzungsunterbrechung: Die unsichere Zukunft des Bayerwaldhauses entwickelt sich zur Zerreißprobe für den Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark. Nach einer mehr als halbstündigen, polemischen Diskussion stimmte schließlich eine knappe Mehrheit der Viertelpolitiker einem Eilantrag von Dieter Meyer (fraktionslos) zu, in dem er fordert, dass das historische Bauernhaus im Westpark an die Stadt übergeht. Der Oberbürgermeister soll den Eigentümer kontaktieren, der das dringend sanierungsbedürftige Gebäude – als Schenkung – abgeben möchte.
CSU und SPD wollen Haus einem Verein überlassen
Die Fraktionen von CSU und SPD waren schon darüber sauer, wollten sie doch, dass der interessierte Verein „Münchner Kreis für Volksmusik, Lied und Tanz“ das Gebäude aus der Mitte des 18. Jahrhunderts bekommt – das Fass zum Überlaufen brachte der Mehrheitsbeschluss, dem Verein auch in dem Fall zumindest vorab keine finanzielle Unterstützung zuzusichern, sollte die Stadt das Bayerwaldhaus ablehnen. Otto Seidl (CSU) hatte im Namen des Vereins bereits in der vorletzten Sitzung einen Zuschuss von 15 000 Euro für die nötige Erneuerung des Dachs – geschätzte Gesamtkosten: 50 000 Euro – beantragt.
Bürokratische Hürden und vergeudete Zeit
„Damit ist ein erster Sargnagel in das Haus gestoßen“, ärgert sich BA-Chef Günter Keller (SPD). Dem Interessenten im Fall einer etwaigen Übernahme Planungssicherheit zu geben, sei fest vereinbart gewesen – sein eigenes Vertrauen in den BA sei kaputt. Jetzt werde man das historische Gebäude nicht im Westpark halten können, fürchtet auch CSU-Sprecher Alfred Nagel. Indem man den Weg über die Stadt gehe, schaffe man sich bürokratische Hürden und vergeude Zeit. Das Gebäude werde derweil verfallen oder der Eigentümer entferne es aus dem Park.
Stadt müsste Pächter finden
Meyer dagegen besteht darauf, dass das Bayerwaldhaus in öffentliche Hand gehört. Eine dauerhafte Nutzung durch einen privaten Verein „für einen sehr eingeschränkten Interessenfokus“ entspreche auf Dauer „nicht dem Interesse unserer sehr heterogenen und diversen Stadtgesellschaft“. Die Stadt müsste freilich selbst erst einen geeigneten Pächter finden.